The House of Dr Koolhaas
Park Books, Zürich 2025
Serie Gumshoe, englische Sprache
224 Seiten, 166 Abbildungen, Format: 11 x 17,5 x 2 cm, Taschenbuch
Preis: 19 EUR
ISBN 978-3-03860-407-5
Die Villa dall'Ava in Saint-Cloud bei Paris entstand zwischen 1984 und 1991 nach Plänen von Rem Koolhaas und seinem Architekturbüro OMA. Schon vor dem Einzug der dreiköpfigen Familie Boudet – das Haus ist nach dem Mädchennamen der Hausherrin benannt – löste der erste Bau von Koolhaas im Pariser Umfeld einen regelrechten Hype aus. Das Haus wurde gefilmt und fotografiert sowie in Ausstellungen und Publikationen wie dem legendären „S, M, L, XL“ von Rem Koolhaas, OMA und Bruce Mau präsentiert. Die Scharen von Architekt*innen und Architekturstudierenden, die das Gebäude besuchten, sind dabei gar nicht mitgezählt – zumal eine andere Architektur-Ikone, die Villa Savoye von Le Corbusier, nur eine halbe Stunde entfernt liegt.
34 Jahre später wirft die Architekturpublizistin und Professorin Françoise Fromonot einen neuen Blick auf die Villa Dall'Ava. Ihr Buch „The House of Dr Koolhaas“ entstand aus einem Ausstellungsbeitrag und einer Vorlesung. Die surreal-kaleidoskopartige Mischung verbindet Monografie, Case Study und einen architekturtheoretischen Essay mit zahlreichen Fußnoten, die eine ganze Armada von Architekturtheoretikern, Storyboard-Konzepten und ausgedehnten Ausflügen in die Kunst- und Filmgeschichte mit geheimnisvollem Wispern und Raunen einbeziehen. Das liest sich tatsächlich unterhaltsamer als übliche Baubeschreibungen.
Das kleine Taschenbuch zeigt selbstverständlich die Bilder, die dieses Haus berühmt machten: die zwischen Wellblechen schwebenden Fensterbänder, das Mädchen am hell erleuchteten Fenster und die gläserne Wohnzimmer-Box unter dem Dach-Pool mit Blick auf den Eiffelturm. Neben Rem Koolhaas und Madelon Vriesendorp treten Le Corbusier, Salvador Dali, Sigmund Freud, die Villa Savoye, die Casa Malaparte, eine Giraffe und der Eiffelturm auf. Sie werden flankiert von Hendrick Goltzius aus dem 16. Jahrundert, Claude-Nicolas Ledoux aus dem 18. Jahrhundert und Burt Lancaster aus dem 20. Jahrhundert. Besonders stylish sind die damaligen OMA-Büromitarbeiter, die im gestreiften 1920er-Badelook am Pool posieren.
Rem Koolhaas trägt zwar zwei Ehrendoktorhüte, doch der Doktortitel im Buchtitel ist wohl eher eine Hommage an Dr. Sigmund Freud oder Dr. Anthony Edwardes alias Gregory Peck in Alfred Hitchcocks Film „Spellbound“, den Françoise Fromonot ausführlich zitiert.
Die Reihe unkonventioneller Architekturbücher soll mit Oscar Niemeyers Bau für das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Frankreichs fortgesetzt werden. -sj
Fachwissen zum Thema
Tipps zum Thema
Solarlux GmbH | Kontakt +49 5422 9271-0 | www.solarlux.com