Strohhaus in Dornbirn

Tragende Wände aus Jumboballen

Mit einer weiten Riedlandschaft im Rücken, ist am Rande einer locker bebauten Einfamilienhaussiedlung in Dornbirn im Vorarlberg ein Wohnhaus mit dicken Außenwänden aus Stroh platziert. Der mit tiefen Einschnitten versehene quaderförmige, eingeschossige Bau bietet Platz für zwei Personen und wurde nach Plänen von Georg Bechter Architektur + Design aus Langenegg realisiert. Die breite Front des Strohhauses weist gen Südosten zur Nachbarschaft, im Nordwesten beginnt die offene Landschaft.

Nach Südwesten und Südosten öffnet sich das Gebäude mit großen Verglasungen
Durch die tiefen, schräg nach innen laufenden Laibungen wird die Sonneneinstrahlung optimal genutzt (Teilansicht Südost)
Die Dachauskragung dient im Sommer als Schattenspender

Die Bauherren wünschten sich ein barrierefreies, kostengünstiges und ökologisches Haus – so entstand die Idee, es aus Stroh zu errichten. Der Architekt entwarf ein Bauwerk aus riesigen, lastabtragenden Strohballen, dessen 120 Zentimeter starke Wände ohne Ständerwerk auskommen.

Erschlossen wird das Wohnhaus an der Nordostseite. Der Innenraum ist offen und großzügig: In die Hülle aus Stroh stellten die Planer vier hölzerne Wohnboxen, die außer der Technik einen Sanitärraum beinhalten sowie Schlafstellen für die Bauherren und für Gäste. Eine Raumhälfte ist bestimmt durch die lange Küchenzeile und einen großen Essplatz. Die Übergänge zwischen den Nutzungszonen sind fließend. Die Holzboxen lassen sich über Schiebetüren öffnen. An der Südwest- und Südostseite öffnet sich das Gebäude mit raumhohen Verglasungen und Glastüren zu breiten Holzterrassen. Die lange Nordwestseite ist eher geschlossen gestaltet: Zwei Fensternischen, eine im Bad und eine im Wohnraum, rahmen gezielte Ausblicke in die Natur.

Etwas abgerückt vom Strohhaus, befindet sich ein Carport für zwei Autos mit einem geschlossenen Stauraum.

Nachhaltig Bauen
Der flache Baukörper über rechteckigem Grundriss steht auf einer massiven Bodenplatte aus Beton. Als Wandaufbau wurden sogenannte Jumboballen aus Stroh, mit einem Querschnitt von 70 x 120 und einer Länge bis 240 cm, wie große Mauersteine aufeinandergeschichtet und mit einer 3 cm starken Putzschicht versehen. So entstanden tragende Wände, die ohne Ständerwerk auskommen (siehe Abb. 11 und 14). Die Dachkonstruktion bilden vorgefertigte, hölzerne Kastenträger, diemit Strohballen als Dämmung gefüllt sind und auf den Außenwänden aufliegen. Sie sind miteinander verschraubt und ergeben so eine starre Dachscheibe – der Strohballenbau ist Punktlasten gegenüber empfindlich. Um eine möglichst gleichbleibende Setzung der Wände zu erreichen, stammt das Stroh von einem Feld.

Die 120 cm starken Strohwände haben eine gute Dämmwirkung, sie erreichen einen U-Wert von 0,04 W/m²K; das Dach liegt mit 0,05 W/m²K knapp darüber. Die Konstruktionshöhe und Form des Daches unterstützen je nach Jahreszeit eine optimale Wärmeeinstrahlung: Im Sommer spendet die Dachauskragung Schatten, im Winter dient die niedrig stehende Sonne als zusätzliche Wärmequelle. Die Fenster haben daher lediglich innen liegende Vorhänge. Als Schutz vor der tief stehenden Abendsonne wurde an der Südwestseite eine Markise in das auskragende Dach montiert. Ein Dachschlitz entlang der Südostseite dient der Belüftung der Strohballen.

Sämtliche Holzoberflächen sind aus unbehandelten Fichte-Dreischichtplatten gefertigt. Die ebenfalls unbehandelten Strohballen wurden außen mit Kalk und innen mit Lehm verputzt; der gesamte Wandaufbau ist also kompostierbar.

Die Haustechnik konnte auf ein Minimum reduziert werden: Es gibt keine Wärmepumpen, keine Lüftungsanlage oder Heizkreise. Ein holzbefeuerter Kachelofen, dessen Strahlungswärme sich in den offen gestalteten Räumen verteilen kann, reicht für die Beheizung des rund 175 Quadratmeter großen Innenraums aus. In den Räumen, die vom Ofen am weitesten entfernt sind, wie Bad und Schlafzimmer, ist es rund zwei Grad kühler, was von den Planern auch so bedacht war.

Bautafel

Architekten: Georg Bechter Architektur + Design, Langenegg
Projektbeteiligte: Eric Leitner, Schröcken (Tragwerksplanung), TB Ritter, Andelsbuch (Energiekonzept); Stefan Küng, Kennelbach (Energieausweis)
Bauherr: privat
Fertigstellung:
2014
Standort:
Dornbirn, Vorarlberg
Bildnachweis: Adolf Bereuter, Dornbirn

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