Steinkreuzfenster

Historische Konstruktion

Ein Steinkreuzfenster hat – wie der Name sagt – Pfosten und Riegel aus Stein, die ein Kreuz in einem ebenfalls steinernen Rahmen bilden. Es handelt sich um eine historische Fensterform, die in der Gotik entstand und heute nunmehr etwa 500 Jahre alt ist.  

In Varianten können auch mehrere Kreuze nebeneinander innerhalb einer Öffnung stehen und als Sechs- oder Achtflügelfenster ein rhythmisches Gefüge bilden. Im Bild: Ehemalige Navigationsschule in Hamburg (1905, Architekt Albert Erbe 1868-1922)
Ausgehend von der Gotik und der Renaissance waren Steinkreuzfenster im Historismus als trutzig-traditionelle Motive beliebt.

Im Bauen im und mit dem Bestand, in denkmalgeschützten Kontexten sowie hinsichtlich des Umgangs mit historischen Handwerks- und Bautechniken gelten Steinkreuzfenster, auch wenn sie heute konstruktiv wie tragwerkstechnisch veraltet sind, als wertvolle Artefakte. Da ihre Substanz erhalten werden sollte, sind Reparaturen und Restaurierungen materialgerecht sowie unter sorgfältiger Analyse und Beachtung des konstruktiven Gefüges durchzuführen.  

Streng genommen handelt es sich bei einem Steinkreuzfenster nicht um ein einzelnes Fenster, sondern um vier separate Fenster. Im Gegensatz zu beispielsweise hölzernen Stulpfenstern hängen die Fensterflügel nämlich nicht zusammen.  

Konstruktion, Tragwerk, Varianten  

Diese Art der Konstruktion entwickelte sich in der Gotik als Weiterentwicklung von einfachen, noch aus der Antike und der Romanik bekannten Rundbogenfenstern. In eine meist massive Wand wurde ein rechtwinkliger Rahmen als Laibung eingefügt und anschließend die Öffnung mit einem Kämpfer und einem oder oftmals auch mehreren Pfosten unterteilt. In die so geschaffenen Öffnungsfelder wurden Scheiben beispielsweise aus Butzenglas eingesetzt, die mit Holzleisten oder Bleiruten gefasst wurden.    

Ähnliche Konstruktionsprinzipien sind Steinpfostenfenster, wenn beispielsweise zwei stehende Fensterformate ohne Kämpfer vertikal in einer Öffnung angeordnet sind, sowie Querstockfenster, wenn nur ein Kämpfer die Öffnung waagerecht unterteilt. In Varianten können auch mehrere Kreuze nebeneinander innerhalb einer Öffnung stehen und als Sechs- oder Achtflügelfenster ein rhythmisches Gefüge bilden.  

Material  

Für das tragwerkstechnische System wurde Stein anstatt von Holz gewählt, obwohl Stein teurer als das leichter verfügbare und auch bearbeitbare Holz war. Die Konstruktion mit Stein gewährleistete eine bessere Lastenverteilung, verbunden mit einer Stabilisierung der Wandöffnung, woraus geometrisch von den vormaligen Rundbögen unabhängige und damit sogar größere Öffnungsformate resultierten. Als Material wurden je nach Region und verfügbaren Steinbrüchen, aber auch hinsichtlich Repräsentanz, symbolischer Bedeutung und Dekoration Sandstein, Kalkstein, Marmor, Tuff, Granit oder Gneis verarbeitet. Im Bereich der Backsteingotik, besonders in Norddeutschland und dem Ostseeraum, finden sich aus Backsteinen gemauerte Fensterkreuze und Laibungen, die sich vom Mauerwerk der Wand absetzen.  

Typologie  

Typologisch verwandt sind Steinkreuzfenster unter anderem mit Maßwerkfenstern in Ausprägungen wie Fischblasen-, Lanzett-, Pass- und Radfenstern. Prinzipiell sind Steinkreuzfenster uralte Vorläufer heutiger Pfosten-Riegel- und Raster-Fassaden, da sie tragende Aufgaben in einer Fassade übernehmen. -sj

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Ein Artefakt hat nicht nur materiell-physische Eigenschaften, sondern erhält durch immaterielle, gesellschaftliche und kulturelle Faktoren Bedeutung. Im Bild: Renaissance-Portal mit einer Rokoko-Tür in Lübeck

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Materialien/​Werkstoffe

Artefakt

Hölzernes Fensterkreuz

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Konstruktion/​Funktion

Fensterkreuz

Das Ornement Fischblase oder Schneuß ist eine geschwungene Kontur, die sich geometrisch konstruiert aus einem Kreis und aus mindestens zwei spitz zusammenlaufenden Segmentbögen zusammensetzt.

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Fensterarten

Fischblase

Radfenster in einer Mauerwerkswand

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Fensterarten

Radfenster

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Das Portal einschließlich der erhaltenen Außenwand eines ursprünglichen Mezzaningeschosses wurde als authentische Bausubstanz respektiert und als prägender Bestandteil des Ortes erkannt.

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