Tracing the Roots of Architecture

Blick ins Buch
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Tracing the Roots of Architecture

Jean Pistre

Taschen Verlag, Köln 2026
432 Seiten, mehr als 900 Zeichnungen
Hardcover, englische Ausgabe

Preis: 50,00 EUR

ISBN 978-3-7544-0197-2

Lange bevor es Architekturtheorien und -stile gab, bauten Menschen mit dem, was ihre Umgebung hergab, und passten ihre Häuser an Klima, Gelände und Lebensweise an. Der französische Architekt Jean Pistre geht diesem Bauen nach, das über Generationen weitergegeben wurde. In Tracing the Roots of Architecture stellt er 76 regionaltypische Gebäude aus aller Welt vor und fragt, was die zeitgenössische Architekturpraxis daraus lernen kann, gerade weil der Klimawandel neue Baukonzepte verlangt.

Die Bandbreite der ausgewählten Beispiele ist groß: Iglus in Grönland, Lehmhütten in Kamerun, Holzchalets in den Alpen, Baumhäuser in Papua und Bambushäuser von Fischern auf Sulawesi. Dazu kommen strohgedeckte Häuser und jahrhundertealte Steintürme. Jedes Gebäude wird in seinem Aufbau untersucht und mit Zeichnungen in einheitlicher Darstellung erklärt. Insgesamt enthält der Band mehr als 900 Zeichnungen. Durch die gleiche Darstellungsweise lassen sich die Beispiele vergleichen, auch wenn sie aus ganz unterschiedlichen Kontexten stammen. Fotografien und Kommentare des Autors ergänzen die Zeichnungen. Sie erläutern die konstruktiven Besonderheiten der Häuser und die Beziehung zwischen den Nutzer*innen und dem Standort. Erzählt wird dabei durchweg aus der Sicht des reisenden Architekten, der die Bauten von außen betrachtet, vermisst und einordnet.

Pistre behandelt die Häuser nicht als Relikte vergangener Zeiten, sondern als Bauwerke, die bis heute funktionieren. Sie zeigen ein genaues Verständnis von Klima und Material sowie einen einfallsreichen Umgang mit den verfügbaren Mitteln, der sukzessive verfeinert wurde. Besonders aufschlussreich sind die Gemeinsamkeiten, die trotz aller kulturellen und geografischen Unterschiede auftauchen. Die Beispiele zeigen, wie genau die Menschen ihre Umwelt kannten und wie sinnvoll sie natürliche Ressourcen nutzten. Damit greift das Buch Fragen auf, die auch beim Bauen im Bestand und in der Diskussion um klimagerechtes, ressourcenschonendes Bauen eine zentrale Rolle spielen.

Die Publikation will weder eine reine Sammlung überlieferter Bautechniken noch ein nostalgischer Blick zurück sein. Vielmehr soll sie dazu einladen, in sehr unterschiedlichen Bauwerken eine gemeinsame menschliche Erfindungsgabe zu erkennen und die heutige Architektur von ihren Wurzeln her neu zu betrachten. Dass viele dieser Häuser nicht nur Wurzeln, sondern auch Gegenwart sind, weil sie bewohnt, umgebaut und weiterentwickelt werden, könnte dabei noch deutlicher werden. Als Anstoß, vom Wissen anderer Baukulturen zu lernen, ist der Band dennoch lesenswert.

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Aus Feldsteinen ist die Kirche St. Pauli im Glower Ortsteil Bobbin auf Rügen errichtet.

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