Tapetentür

Unauffällige, getarnte oder versteckte Tür

Eine Tapetentür ist im ursprünglichen wie im wortwörtlichen Sinn eine mit Tapeten oder textiler Wandbespannung verkleidete Tür. Die Ursprünge dieser Papier- und Seidenverkleidungen von Wänden, Paneelen und Schiebeelementen finden sich in China und kamen um das 16. Jahrhundert nach Europa. Bei einer Tapetentür ist das Türblatt einschließlich der Zarge flächenbündig in die Wand eingefügt, die Fuge zur Wand ist minimiert und die Tür ist mit demselben Farb-, Material- oder die Oberfläche imitierenden Muster respektive Wandgliederung bedeckt, wie die umgebende Wand. Auch die Beschläge sind überwiegend verdeckt, besonders klein oder Sonderkonstruktionen mit Hebeln, Gegengewichten oder ähnlichen Mechanismen.

Das Türblatt einschließlich der Zarge einer Tapetentür ist flächenbündig in die Wand eingefügt, die Fuge zur Wand minimiert. Im Bildausschnitt: Kabinett im Appartement der Kurfürstin Elisabeth Auguste im Schloss Schwetzingen
Tapetentüren dienten auch dem Kaschieren der Retirade. Im Bild: Ruhekabinett mit Retirade und Leibstuhl im Badhaus, Schlossgarten Schwetzingen
In der zeitgenössischen Architektur lassen Tapetentüren visuell unerwünschte aber notwendige Türen nahezu unsichtbar erscheinen.

Diskretion und Privatsphäre

Besonders in Schlössern, Palästen, Herrenhäusern und Villen stehen Tapetentüren in großem Kontrast zu den repräsentativen Eingangsportalen oder Türen in Galerien und Enfiladen mit oft luxuriöser Verzierung. Die Aufgabe von Tapetentüren liegt darin, unauffällig zu sein, Diskretion und – soweit in höfischen Zeremoniellen möglich – Privatsphäre zu ermöglichen.

So gibt es im Schloss Schwetzingen im Schlafgemach der Kurfürstin Elisabeth Auguste eine Tapetentür, die halb in der Vertäfelung und halb in der grünlichen Seidenbespannung verborgen ist. Sie führt zu einem Kabinett, das die Kurfürstin als privaten Rückzugsbereich nutzte. Hier befindet sich neben einem zierlichen persönlichen Schreibtisch ein Ruhesofa, heute eher als Daybed bezeichnet, das sich für ein Nickerchen mit hochgelegten Füssen eignet. Dies ist umso bemerkenswerter, als im Barock die Schlafzimmer von Fürsten und Königen als Audienzräume und damit Teil des formellen Hofzeremoniells dienten.

Retirade und Leibstuhl

Eine weitere Aufgabe von Tapetentüren war das unauffällige Kaschieren der Retirade. Mit diesem französischen Ausdruck wurde der Rückzug für den Gang auf die Toilette umschrieben, im Sinne von Zugang zu kleinen Kammern à la geheimes Gemach oder stilles Örtchen für sogenannte Leibstühle, Nachttöpfe und Waschschüsseln. Angrenzend an diese Kammer gab es eine weitere diskrete Tür für die Diener, die den adligen Bioabfall entfernten und anschließend in Jauchegruben kippten. Im Badhaus, einem Lustschlösschen, das zwischen 1768 und 1772 im Schlossgarten zu Schwetzingen gebaut wurde, ist das Ensemble aus Tapetentür, Retirade und Leibstuhl des Kurfürsten Carl Theodor erhalten und lässt sich besichtigen.

Geheimtür

Tapetentüren hatten damit immer die Aura von Versteck, Intimität, Geheimnis, also als Zugang zu Orten, die nicht für alle offensichtlich erkennbar sein sollen und erst recht nicht allen offenstehen. So gibt es unzählige Geschichten, in denen Mätressen, Liebhaber, Spione durch Tapetentüren in verborgene Räume und Geheimgänge gelangen. Beschreibungen derartiger Geheimtüren gibt es in Märchen wie dem legendären Sesam öffne Dich bei Ali Baba und den vierzig Räubern. Geheimtüren spielen auch eine dramaturgisch wichtige Rolle beispielsweise bei den Türen von Durin beim Herrn der Ringe, bei gleich mehreren Tempeleingängen oder vielmehr Ausgängen bei Indiana Jones, beim Zugang zum Raum der Wünsche bei Harry Potter und der Addams Family bei Wednesday Addams Entdeckung des Treffpunkts der Secret Society in einer Bibliothek.

Besonders in Bibliotheken versteckte Tapetentüren scheinen ein beliebtes Sujet zu sein. Vergleichbare Türen mit drehbaren Regalen, die auch heute auf dem Markt angeboten werden, sind dabei Kombinationen aus Pivot- und Karusselltüren.

Unsichtbare Türen

Im ursprünglich wie historisch wortwörtlichen Sinn sind Tapetentüren in der zeitgenössischen Architektur eine gute Methode, um visuell unerwünschte aber funktional notwendige Türen nahezu unsichtbar zu machen. So können Fluchttüren, Türen zu Müllräumen oder auch Revisionsöffnungen in der Fassade versteckt werden, indem analog zu Tapetentüren die Oberflächen angeglichen werden.

Die Kunst des Versteckens liegt dabei in den Details, insbesondere in der sorgfältigen Konstruktion von Fugen und Anschlüssen der Oberflächen, der Minimierung der Zargen sowie der Auswahl und Funktionsfähigkeit der ja kaum sichtbaren Beschläge. Aber auch die Komplizenschaft der Nutzer ist unabdingbar. Tapetentüren sind deshalb geschlossen zu halten. Geheimnisse bleiben nur geheim, solange sie gewahrt werden. -sj

Fachwissen zum Thema

Karusselltüren sind Drehtüren, bei denen sich mittig in einem feststehenden Zylinder eine vertikale Drehachse befindet, an der zwei, drei oder vier Türblätter als Flügel befestigt sind.

Karusselltüren sind Drehtüren, bei denen sich mittig in einem feststehenden Zylinder eine vertikale Drehachse befindet, an der zwei, drei oder vier Türblätter als Flügel befestigt sind.

Konstruktion/​Funktion

Karusselltüren

Pivot-Türen sind eine besondere Form der Drehtür. Die Bezeichnung leitet sich vom französischen Verb pivoter (= schwenken, schwingen) her (im Bild: geöffneter Zustand einer Aluminium-Holz-Pivot-Tür in einem Atrium in Amsterdam).

Pivot-Türen sind eine besondere Form der Drehtür. Die Bezeichnung leitet sich vom französischen Verb pivoter (= schwenken, schwingen) her (im Bild: geöffneter Zustand einer Aluminium-Holz-Pivot-Tür in einem Atrium in Amsterdam).

Türarten

Pivot-Tür

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