Thang House in Da Nang

Wohnraum für Bäume und Menschen

Typische städtische Probleme durch Klimawandel und rapides Wachstum belasten auch urbane Gebiete in Vietnam: steigende Luftverschmutzung, unzureichende Rückhaltung von Regenwasser, Überhitzung bzw. Hitzeinseln gefährden zunehmend die Gesundheit der Bevölkerung. Die ohnehin raren Grünflächen in den Städten wurden ebenso wie die für diese Region charakteristischen tropischen Wälder weitgehend verdrängt.

Draufsicht Dachbegrünung
Grüne Oase in der dicht besiedelten Stadt Da Nang
Durch die Anordung der Wohnkörper soll so viel wie möglich natürliches Licht in die Gestaltung eingebunden werden

Vo Trong Nghia Architects (VTN Architects) wollen dem etwas entgegensetzen. Das Büro mit Sitz in Ho-Chi-Minh-Stadt will wieder Grün in die vietnamesischen Städte bringen, Mensch und Natur miteinander vereinen. Es plant mit lokal verfügbaren Materialien nach traditionellen Bautechniken und verbindet sie mit zeitgenössischer Ästhetik. Bekannt sind VTN Architects vor allem für die vielseitige und experimentelle Verwendung von Bambus in einer Vielzahl von Projekten im gesamten Land.

Haus für Bäume

Das Thang House in Da Nang ist eines ihrer Projekte. Es folgt dem von den Architekt*innen entwickelten prototypischen Entwurfskonzept „Haus für Bäume“. Dessen Kern ist es, Grünflächen durch die Anpflanzung lokaler tropischer Bäumen in dicht besiedelte Städte zurückzubringen. Sogenannte Baumboxen auf dem Dach sind das Herzstück dieses Konzepts, von denen jede ein unterschiedliches pflanzliches Programm beherbergt. Die Pflanzgefäße bestehen aus Beton, reinigen und kühlen die Umgebungsluft und dienen als Rückhaltebecken für Regenwasser.

Die durch den Bau des Thang House verlorene gegangene Grünfläche wurde durch einen üppigen tropischen Obstgarten auf dem Dach kompensiert. Der Dachgarten umfasst insgesamt neun Baumkästen, die so aufgestellt sind, dass sie verschiedene Blickachsen in die Umgebung ermöglichen. Die Begrünung trägt in diesem Fall nicht nur zur Verbesserung des Stadtklimas bei, sondern bietet auch die Möglichkeit zum Anbau von Obst und Gemüse. Ein automatisches Bewässerungssystem versorgt die Bäume mit Nährstoffen. Das Wasser zirkuliert zwischen einem Fischteich auf der unteren Ebene des Hauses und dem Dachgarten. Hier sind außerdem eine Solarthermie- und eine Photovoltaikanlage installiert, die Warmwasser und Strom für die Bewohner*innen liefern.

Bauen mit Licht und Bäumen

Die größte Herausforderung bei diesem Projekt war die Umsetzung des Raumprogramms mit funktionierender Begrünung auf einer relativ begrenzten Fläche von 250 Quadratmetern. Vo Trong Nghia Architects teilten das Grundstück in zwei parallele Bereiche: einen für den Garten mit einer ausgedehnten Grünwand entlang der Grundstücksgrenze und einen anderen für den Wohntrakt. Letzterer ist so konzipiert, dass die Mehrzahl der Fenster und Türen auf die Begrünung ausgerichtet ist, um natürliches Licht, frische Luft und den Blick auf die Vegetation zu ermöglichen.

Das Haus selbst besteht aus vier einzelnen, zueinander versetzten Baukörpern, denen jeweils unterschiedliche Freiflächen im Außenraum zugeordnet sind. Der größte ist mit grauem Stein aus dem nahegelegenen Hoa-Son-Steinbruch verkleidet, die drei kleineren mit weißen Ziegeln aus der Provinz Quang Nam. Daneben wurde Beton verwendet, der dem rauen Klima der Region dauerhaft standhalten kann.

Bautafel

Architektur: Vo Trong Nghia Architects (VTN Architects), Ho-Chi-Minh-Stadt
Projektbeteiligte: Vo Trong Nghia (Projektleitung), Le Phuong Uyen, Kosuke Nishijima (Projektarchitekten)
Bauherr*in: Le Van Thang
Standort: Da Nang, Vietnam
Fertigstellung: 2019
Bildnachweis: Hiroyuki Oki

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