The Whiteley: Revitalisierung eines Londoner Wahrzeichens

Energetische Ertüchtigung einer historischen Gebäudehülle

Bestandsgebäude energetisch zu ertüchtigen, ohne ihren denkmalgeschützten Charakter zu verändern, zählt zu den anspruchsvollen Aufgaben der Baupraxis. Besonders historische Fenster stehen dabei häufig im Spannungsfeld zwischen Erhaltungsanspruch und energetischen Anforderungen. Wie sich beide Ziele miteinander verbinden lassen, zeigt die Sanierung des ehemaligen Kaufhauses The Whiteley im Londoner Stadtteil Bayswater. 

Das ehemalige Kaufhaus wurde zwischen 1911 und 1927 errichtet und zählt zu den prägenden historischen Geschäftsgebäuden im Londoner Stadtteil Bayswater.
Die monumentale Natursteinfassade blieb als identitätsstiftendes Element des Gebäudes erhalten und bildet den architektonischen Rahmen für die neue Nutzung.
Die Fassade steht als Grade II Listed Building unter britischem Denkmalschutz und durfte nur unter engen denkmalpflegerischen Vorgaben verändert werden.

Im Zuge der von Foster + Partners geplanten Umnutzung des denkmalgeschützten Gebäudes zu einem gemischt genutzten Quartiersbaustein wurde die rund 100 Jahre alte Fassadenkonstruktion umfassend restauriert und mit neu entwickelten Stahlfenstern auf Basis des Profilsystems Janisol Arte 66 von Jansen ausgestattet. Die thermisch getrennten Stahlprofile ermöglichen es, das historische Erscheinungsbild weitgehend zu bewahren und gleichzeitig heutigen Anforderungen an Wärmeschutz und Nutzungskomfort gerecht zu werden.

Vom Kaufhaus zum Quartiersbaustein    

Die Geschichte von The Whiteley reicht bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück. 1863 eröffnete William Whiteley in West-London ein Bekleidungsgeschäft, das sich innerhalb weniger Jahrzehnte zu einem der ersten Luxuswarenhäuser Großbritanniens entwickelte. Der heutige Gebäudekomplex entstand nach Plänen der Architekten John Belcher und John James Joass. Seine erste Bauphase wurde 1911 fertiggestellt, zwischen 1925 und 1927 folgte die Erweiterung um die monumentale Natursteinfassade, die das Erscheinungsbild des Gebäudes bis heute prägt. Mit der Umnutzung des Kaufhauses zu einer Shopping Mall in den 1980er-Jahren gingen große Teile der ursprünglichen Innenräume verloren, während die denkmalgeschützte Gebäudehülle weitgehend erhalten blieb.

Mit dem Erwerb des Areals durch MARK Capital Management im Jahr 2013 begann die grundlegende Neuausrichtung des Gebäudes. Ziel der Sanierung war es, die historische Bausubstanz dauerhaft zu erhalten und gleichzeitig ein zeitgemäßes Nutzungskonzept zu entwickeln. Heute umfasst der Komplex 139 Wohnungen, Einzelhandelsflächen, Restaurants und Cafés, ein Kino, ein Fitnessstudio sowie das Six Senses Hotel & Spa. Die historische Gebäudehülle blieb dabei als prägendes Element des Stadtbildes erhalten.

Historische Fenster als denkmalpflegerische Aufgabe

Das Erscheinungsbild der Fassade, die als Grade II Listed Building unter britischem Denkmalschutz steht, wird wesentlich durch die fein gegliederten Stahlfenster mit ihren schmalen Profilen und komplexen Geometrien bestimmt. Ziel der Sanierung war es, möglichst viele historische Bauteile zu erhalten und nur irreparabel geschädigte Elemente zu ersetzen. Gleichzeitig sollte die Gebäudehülle den heutigen Anforderungen an Energieeffizienz, Dichtheit und Komfort entsprechen. Eine Sekundärverglasung kam aufgrund ihrer Auswirkungen auf das historische Erscheinungsbild nicht infrage.

Die ursprünglichen Fenster bestanden aus einer Vielzahl einfach verglaster Einzelfelder und befanden sich in sehr unterschiedlichem Erhaltungszustand. Vor Beginn der Arbeiten wurden sämtliche Elemente einzeln ausgebaut, dokumentiert und restauratorisch untersucht. Erhaltenswerte Bauteile konnten nach ihrer Aufarbeitung wiederverwendet werden. Fehlende oder beschädigte Gussteile wurden mithilfe eines mobilen 3D-Koordinatenmesssystems digital vermessen und auf dieser Grundlage originalgetreu nachgegossen. Auf diese Weise ließ sich ein erheblicher Teil der historischen Konstruktion in die neue Fensterlösung integrieren.

Hinzu kam die außergewöhnliche Vielfalt der Fensterformen. Neben planen Fenstern umfasst die Fassade zahlreiche Erker sowie gebogene und gewölbte Konstruktionen, die jeweils als Einzelanfertigungen hergestellt werden mussten. Auch die historischen Blenden und Pfosten wurden in die neue Konstruktion übernommen. Einzelne dieser Fassadenelemente wiegen mehr als 500 Kilogramm. Um die Passgenauigkeit aller Bauteile sicherzustellen, entstand vor der Fertigung ein Fassadenausschnitt im Maßstab 1:1, an dem Konstruktion, Anschlüsse und Funktion überprüft wurden. 

Rekonstruktion mit thermisch getrennten Stahlprofilsystemen

Für die Rekonstruktion kamen die Stahlprofilsysteme Janisol Arte 66, VISS und VISS Basic von Jansen zum Einsatz. Das Fenstersystem Janisol Arte 66 wurde projektspezifisch angepasst, um trotz moderner Isolierverglasung die schlanken Ansichtsbreiten der historischen Fenster nachzubilden. Ergänzend übernehmen die Fassadensysteme VISS und VISS Basic die Lastabtragung der großformatigen und teilweise sehr schweren Fensterelemente, ohne das Erscheinungsbild der historischen Fassade zu beeinträchtigen. Dadurch konnte auf zusätzliche Vorsatz- oder Sekundärfenster verzichtet werden.

Vor dem Einbau wurden sämtliche Fensterelemente umfassend geprüft. Neben Luftdurchlässigkeit, Schlagregendichtheit und Widerstand gegen Windlasten standen insbesondere Wärme- und Schallschutz im Fokus. Darüber hinaus mussten die projektspezifischen Sonderkonstruktionen die Anforderungen der Schlagfestigkeitsklasse 4 nach DIN EN 13049 (Fenster – Weicher und schwerer Stoß – Prüfverfahren, Sicherheitsanforderungen und Klassifizierung) erfüllen.

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