The Essence of Biocement

Stuhl aus bakteriell produziertem R-Beton

Beton gilt als einer der wichtigsten Baustoffe unserer Zeit. Seine statischen Eigenschaften verdankt er dem Bindemittel Zement, dessen Herstellung enorm viel Energie verbraucht und große Mengen Kohlendioxid freigesetzt. Um die ökologische Bilanz des Bausektors zu verbessern, sind ressourcenschonende und emissionsarme Lösungen gefragt. Eine Alternative könnte Biozement sein. Julia Huhnholz und Friedrich Gerlach – Absolvent*innen der Bauhaus-Universität Weimar – untersuchen den Baustoff in ihrer Arbeit The Essence of Biocement, die im Austausch mit Fachleuten aus der Mikrobiologie, dem Bauingenieurwesen und der Materialforschung entstand.

Der Biocement Chair wurde auf Grundlage rezyklierter Ziegelsteine hergestellt, wodurch er seine rot-orangene Farbe erhielt.
An der Oberfläche des Stuhls lassen sich die Spuren der 3D-gedruckten Schalung ablesen. Die Schalung wurde so konzipiert, dass sie wiederverwendbar ist und für die innen- wie außenliegenden Profile verwendet werden konnte.
Die Ziegelsteine wurden einer Universitätsbaustelle entnommen.

Ein selbst entworfenes Möbelstück soll die Erkenntnisse zugänglich und erlebbar machen. Mit dem Biocement Chair möchten die Forscher*innen auf den Herstellungsprozess und die Möglichkeiten des Baustoffs hinweisen. Das organische Design erschließt sich aus der Logik von Material und Schalung. Der Stuhl besteht aus drei gleichen, einzeln hergestellten Rundprofilen. An der Form lässt sich das Tragverhalten des Materials ablesen, so befinden sich die hinteren Stuhlbeine unterhalb des Lastschwerpunkts.

Die Produktion der massiven, archaisch wirkenden Teile dauerte insgesamt zwölf Tage, wobei ein Schalungssystem aus wiederverwendbaren 3D-gedruckten Negativformen zum Einsatz kam. Statt der knapper werdenden Ressource Sand verwendete das Forschungsduo rezyklierte Ziegelsteine einer Baustelle auf dem Universitätscampus. Um den Bauschutt zu binden, führten sie eine mikrobiologisch induzierte Calcit-Ausfällung (engl. MICP) bei. Dabei bauen etwaige sulfatreduzierende Bakterien den Harnstoff Urea ab und stellen Calciumcarbonat, sprich Kalk, her. Für das sandsteinähnliche Ergebnis ist also weder ein Brennvorgang noch viel Energie notwendig. Je nach Gesteinsart lässt sich die Farbe und Beschaffenheit des Materials anpassen.

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