Speichermagazin Friedrichshagen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Berlin

Konstantes Raumklima, wasser- und dampfdichtes Dach

Mehr als 3,5 Millionen Bände der Staatsbibliothek zu Berlin, rund 300.000 Bände aus dem Ibero-Amerikanischen Institut sowie etwa 12 Millionen Dias, Negative und Originalabzüge der Bildagentur bpk beherbergt das Speichermagazin der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) in Friedrichshagen, einem Ortsteil der Berliner Bezirks Treptow-Köpenick. In Anlehnung an eine Schatzkiste entwarfen es Eberhard Wimmer Architekten aus München als kompakten viergeschossigen Bau. Auf 17.000 Quadratmetern reiner Magazinfläche bietet er Platz für etwa 36.000 laufende Regalmeter. Insgesamt beträgt seine Nutzfläche 21.119 Quadratmeter, die Grundfläche misst 126 x 68 Meter, die Höhe 12,84 Meter. Eine zweistufige Erweiterung soll zukünftig (ab 2035) die Fläche und Speicherkapazität noch einmal verdoppeln.

Südansicht: Auf 17.000 Quadratmetern reiner Magazinfläche bietet das Gebäude Platz für etwa 36.000 laufende Regalmeter
Ansicht Südost: Ab 2035 ist eine zweistufige Erweiterung des Speichermagazins in südliche Richtung geplant
Ansicht Nordwest: Nur im Vorbau, dem sogenannten Verschlussstein, und dem Erdgeschoss befinden sich Fensteröffnungen

Das teilunterkellerte Gebäude ist als Stahlbetonbau errichtet. Seine überwiegend geschlossene Fassade ist von einem Raster aus hellen Betonfertigteilen und dunkelgrauem Naturstein überzogen, das den Eindruck dicht gereihter, gefüllter Regale vermittelt. Die geschliffenen Natursteinplatten aus brasilianischem Gneis ragen in vertikaler, linearer Abfolge mal mehr, mal weniger hervor. Die Betonfertigteile weisen eine horizontale, in der Höhe variierende Struktur auf, die an gestapelte Dokumente oder Bücher denken lässt. So entstehen aus verschiedenen Blickwinkeln Überlagerungen, Vor- und Rücksprünge; zusammen erzeugen sie ein differenziertes Licht- und Schattenspiel. Allein im Vorbau, dem sogenannten Verschlussstein, und im Erdgeschoss der nördlichen Eingangsfront befinden sich Fensteröffnungen.

Die Raumorganisation im Gebäude ist in vier Nutzungsbereiche gegliedert: den sogenannten Verschlussstein, die Zugangshalle, den Archivriegel und das Büchermagazin. Der Eingang liegt an der Nordseite, markiert durch einen herausgestellten, rechteckigen Baukörper, der den „Verschlussstein“ der Schatzkammer symbolisiert. Daran grenzt eine schmale, hohe Glasfront, die den Blick in die Eingangshalle erlaubt. Diese erstreckt sich über alle vier Etagen und ist mit Glas überdacht. Im Vorbau befinden sich Büros, eine Werkstatt zur Restaurierung von Fotos und ein Masterfilmarchiv. Die Eingangshalle leitet in einen Funktionsriegel über, der dem Magazin vorgelagert ist. Ein zentraler Flur erschließt dort Anlieferung, Treppenhäuser und Aufzüge, eine Scanwerkstatt und Sozialräume. Im oberen Teil des Riegels befinden sich ein Serverraum sowie spezielle Magazine für Zeitungen und Bilder; die notwendige Technik ist größtenteils in Dachaufbauten untergebracht.

Im Anschluss an diesen Riegel, der sich von Westen nach Osten erstreckt, sind die weiträumigen Magazine in vier gleichmäßige Segmente aufgeteilt. Sie verfügen über jeweils vier Ebenen mit einem zentralen, glasbedeckten Lichthof, an dem Arbeitsplätze mit Sortiertischen und eine Station der Buchförderanlage angeordnet sind. Diese bringt die Medien, die in elektronisch betriebenen Kompaktregalanlagen aufbewahrt sind, zur zentralen Anliefer- und Verteilerstelle im Funktionsriegel, von wo aus sie per Lkw zu einem der Besucherstandorte am Potsdamer Platz und Unter den Linden weitertransportiert werden. Benutzerbetrieb gibt es in der Speicherbibliothek nicht.

Tragende und aussteifende Bauteile der Wand- und Dachkonstruktion bestehen aus Stahlbeton; die Zugangshalle bildet mit ihrer Stahlglasfassade und dem Glasdach eine Ausnahme. Die Lichthöfe sind an drei Seiten ebenfalls verglast, die vierte Seite ist als geschlossene Stahlbetonwand mit vorgehängter Fassadenbekleidung ausgeführt. Innere Trennwände sind aus Mauerwerk bzw. als Leichtbaukonstruktionen mit Gipskarton-Bekleidung ausgeführt. Das Flachdach ist extensiv begrünt.

Bauphysik
Um geeignete Lagerungsbedingungen für das verwahrte Archivgut herzustellen und es dauerhaft vor Beschädigungen zu schützen, waren zahlreiche bauliche und technische Maßnahmen erforderlich. In erster Linie galten sie der Regulierung von Klima, Luft und Licht. Eine zentrale Rolle kam auch dem Brandschutz zu, obwohl Archivgutverluste weitaus häufiger durch Wassereinbrüche zu verzeichnen sind. Das Haus ist in fünf Brandabschnitte gegliedert und mit einer selbsttätigen Feuerlöschanlage (Gaslöschanlage, mit Stickstoff betrieben) in Verbindung mit einer flächendeckenden automatischen Brandmeldeanlage (BMA) ausgestattet. Als passive Brandschutzmaßnahmen wurden überwiegend nicht brennbare Baustoffe verbaut, darunter Stahlbeton (F90) und Schaumglas (A1).

Konservatorische Kriterien waren bestimmend für die Auslegung der Klimatechnik. Neben der Einhaltung bestimmter Temperatur- und Feuchtigkeitswerte mussten vor allem Grenzwerte für deren Schwankungsbreite festgelegt werden, um Schäden etwa durch Schimmelbildung zu vermeiden. In den Magazinen herrscht eine konstante Raumlufttemperatur von 18°C und eine relative Luftfeuchte von 50%. Erreicht werden diese Werte durch eine Klimaanlage, die auf die Einlagerung von Kulturgütern ausgelegt ist. Sie steuert u.a. einen auf 8°C gekühlten Raum zur Archivierung von Mikrofilmen. Die für die Klimatechnik notwendigen Aggregate sind auf dem Dach untergebracht.

Für die Ausführung des Gründachs galten spezielle Anforderungen hinsichtlich Bedachung, Substrat, Führung der Wände, Bekiesung und Öffnungen der Dachfläche. Die Planer entschieden sich für einen stauchungsfreien, hoch druckfesten Dämmstoff aus Schaumglas, der im Aufbau einer harten Bedachung entspricht und die Nutzung bekiester und begrünter Areale zulässt. Gleichzeitig erlaubt er die Zugänglichkeit zu den technischen Systemen und stellt einen wasser- und dampfdichten Dachaufbau sicher. Auf 7.200 Quadratmetern wurden durchwurzelungssichere Flachplatten gefällelos und zweilagig eingebaut. Mit dem gleichen Material wurden auch die einzuhausenden Aufbauten, wie etwa die Maschinenfundamente und Dächer von Lüftungskanälen gedämmt.

Bautafel

Architekten: Eberhard Wimmer Architekten, München
Projektbeteiligte: Pichler Ingenieure, Berlin (Tragwerksplanung); IBPM Gesellschaft für interdisziplinäres Bauprojektmanagement, Berlin (Projektsteuerung); Büro für Garten- und Landschaftsplanung Klaus-Peter Hackenberg, Berlin (Landschaftsplanung); Halfkann + Kirchner, Berlin (Brandschutzplanung); Foamglas, Hilden (Dachdämmung); Datec Dachtechnik, Berlin (Ausführung Dacharbeiten)
Bauherr: Stiftung Preußischer Kulturbesitz vertreten durch das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, Berlin
Fertigstellung: 2014
Standort: Fürstenwalder Damm 388, 12587 Berlin
Bildnachweis: BBR/Fotograf: Maximilian Meisse; Staatsbibliothek zu Berlin - PK, C. Kösser; Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, Berlin; Halfkann + Kirchner, Berlin/Dresden

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