Sothebys Maison in Hongkong

Treppenskulptur aus Walnussholz

Zugegeben, die philosophische Inspiration kommt hier unerwartet, inmitten des dicht umbauten Einkaufszentrums Landmark Chater im hektischen Herzen von Hongkong. Doch das hier von MVRDV geplante Sotheby’s Maison ist von natürlich bewegten Landschaften, organischen Formen und den taoistischen Prinzipien von Gegensatz und Wandel inspiriert. Das Architekturbüro legte dafür mehrere Ladengeschäfte zusammen und schuf auf über 2.000 Quadratmetern Fläche eine Kunstausstellung, die dem urbanen Umfeld atmosphärisch entrückt zu sein scheint. Das obere Eingangsgeschoss ist als helle, offene Galerie und Concept-Store konzipiert, das untere hat eine mystisch wirkende, dunkle Atmosphäre, perfekt für die dort geplanten immersiven Kunsterlebnisse. Auch wenn die verwendeten Materialien Walnussholz, Marmor und champagnerfarbene Stahldetails edel anmuten und Atmosphäre sowie Ausstellungsobjekte gleichermaßen exklusiv wirken, möchte sich Sotheby’s mit diesem Umbauprojekt in zentraler Lage einem größeren Publikum öffnen.  

Hier, in einem Einkaufszentraum im Geschäftszentrum der Stadt, plante MVRDV den Umbau von über 2.000 Quadratmetern Ladenfläche zu einem Kunsthub und Concept-Store.
Die obere Eingangsebene ist hell und zeigt hinter Glas und für jeden sichtbar die Schätze, die Sotheby's anbietet.
Es ist ein Shop für die, die es sich leisten können, und ein Museum für alle anderen.

Treppen als Übergang

Zentrales Designelement von MVRDV ist die Treppe aus Walnussholz, die beide Geschosse miteinander verbindet. Das Design ist an die chinesischen Scholar’s Rocks angelehnt. Diese auch Gongshi genannten Objekte sind steinerne Fundstücke, die mit einzigartigen, fließenden Formen den Kosmos in Miniatur abbilden und traditionell als Meditationsobjekte die Studierzimmer der Gelehrten zierten. Dafür wurden viele dünne, lasergeschnittene Walnusshölzer zu einer höhlenartigen Topografie gefügt, die den Treppenaufgang rahmt. Deckenspots betonen die Bewegung und Schichtung der Wand- und Deckenflächen, eine LED-Linie fährt die organisch geformte Kubatur nach. Auch die erdgeschossigen Zugänge dreier Räume, des sogenannten Grotto – einem multifunktionalen Veranstaltungsraum – und der sogenannten Sanctum und Pantheon, zwei privatere Räume, erhalten einen ähnlichen skulpturalen Vorbau aus Holz. Diese warm leuchtenden Treppen- und Türtunnel ziehen den Blick fast magisch auf die Wege des Übergangs, zwischen oben und unten, zwischen hier und dort. Die Welt drumherum verschwindet im Dunklen. – rg

MVRDV Winy Maas, Jacob van Rijs, Nathalie de Vries

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