Übernachtungsschutz in München

Hybridbau mit markanter roter Holzfassade

Notunterkünfte für obdachlose Menschen sind in vielen Großstädten knapp. Für den Münchner Norden planten die Architekten Hild und K einen Übernachtungsschutz mit medizinischer Einrichtung. Der auffallend rote, drei- bis fünfgeschossige Holzhybridbau mit rund 7.150 Quadratmetern Nutzfläche ist Teil eines Gewerbeparks im Stadtbezirk Schwabing-Freimann. Da für die künftige Entwicklung des Gebietes eine Mischnutzung vorgesehen ist, handelt es sich bei dem Neubau um einen ersten Schritt in diese Richtung. Außer 730 Plätzen zur Übernachtung beherbergt er Räume für die Beratung, medizinische Versorgung sowie einen Tagestreff. 

Hild und K Architekten entwarfen ein Ensemble aus versetzt angeordneten Gebäuderiegeln, welche in den Eckbereichen verbunden sind.
Der Neubau liegt im Euro-Industriepark zwischen Großmärkten, Lagerhallen, Gewerbebauten und ausgedehnten Parkplatzflächen.
Haupteingang an der südlichen Lotte-Branz-Straße

Hofbildende Gebäudestruktur

Bei der Konzeption des Grundrisses orientierten sich die Planenden an einem 1927 eröffneten, von Theodor Fischer geplanten Ledigenheim in München. Ähnlich dem historischen Vorbild entwarfen sie ein Ensemble aus zueinander versetzten Gebäuderiegeln, die in den Eckbereichen verbunden sind. Diese hofbildende Struktur ermöglicht eine getrennte Unterbringung von Männern, Frauen und Familien. Verbindungstüren sorgen für einen flexiblen Betrieb. Die geschützten Höfe bieten trotz der Lage im Gewerbegebiet qualitätvolle Außenräume.

Mehrbettzimmer für Frauen, Männer und Familien

Im Erdgeschoss befinden sich die öffentlichen und betreuungsintensiven Bereiche mit einem rund 115 Quadratmeter großen Tagesaufenthalt, Beratung, Sozialdienst und einzelnen Unterkunftszimmern. Die Obergeschosse nehmen überwiegend Vier-Bett-Zimmer mit Gemeinschaftsküchen und Sanitärbereichen auf. Insgesamt stehen 184 Zimmer für Frauen, Männer und Familien zur Verfügung; ergänzt durch einige Sechs-Bett-Zimmer und 13 Zwei-Bett-Schutzräume. Medizinische Angebote sind teilweise im Übernachtungsschutz untergebracht, Asylerstuntersuchungen, Impfungen und Röntgen erfolgen im benachbarten Gebäude.

Betonskelett und Holzrahmenelemente

Aus Kosten- und Zeitgründen wurde das Projekt weitgehend in serieller Bauweise realisiert. Die Tragstruktur besteht aus einem vorgefertigten Betonskelett, das spätere Um- und Weiterbauten erleichtert. Das Erdgeschoss ist als robuster Sockel aus Betonfertigteilen ausgebildet. Für die Fassade kamen großformatige, teils geschossübergreifende Holzrahmenelemente aus Weißtannenholz zum Einsatz, die auf der Baustelle montiert und in einem markanten Ziegelrot gestrichen sind. Der Anstrich schützt und prägt das Erscheinungsbild in hohem Maße. Ein charakteristisches Detail ist eine Bordüre unterhalb der Attika: Profilierte Bretter aus Fichtenholz schützen konstruktiv empfindliche Bereiche und können bei Bedarf ausgetauscht werden. Sie verleihen der Fassade eine dekorative, fast textile Wirkung und greifen traditionelle Holzbauweisen auf. Dank des hohen Vorfertigungsgrades ließ sich das Gebäude in rund zweieinhalb Jahren realisieren. 

Orientierung durch Farbe

Im Inneren erzeugen robuste Materialien wie Holz, Linoleum, geschliffener Estrich und Keramikfliesen eine einladende Atmosphäre. Zur einfachen Orientierung haben die Holztüren je nach Nutzung verschiedene Farbtöne: Von Tannengrün bis Himmelblau kennzeichnen sie Unterkünfte, Bäder und Nebenräume.

Das Gebäude erfüllt den KfW-40-Standard, die Energieversorgung erfolgt mittels Fernwärme und Photovoltaikanlage. Eine gut gedämmte Gebäudehülle, ein außenliegender Sonnenschutz und Wärmerückgewinnung reduzieren den Energiebedarf. Der Einsatz nachwachsender Rohstoffe (rund 50 Kilogramm pro Quadratmeter BGF) und ein weitgehender Verzicht auf Unterkellerung tragen dazu bei, die graue Energie des Gebäudes zu verringern.

Bautafel

Architektur: Hild und K Architekten, München 
Projektbeteiligte: Sailer Stepan Tragwerkteam, München (Tragwerksplanung); Drees & Sommer, Berlin (Projektsteuerung, Objektüberwachung); Studio Vulkan Landschaftsarchitektur (Landschaftsarchitektur); Möhler + Partner Ingenieure, Berlin (Bauphysik); IBM-TGA, Müchen (Elektrotechnik); Planunion Ingenieurgesellschaft, München (Gebäudetechnik)
Bauherr/in: Landeshauptstadt München, Kommunalreferat, Hochbau H , München
Fertigstellung: 2024 
Standort: Lotte-Branz-Straße 5-7, 80939 München
Bildnachweis: Michael Heinrich, Florian Holzherr

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