Trees, Time, Architecture

Arbor Kitchen (Neue Kunst am Ried, Deutschland, 2022) ist ein experimentelles Bauwerk aus 32 geformten Platanen, deren Äste ein transparentes Dach tragen – während die Bäume weiterwachsen, bildet sich eine geschlossene Krone, ohne dass sich die Dachhöhe verändert.
Das Detail zeigt, wie Stahlbauteile in lebende Baumstrukturen einwachsen und eine pflanzlich-technische Verbundstruktur bilden – ein Prinzip der Baubotanik, das Wachstum als Ausgangspunkt für architektonisches Entwerfen nutzt.
In „Naturale“ (Main Corridor – North, 2013) entwirft der finnische Künstler Ilkka Halso einen fiktiven Lagerkomplex, in dem Natur modular verpackt und konserviert wird – eine kritische Reflexion über den Umgang mit natürlichen Ressourcen in Zeiten technischer Kontrolle und ökologischer Krise.

Trees, Time, Architecture

Andjelka Badnjar Gojnic, Kristina Pujkilovic, Ferdinand Ludwig, Andres Lepik (Hrsg.)

Entwerfen im Wandel
Park Books Verlag, Zürich 2025
128 Seiten, 97 farbige und 34 s/w-Abbildungen, Format 23 x 32 cm

Preis: 35 EUR

ISBN 978-3-03860-424-2

Mit dem Buch Trees, Time, Architecture! werfen Andjelka Badnjar Gojnić, Kristina Pujkilović, Ferdinand Ludwig und Andres Lepik einen Blick auf die aktuellen Herausforderungen unserer Zeit. Die Begleitpublikation zur gleichnamigen Ausstellung im Architekturmuseum der Technischen Universität München versammelt eine Vielzahl von Positionen, ergänzt um neue Forschungsarbeiten und Fallstudien. Dabei steht der Baum im Zentrum – als lebendiges Wesen, als kulturelles Symbol, als klimarelevanter Akteur und als potenzieller Partner im architektonischen Entwurf. 

Schon im Vorwort machen Andres Lepik und Andjelka Badnjar deutlich, wie das Buch den Blick auf die Bäume wandeln möchte und verweisen auf den Roman Der Baron auf den Bäumen des Schriftstellers Italo Calvino (1923 - 1985). Dieser erzählt die Geschichte des 12-jährigen Cosimo Piovasco di Rondò, der aus Protest gegen seine Familie auf eine Steineiche steigt und sein Leben fortan in den Baumkronen verbringt. Ein Habitat, in der auch andere Lebewesen Schutz und Lebensraum finden – ebenso wie einige indigene Völker. Doch das Leben auf den Bäumen gilt als primitiv, nicht zuletzt durch die anthropologische Annahme, dass das Menschwerden erst vor einigen Millionen Jahren begann, als der Australopithecus, ein Vorfahre des modernen Menschen, „von den Bäumen stieg“. In Calvinos Erzählung hingegen erfährt der Protagonist durch das vermeintlich Primitive eine Selbstbefreiung aus den Zwängen der Zivilisation. 

Das Buch spannt einen weiten Bogen von der Geschichte des Baum-Mensch-Verhältnisses, über den Raubbau der Industrialisierung an der Natur bis hin zu wachsender Architektur. Es zeigt, wie Bäume mit ihrer Langsamkeit und Langlebigkeit uns mit unserem hektischen Takt konfrontieren und als Gegenmodell zur überstürzten Planungs-, Bau- und Abrisskultur fungieren können. Ein Augenmerk liegt dabei auf der Baubotanik, einem Forschungsfeld, das lebende Bäume gezielt als Baumaterial und architektonisches Element einsetzt. Ein radikaler Perspektivwechsel: Architektur wandelt sich vom statischen Objekt zum organisch wachsenden Prozess.

Im Gegensatz zur gleichnamigen Ausstellung folgt die Publikation keiner klaren thematischen Gliederung. Das vielschichtige Kompendium aus Essays, Berichten, Geschichten (fotografischen) Dokumentationen, Memoiren, Interviews und Forschungen aus verschiedenen Kulturkreisen und Klimazonen verfolgt die Absicht, Denkweisen und Handlungsmöglichkeiten disziplinübergreifend neu zu justieren. Dabei verharrt Trees, Time, Architecture! nicht in utopischen Visionen, sondern stellt kritische Fragen nach Machbarkeit und ethischer Verantwortung: Wann sind grüne Versprechen real, wann bloß Inszenierung? Wie kann ein gerechtes Miteinander von gebautem Raum und Natur gelingen? So geht das Buch über einen klassischen Ausstellungskatalog hinaus und bietet in einer ansprechend gestalteten Magazinform neue Denkanstöße. Zahlreiche Bilder und kurze Absätze laden zum Durchstöbern ein und bieten schon auf den ersten Blick Inspirationsquellen – weg von fertigen Lösungen, hin zum prozesshaften Gestalten mit der Natur. -pe

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Die Entwicklung des Projekts war in den ersten fünf Jahren durch eine kontinuierliche Anpassung und Weiterentwicklung der vegetationstechnischen Anlagen bestimmt – Oktober 2019

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Illustration der Hängenden Gärten von Babylon

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