The Spiral in New York City

Von der High Line zur Skyline

Wo einst Güterzüge mehr als 7 Meter über dem Straßenniveau durch die Stadt schaukelten, spazieren heute Menschen fernab des Straßenverkehrs zwischen Blumen und Sträuchern durch die Metropole – die New Yorker High Line. Rund 2,6 Kilometer lang ist die ehemalige Bahntrasse, die zwischen 2006 und 2023 zur öffentlichen Parkanlage High Line Park umgestaltet wurde. Unweit des nördlichen Zugangs zum Park an der West 34th Street hat das dänische Architekturbüro BIG einen neuen Wolkenkratzer umgesetzt – der mit seinem spiralförmig umlaufenden Terrassenband den High Line Park gedanklich und optisch bis an die Spitze des Hochhauses fortsetzen soll.

Besonderheit ist die glatte, stark reflektierende Elementfassade aus 2-fach-Isolierverglasungen.
Aufgrund der sich spiralförmig verjüngenden Form erhielt das Gebäude den Namen The Spiral.
The Spiral fügt sich in die Skyline von Manhattan ein.

Das Geschäftshochhaus The Spiral mit einer Fläche von 265.000 Quadratmetern, 66 Etagen und rund 314,4 Metern Höhe befindet sich in Nachbarschaft zu vielen bekannten Hochhaus-Projekten, darunter das Hudson Yards, das Manhattan West und der 3 Hudson Boulevard, und ergänzt damit die bestehende Skyline. Die sich nach oben verjüngende Silhouette des Spiral ist typisch für New Yorker Hochhäuser, zurückzuführen auf die Bauordnung von 1916. Der Manhattan setback ist in diesem Fall als umlaufendes, kaskadenartiges Terrassenband umgesetzt. Das strukturiert einerseits die Fassade und bietet andererseits auf allen Etagen Zugang zu Außenluft und Tageslicht. Innenräumlich entstehen dadurch spannende, mehrstöckige Atrien – was die Kommunikation zwischen den Etagen fördern soll.


Die Fläche der Terrassen beträgt insgesamt 13.000 Quadratmeter und ist begrünt mit Bäumen und Gräsern, Blumen und Reben. Je nach Höhe und Ausrichtung, ändern sich die verwendeten Pflanzenarten: Im unteren Bereich kamen niedrige Bodendecker zum Einsatz, die aus der amerikanischen Prärie stammen und dementsprechend widerstandsfähig sind gegen starke Winde und Dürre. Darauf folgen winterblühende Sträucher und Stauden und abschließend ein- oder mehrstämmige Bäume, die bereits ab Februar blühen, kombiniert mit immergrünem Efeu.  


Hochhausstandort mit industrieller Geschichte

Das Gebäude liegt auf einem Grundstück zwischen Hudson Boulevard, 10th Avenue, West 34th und West 35th Street. Von jeder der Straßen gibt es je einen Zugang, zwei öffentliche und zwei für die Mieter*innen. Eine der öffentlichen Lobbys wartet mit einem Pflanzenbeet und Kunstwerken des niederländischen Studios Drift auf. Als Anerkennung der industriellen Vergangenheit des Areals verwendeten die Beteiligten sieben unterschiedliche Metalle für die Gestaltung der Räume. Beim Bodenbelag – in den Eingangshallen und auf den Terrassen – ließen sich die Beteiligten außerdem von der Umgebung inspirieren: Maße und Verlegemuster entsprechen den Beton-Bodenplatten im High Line Park.

Elementfassade mit Sonnenschutzverglasungen
Wesentlich für Identität des Wolkenkratzers ist seine Hülle: Konstruktiv ist sie als glatte Elementfassade ausgeführt, die in den Regelbereichen über die gesamte Elementhöhe mit absturzsichernden Isolierverglasungen ausgefacht ist. Die meisten Gläser haben ein Format von 1,50 x 4,30 Meter; im Sockelbereich sind sie sogar rund einen Meter höher.


Um die Bewegung des Terrassenbands zu inszenieren, wurden zwei verschiedene Glastypen eingesetzt. Der Großteil der Fassade besteht aus stark reflektierenden 2-fach-Isolierverglasungen aus 12 mm Teilvorgespanntem Glas (TVG). Der mit Argon gefüllte Scheibenzwischenraum weist eine Dicke von 12 mm auf; innenseitig wurde eine Verbundsicherheitsverglasung aus 2 x 6 mm TVG mit einer Zwischenschicht aus 1,52 mm PVB-Folie eingesetzt. Für die starke Reflexion mit einem Lichtreflexionsgrad von 40 % und einer niedrigen Lichttransmission von TL = ca. 45 % sorgt die hochreflektive Sonnenschutzbeschichtung auf Position 2.

Im Unterschied dazu sind die Verglasungen entlang der Außengärten transparenter und weniger reflektierend: Sie sind außenseitig mit einer Verglasung aus 6 mm Einscheibensicherheitsglas (ESG) und einer lichtdurchlässigeren Sonnenschutzbeschichtung mit einer Lichttransmission von TL = 70 % bei zugleich geringerem Reflexionsgrad abgeschlossen.

Bautafel

Architektur: Bjarke Ingels Group, Kopenhagen / Adamson Associates, Toronto
Projektbeteiligte: Interpane, Lauenförde (Verglasungen); Heintges Consulting Architects & Engineers, New York (Fassadenberatung); Permasteelisa, Vittorio Veneto (Vorhangfassade); W&W Glass, New York (Glastrennwände); Thornton Tomasetti, New York (Planung Explosionsschutz); wsp, New York (Tragwerksplanung); FMS, New York (Lichtplanung); SiteWorks, New York (Gartenlandschaftsarchitektur)
Bauherr/in: Tishman Speyer, New York
Fertigstellung: 2022
Standort: 66 Hudson Blvd E, New York, USA
Bildnachweis: Laurian Ghinitoiu; Tommy Agriodimas; Bjarke Ingels Group

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