Standard Warmwasser-Zentralheizung

Von der Schwerkraft-Kohleheizung zur Öl- und Gaszentralheizung

Die ersten Warmwasserzentralheizungen im Kohlebetrieb wurden von 1700 bis 1750 in England und Frankreich errichtet. 1716 entwickelte der Schwede Marten Trifvald die älteste bekannte Warmwasser-Zentralheizung. Sie beheizte ein Treibhaus im englischen Newcastle. In Deutschland fand das Heizen mit warmen Wasser erst ab 1850 Verbreitung. 1867 erhielt das Berliner Rathaus eine zentrale Warmwasserheizung. Erste Zentralheizungsfirmen gründeten sich. Die Verteilung der Wärme im Rohrsystem erfolgte im offenen Schwerkraftsystem.

Anfang des 20 Jdh. setzte sich die Warmwasserheizung gegenüber der Dampfheizung durch und fand durch Verwendung von Heizungspumpen große Verbreitung. Pioniere im Heizungsbau waren die Brüder Buderus. Sie produzierten 1920 die ersten Pumpen-Warmwasserheizungen. 1930 erhielt die erste Wohnanlage in Berlin-Reinickendorf eine komplette Warmwasser-Zentralheizung. Die Reinickendorfer "Weiße Stadt", auch „Schweizer Viertel“ genannt, umfasst rund 1200 Wohnungen und wurde nach den Plänen der Berliner Architekten Ahrends, Büning und Salvisberg von 1929 bis 1931 im Stil der Neuen Sachlichkeit erbaut.

Mit der Kesseltechnik veränderten sich ebenso die Heizkörper. Anfangs wurden wie bei der Dampfheizung Rohrschlangen und –register verwendet, danach verwendete man die schweren, meist schön verzierten Rippenrohrheizkörper. Durch die Verbreitung der Warmwasser-Heiztechnik entwickelten sich auch neue Heizkörper-Bauformen wie Konvektoren, Plattenheizkörper, Strahlplatten oder Fußbodenheizungen.

Die ersten Zentralheizkessel waren noch aus einem kompletten Guss gefertigt. Mit der Erfindung des gusseisernen Gliederheizkessels durch den deutschen Ingenieur Strebel wurde die Entwicklung der Zentralheizung vorangetrieben. Diese Kessel besaßen einen großen Füllschacht für Kohle oder Koks und konnten länger durchbrennen und von Laien betrieben werden. Die AG "Eisenwerke Hirzenhain & Lollar" unter Firmenchef Hugo Buderus fertigten seit 1895 Kesselglieder für dieses Gußheizkessel-Patent. Kurze Zeit darauf wurde im Werk eigene Kesselpatent entwickelt und nach amerikanischen Vorbild Guss-Radiatoren hergestellt. Bis nach den 2. Weltkrieg dominieren die Gusskessel auf dem Heizungsmarkt. Anfang 1928 baut das Unternehmen Viessmann die ersten Heizkessel aus Stahlblech, die vorerst vorwiegend in Gärtnereien eingebaut werden.

Ende der 50er Jahre heizte noch 90 % aller Haushalte in Westdeutschland mit Kohle-Einzelöfen. Während im Westen Anfang der 60er die Ölfeuerung aufkam, sollte die Umstellung von Kohleeinzelöfen auf Warmwasser-Zentralheizung in Ostdeutschland erst ab der deutschen Einheit 1990 forciert werden. Beide Entwicklungen umfassten die zunehmende Verbreitung des Brennstoffes Heizöl.

In der Bundesrepublik entwickelte die Industrie Öl-Spezialkessel, die vollautomatisch heizten und warmes Wasser für Wannenbad und Dusche bereitstellten. Die bisher offenen Heizungsanlagen wurden damit zu geschlossenen Kreisläufen mit Membran-Ausdehnungsgefäß. In den 70er-Jahren kam zu Heizöl zunehmend Gas als Brennstoff dazu, der nach den Ölkrisen 1973 und 1979 immer mehr an Bedeutung gewann. Die Öl- und Gas-Standardkessel mit konstanten Betriebstemperatur von 90°C werden von den Niedertemperaturkesseln abgelöst. Das Betreiben von Standardkesseln, die vor dem 1. Oktober 1978 eingebaut wurden, ist mit seit der EnEV 2007 verboten.

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