Trinkwasserpumpwerk Mittelweiherburg in Hard

Neben der denkmalgeschützen Burg zwei schwarze Monolithe

Im österreichischen Hard am Bodensee stand einst das einzige Wasserschloss Vorarlbergs. Heute ist von dem Bau aus dem 16. Jahrhundert nur noch eine kleine, weißgekalkte Burg mit Treppenturm erhalten. Die denkmalgeschützte Mittelweiherburg beherbergt nun ein Textilmuseum, das auf die textilindustrielle Nutzung des ehemaligen Wasserschlosses ab dem 18. Jahrhundert verweist. Wo einst Wasser das Schloss umgab, befindet sich heute eine Landesgrünzone und seit 2018 auch ein funktionaler Neubau: das Trinkwasserpumpwerk der Gemeinden Hard und Fußach, geplant vom Harder Architekturbüro firm in Zusammenarbeit mit dem Ingenieurbüro Rudhart+Gasser+Pfefferkorn aus Bregenz.

Der Entwurf stammt von firm, die Wasserinfrastruktur plante das Ingenieurbüro Rudhart+Gasser+Pfefferkorn aus Bregenz.
Der Vertikalbrunnen zur Trinkwassergewinnung ist in einem eigenen Gebäude untergebracht.
Die Zugänge sind mit dunkelblau emaillierten Blechpaneelen verkleidet – eine Referenz auf das Wasser sowie den in Hard einst praktizierten Blaudruck.

Standortsuche

Bereits seit 1990 begleiteten Rudhart+Gasser+Pfefferkorn die Suche nach einem geeigneten Standort für ein neues Trinkwasserpumpwerk der beiden Gemeinden. Die Anforderungen waren hoch: Es galt einen Ort mit ausreichendem Grundwasservorkommen zu finden, dessen Qualität auch langfristig gesichert war. Die Grünzone in unmittelbarer Nachbarschaft der Mittelweiherburg erfüllte diese Kriterien. Doch diese Lage erwies sich als nicht unproblematisch, da man das Erscheinungsbild der Burg und die idyllische Landschaft als touristische Anziehungspunkte nicht zu sehr verändern wollte. Das Architekturbüro firm erhielt also die Aufgabe, einen Entwurf vorzulegen, der das neue Infrastrukturbauwerk sensibel in den Kontext integriert.

Monolithisch und schwarz

Albert Moosbrugger und Christian Feldkircher schlugen eine funktionale und räumliche Zweiteilung der Infrastruktur vor: Der Vertikalbrunnen ist ausgelagert und liegt vom Weg zurückgesetzt in einem Gebäudekubus nahe der Mittelweiherburg. Die Anlage zur Wasseraufbereitung ist in einem größeren Technikgebäude am Weg untergebracht, das sich als Volumen in Richtung Burg abstuft. Beide Baukörper zeigen sich geschlossen und monolithisch: schwarze Betonfassaden ohne Fenster, die Eingänge und Tore sind mit dunkelblau emaillierten Blechpaneelen verkleidet. Je nach Lichteinfall entsteht hier ein subtiles Farbspiel, das auf das Element Wasser verweisen soll, andererseits aber auch eine Referenz auf den sogenannten Blaudruck ist, eine Textilfärbetechnik, die einst in der Harder Textilindustrie zum Einsatz kam und über die sich Besuchende im Museum informieren können.

Wasser spielte auch bei der Herstellung der besonderen Fassadentextur eine Rolle. Der mit Basaltzuschlägen und schwarzem Pigment versehene Beton wurde oberhalb des Sockels mit Wasser unter hohem Druck abgetragen, sodass nun dessen grobe Kornmischung sichtbar ist. Aus Sicherheitsgründen sind beide Gebäude fensterlos. Die Anforderungen an Trinkwasserqualität sind hoch, sodass die Wasseraufbereitung vor äußeren Einflüssen abzuschirmen ist. Der separat untergebrachte Vertikalbrunnen besteht aus sternförmig überschnittenen Einzelbohrungen und fördert bis zu 60 Liter Grundwasser pro Sekunde, das ergibt eine Jahresmenge von 500.000 m³ Fördervolumen.

Wasseraufbereitungsanlage

In dem 33 Meter langen und 16 Meter breiten Infrastrukturbauwerk erfolgt die Aufbereitung des Grundwassers. Dazu wird das Wasser von Eisen befreit, Feinteile herausgefiltert und mit vorgereinigter Luft belüftet. Über Druckfilter gelangt das aufbereitete Trinkwasser anschließend in Zwischenbehälter, Netzpumpen speisen das Wasser ins Netz von Hard ein. Von hier aus erfolgt die Wasserverteilung im gesamten Ortsgebiet sowie die Abgabe nach Fußach. Pro Tag werden normalerweise rund 5.200 m³ Trinkwasser in die Netze eingespeist.

Versorgungssicherheit

Neu verlegte separate Leitungen zwischen Hard und der Nachbargemeinde Lauterach sowie zwei zusätzliche Pump- und Übernahmestationen im neuen Pumpwerk und im Wasserwerk Unterfeld/Lauterach gewährleisten die regionale Versorgungssicherheit auch im Falle eines Wasserwerksausfalls. Der regionale Verbund umfasst neben den Gemeinde Hard und Fußach auch Bregenz und reicht von Lauterach bis Wolfurt. -hs

Bautafel

Architektur: firm, Lustenau / Speicher
Projektbeteiligte: Rudhart+Gasser+Pfefferkorn ZT, Bregenz (Projektleitung und Bauaufsicht); Hämmerle-Huster Ziviltechniker, Bregenz (Statik); Koller & Partner, Bregenz (Fachplanung Heizung, Lüftung, Sanitär); Lothar Künz, Hard (Bauphysik)
Bauherrschaft: Gemeindeverband Wasserwerk Hard-Fußach
Standort: Hard, Österreich
Fertigstellung: 2018
Bildnachweis: Adolf Bereuter (Fotos); firm, Lustenau / Speicher (Pläne)

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