Stadtquartier Oostenburg in Amsterdam

Wohnen auf der Werftinsel

Die Niederlande sind berühmt für ihre Entwässerungstechniken, ohne die ein Großteil des Landes unter Wasser stehen würde. Mit ausgeklügeltem Ingenieurwissen rangen die Niederländer*innen im Laufe der Jahrhunderte dem Wasser sukzessive neues Land ab. Auch die Oostelijke Eilanden in Amsterdam entstanden auf diese Weise. Im 17. Jahrhundert wurden sie als ein Teil des Flusses IJ trockengelegt und zu künstlichen Inseln. Das einst industriell genutzte Hafengebiet dient heute größtenteils als Wohnquartier. Seit 2012 wird auch die Transformation von Oostenburg geplant, das letzte verbleibende industriell geprägte Areal der künstlichen Inselgruppe. Für den Städtebau zeichnen das Amsterdamer Büro Studioninedots gemeinsam mit Urhahn Stedenbouw & Strategie verantwortlich. Auftraggeberin ist die Wohnungsbaugenossenschaft Stadgenoot.

Den Städtebau verantworteten die Amsterdamer Büros Urhahn und Studioninedots.
Das Team von Studioninedots arbeitete an der Ausgestaltung der Baufelder, Volumen und architektonischen Leitlinien.
Kranböcke zeugen von der historischen Nutzung des Geländes als Hafen.

Einst befanden sich auf den Oostelijke Eilanden Werftgelände und Lagerhäuser. Oostenburg fungierte als Werftinsel der Vereinigten Ostindischen Kompanie: Die auf dem Kolonialsystem basierende Handelsgesellschaft setzte ihr Gewürzmonopol in Südostasien über anderthalb Jahrhunderte auch mit Waffengewalt durch. Nach deren Bankrott siedelte sich ab dem 19. Jahrhundert Industrie an. Von dieser bewegten Geschichte zeugen heute noch Hallen, Kaimauern und Kranböcke. Seit den 2010er-Jahren entsteht auf dem ehemaligen Hafen- und Industriegelände ein neues Wohnquartier. 2012 legte das Amsterdamer Büro Urhahn Stedenbouw & Strategie einen städtebaulichen Rahmenplan vor; seit 2015 arbeitet das ebenfalls in Amsterdam ansässige Büro Studioninedots an der Ausgestaltung der Baufelder, Volumen und architektonischen Leitlinien. 

 

Urbane Heterogenität

Im Einklang mit den Plänen von Urhahn entwickelte Studioninedots die Vision einer „Spontaneous City“: ein urbanes Areal, das sich offen für ständige Veränderung zeigen soll, in Reaktion auf die Bedürfnisse der Anwohner*innen. Hierfür sieht der städtebauliche Rahmenplan keine Einzelparzellen, sondern größere Baufelder mit einer kleinteiligeren Substruktur vor, um eine dichte Bebauung und urbane Atmosphären zu schaffen. Ein architektonischer Rahmenplan soll die gestalterische Qualität sichern und bei aller Heterogenität der einzelnen Entwürfe und Planungen ein übergeordnetes Erscheinungsbild garantieren. Vorgegeben waren dabei Variationen im Maßstab, der Farbigkeit und dem Material. 

 

Wohnen und Arbeiten am Wasser

Für die Neubauten zeichneten unterschiedliche Architekturbüros verantwortlich: Architectuur MAKEN, BETA, Bureau Fraai, Common Practice, HOH Architecten, Laura Alvarez, Marcel Lok_Architect, MIX architectuur, MVRDV, NEXT architects, OZ Architects, Space Encounters, Studio AAAN, Urban Echoes und Workshop architecten. Die langgestreckten historischen Industriehallen wurden saniert und neuen Nutzungen zugeführt. Neben Wohnungen entstanden Flächen für Büros und Gastronomie, die das neue Viertel beleben sollen.

 

Sichtachsen und innere Plätze

Die Gestaltung des öffentlichen Raums oblag Urhahn, in Zusammenarbeit mit dem Landschaftsarchitekturbüro Dijk&co. Das Gebiet ist weitgehend autofrei und verfügt nur über eine Zufahrt; ein Wegenetz erschließt das neue Viertel. Der Städtebau orientiert sich dabei am Wasser. Hierfür definierte Sudioninedots Sichtachsen, die von der Wohnbebauung zur Wasserkante führen. Kleine Plätze im Inneren des Neubaugebiets schaffen räumliche Zusammenhänge zum Wasser. Aus der einst industriellen Wasserkante ist ein neuer, öffentlich zugänglicher Ort geworden, von dem nicht nur die unmittelbaren Anwohner*innen profitieren. -hs

Bautafel

Architektur: studioninedots, Amsterdam
Projektbeteiligte: Urhahn Stedenbouw & Strategie, Amsterdam (Städtebau); Urhahn und Dijk&co landscape arcitecture (Landschaftsarchitektur); Witteveen+Bos (Ingenieurbüro); beteiligte Architekturbüros: Architectuur MAKEN, BETA, Bureau Fraai, Common Practice, HOH Architecten, Laura Alvarez, Marcel Lok_Architect, MIX architectuur, MVRDV, NEXT architects, OZ Architects, Space Encounters, Studio AAAN, Urban Echoes, Workshop architecten
Bauherrschaft: Stadgenoot (Wohnungsbaugesellschaft)
Fertigstellung: voraussichtlich 2027
Standort: Oostenburg, Amsterdam, Niederlande
Bildrechte: Sebastian van Damme (Fotos); studioninedots, Amsterdam (Pläne)

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