Surf Ghana Collective Lodge in Busua

Plug-in-Dach für einen gemeinnützigen Surfclub

Am Golf von Guinea, rund 250 Kilometer westlich der ghanaischen Hauptstadt Accra, liegt das Fischerdorf Busua, das sich zu einem beliebten Ziel für Surfer*innen entwickelt hat. Einer der zahlreichen Surfclubs wird von dem Kollektiv Surf Ghana betrieben. Sandy Alibo gründete die NGO im Jahr 2017 mit dem Ziel, sowohl einen Treffpunkt für junge Surfer*innen als auch über den Sport hinaus eine Plattform für die Repräsentation und Selbstermächtigung junger westafrikanischer bzw. ghanaischer Kultur zu schaffen. In einem Bestandsgebäude am Strand entstand mit finanzieller Unterstützung mehrerer Sponsoren der neue Hauptsitz der Initiative, die Surf Ghana Collective Lodge. Das 2023 auf der Architekturbiennale in Venedig ausgestellte Projekt ist auch für den Holcim Award nominiert.

Das Plug-in-Dach ist die zentrale architektonische Erweiterung der Surf Ghana Collective Lodge.
Am Golf von Guinea, rund 250 Kilometer westlich der ghanaischen Hauptstadt Accra, liegt das Fischerdorf Busua, das sich zu einem beliebten Ziel für Surffans entwickelt hat.
Die Säulen bieten verschieden Sitzmöglichkeiten auf dem Dach.

Adaptive Umnutzung

Die Umgestaltung des kleinen, sanierungsbedürftigen Hauses des Surfkollektivs musste innerhalb eines begrenzten Budgets erfolgen, worauf die beauftragten Architekten Glenn DeRoché und Juergen Strohmayer mit einer reduzierten architektonischen Intervention reagierten. Die zentrale bauliche Erweiterung besteht aus einem neuen, begehbaren Betondach.

Das Dach des Bestandsgebäudes war aufgrund der salzhaltigen Seeluft und dem regelmäßigen Starkregen undicht und musste als einziges marodes Element der bestehenden Bausubstanz abgerissen werden. Die übrigen bestehenden Gebäudeteile blieben beim Umbau größtenteils erhalten. Die neue Dachterrasse verdoppelt die Nutzfläche des Gebäudes, das im Wesentlichen aus einem einzigen Mehrzweckraum besteht, der als Lounge, Surfschulklassenzimmer, Küche oder Schlafsaal genutzt werden kann. Die von den Architekten als Plug-in-Dach bezeichnete Erweiterung überspannt nicht nur das existierende Haus, sondern auch eine neu errichtete Terrasse, die aufgrund ihrer Höhe als Sitzgelegenheit dienen kann. Eine Treppe führt hinunter zum Strand.

Passive Kühlung

Das Gebäude ist durch passive Kühlungsstrategien an die lokalen klimatischen Bedingungen angepasst. Das doppelte Dach mit Lüftungsspalt ermöglicht im Zusammenspiel mit den zwei großen, gegenüberliegenden Schiebetüren, Lamellenfenstern und Luftschleusen eine Querlüftung und wirkt so einer Überhitzung der Innenraums entgegen. Die Auskragung des Dachs in Richtung Meer schützt die Besucher*innen während der Monsunzeit vor Starkregen und spendet an heißen Tagen Schatten.

Lokale Materialien

Um die CO²-Bilanz des Gebäudes zu reduzieren, wurde dem Beton statt Zement das vor Ort leicht verfügbare Laterit zugesetzt. Dieses langlebige Sedimentgestein gilt als besonders resistent gegen die stark salzhaltige Meeresluft und die intensiven Regenzeiten. Um den CO²-Fußabdruck des Projekts weiter zu minimieren, diente einheimischer Raffiabast als Schalungsmaterial. Raffiabast wird aus den Fasern gefiederter Palmblätter hergestellt und ist ein traditionelles Baumaterial in der Region. Die Schalung erzeugte eine stark geriffelte Betonoberfläche, die einen haptischen Kontrast zum glatten Putz des Bestands bildet.

Bautafel

Architektur: Glenn DeRoché + Juergen Strohmayer, Accra (Ghana)
Projektbeteiligte: Richard Ofori Addo (Tragwerksplanung); ALConstructs, Cape Coast (Bauausführung); SDPS (Holzbau); MeCraft, Accra (Metallarbeiten)
Bauherrin: NGO Surf Ghana
Fertigstellung: 2023
Standort: Busua, Ghana
Bildnachweis: Julien Lanoo (Fotos); Glenn DeRoché + Juergen Strohmayer (Pläne)

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