Umbau einer Stallruine zum Ferienhaus in Scaiano

Archaische Architektur mit Naturstein-Flachdach

Der Weiler Scaiano, heute Ortsteil von Caviano, liegt hoch über dem See, am Osthang des Lago Maggiore. Die Straße endet am Ortseingang, weiter geht es nur zu Fuß durch den alten Tessiner Ort. Dessen alte Häuser haben sich durch nahezu fensterloses Bruchsteinmauerwerk mit steinernen Satteldächern, außen liegenden Treppen und Holzveranden ihren ursprünglichen Charme erhalten können. Am Rande des Siedlungskerns, in steiler Hanglage mit grandiosem Blick über den See, befand sich ein Grundstück mit zwei verbundenen Baukörpern, die hauptsächlich als Stall und Scheune dienten und seit Jahren leer standen. Mit dem Umbau der Stallruine in ein kleines Ferienhaus beauftragte ein Zürcher Ehepaar die Architekten Markus Wespi und Jérôme de Meuron.

Über die oberste Ebene wird das Ferienhaus erschlossen; die hochformatige Eingangstür erscheint wie ein Schlitz im sonst geschlossenen Mauerwerk
Durch Entfernen des alten Satteldaches und Reduktion des Baukörpers kommen die vorhandenen Konturen zum Vorschein

Durch Entfernen des alten Satteldachs und Reduktion des Baukörpers auf einen klaren Quader kamen die vorhandenen Konturen zum Vorschein. Um die Proportionen nicht zu beeinträchtigen, wurde eine notwenige Wohnraumerweiterung unter dem Terrain vorgenommen. Aus Beton entstanden neue Geschossdecken sowie das neue, mit Stein gepflasterte Dach. Die Wärmedämmung wurde innenseitig mittels Schaumglas angebracht; der innenseitige Putz wurde in beige-braun-Tönen lasiert und passt sich somit der Farbgebung des Zementestrichs harmonisch an.

Knappe 65 m² Wohnfläche sind auf drei Geschosse verteilt. Durch eine geschickte Innenraumgestaltung sind diese beengten Verhältnisse jedoch wenig spürbar. Gemeinsam wurde entschieden, das Neue nicht dem Alten gegenüberzustellen, sondern alte und neue Materialien miteinander zu vereinen. So geht beispielsweise das rohe Mauerwerk der Außenwand im Dachrandbereich fließend in die Attika über, wobei hier auf eine herkömmlich Blechabdeckung verzichtet wurde; scharfkantig hebt sich der Quader von seiner Umgebung ab.

Flachdach
Das neue Dach ist gleichsam als fünfte Fassade wirksam: oberhalb einer Dränschicht auf wurzelfester Abdichtungslage wurde eine Natursteinpflasterung in Splitt verlegt; die neu eingezogene Decke aus wasserdichtem Beton wurde direkt mit Gefälle eingebracht, welches sich durch alle Schichten hindurch zieht. Oberhalb der auf der Innenseite sichtbar belassenen Betondecke wurde in Heißbitumen eingeschwemmtes Schaumglas in einer Dicke von 15 cm eingebracht. In gleicher Oberflächengestaltung erscheint die Terrasse, über die der Zugang des Hauses auf oberster Ebene erfolgt. Das archaische Erscheinungsbild der Gesamtanlage wird so unterstrichen, der Baukörper fügt sich ruhig und reduziert in seine Umgebung ein.

Bautafel

Architekten: Markus Wespi Jérôme de Meuron, Caviano
Projektbeteiligte: Paolo de Giorgi, Tegna (Statik), IFEC Consulenze, Rivera (Bauphysik)
Bauherr: privat
Fertigstellung: 2004
Standort: Scaiano im Tessin

Fachwissen zum Thema

Je nach Nutzungsart und Aufbau gibt es verschiedene Dämmstoffe, die Verwendung finden können, um beispielsweise die gesetzlichen Vorgaben des Gebäudeenergiegesetzes zu erfüllen.

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Auf der Ebene zum Garten entwickelt das Wohnhaus seine volle Größe

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Hier erfolgt die nachträgliche Dämmung der Außenwand eines Altbaus im oberen Bereich mit Schaumglas (anthrazitfarbene Dämmplatten).

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