Traditionelle Bauweise mit Zukunftspotenzial

Bambusgerüst als Ausstellungspavillon in Lagos

Die erste Ausgabe der Design & Build Expo versammelte Ende 2024 die neuesten Entwicklungen aus den Bereichen Architektur, Design, Bauindustrie, Materialien, Technik und Innenarchitektur in Lagos. Veranstaltet von der Ecobank Nigeria fanden sich unter dem Motto „Building Nigeria Together“ rund 60 Ausstellende über fünf Tage lang im Ecobank Pan African Centre (EPAC) im Stadtteil Victoria Island in der nigerianischen Metropole zusammen. Als Teil einer Ausstellung namens Generations errichtete das Architekturbüro HTL Africa einen Pavillon in Form eines Bambusgerüsts, das eine Hommage an die traditionelle Bauweise des Kontinents darstellen sollte.

Das Bambusgerüst war als begehbare Installation errichtet und beherbergte die Ausstellung „Generations“, die das Planungsbüros HTL Africa auf der Ecobank Design & Build Expo in Lagos präsentierte.
Über zwei begehbare Ebenen erstreckt sich der aus zahlreichen Bambbusstäben dicht gefügte Pavillon.
Als Leseraum für die Gemeinschaft findet der Pavillon auch nach der Messe eine weiterführende Bestimmung.

Brücke vom historischen Material zum Baustoff der Zukunft

Bambus gilt ursprünglich als günstiges, lokal verfügbares und handwerklich verarbeitetes Material, das gerade in afrikanischen oder asiatischen Regionen in Form von Gerüsten eine schnelle, temporäre Baulösung bietet. Mittlerweile sei das Bambusgerüst jedoch nach und nach von den Baustellen verschwunden, erklären die Planer*innen von HTL Africa. Mit ihrem Bambuspavillon auf der Design & Build Expo in Lagos wollten sie diesem „unbesungenen Helden“ der lokalen Architektur huldigen. So sei das Bambusgerüst sowohl ein traditionelles Element als auch ein innovativer, nachhaltiger Baustoff, der in der Gestaltung auch anspruchsvoller Bauprojekte durchaus wieder Verwendung finden könnte. „Wir wollten den leisen, aber wichtigen Beitrag von Bambusgerüsten zur modernen Architektur hervorheben“, erklärt James George, Architekt und Kurator der Installation.

Bambusstäbe und Bastmatten

Die dreidimensionale Struktur besteht hauptsächlich aus genagelten oder gebundenen Bambusstäben. Begehbaren Flächen, der Eingangsraum, ein Zwischenpodest, ein Raumelement auf der Empore, die Treppenstufen sowie Sitzgelegenheiten hingegen sind aus Sperrholzplatten gezimmert. Die unteren Felder des Gerüsts sind mit runden Bastmatten behängt, die der Verschattung dienen und gleichzeitig zum gestalterischen Element werden. Innen kamen größere Matten für eigens kreierte Leuchten zum Einsatz.

Mit dem Projekt wollte das Büro das Potenzial von Bambusgerüsten hervorheben, die üblicherweise nur in ländlichen Gegenden und für kleinere Bauprojekte zum Einsatz kommen, um am Ende des Bauprozesses zum Abfallprodukt zu werden. Der zweigeschossige Ausstellungspavillon, der erstmals für die Messe in Lagos geplant und errichtet wurde, sollte Möglichkeiten der weiterreichenden Verwendung aufzeigen. Nach der Expo wurde die Konstruktion einer neuen Nutzung zugeführt, sie steht nun als Outdoor-Leseraum der lokalen Gemeinschaft noch länger zur Verfügung. 

Architektur: HTL Africa, Lagos/Nigeria

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