Sonnenschutz und künstliche Intelligenz

Vernetzung von Nutzer und Gebäudetechnik

Die Gegend um den Berliner Hauptbahnhof ist um ein architektonisches Fotomotiv reicher. Auf dem Washington Platz, nur einen Steinwurf von den Gleisen entfernt, steht seit 2020 ein neuer Glaswürfel mit kristallin glänzender Hülle: Die vier Fassaden des Quaders verlaufen nicht vertikal, sondern sind mehrfach asymmetrisch gefaltet, sodass sie ein verzerrt gebrochenes Spiegelbild von Himmel und Umgebung erzeugen. Dass es sich beim Cube um Europas modernstes Bürohaus mit innovativem Nachhaltigkeitskonzept handeln soll, erscheint in Anbetracht einer reinen Glasfassade verwunderlich. Denn mit dem Glasanteil eines Bauwerks steigt für gewöhnlich auch dessen Kühllast. Dass hier dennoch wenig Kühlenergie benötigt wird, bewirkt eine in die gläserne Doppelfassade integrierte Sonnenschutzanlage des Herstellers Warema. Verantwortlich für den Entwurf des Bürogebäudes sind 3XN Architekten aus Kopenhagen.

Die vier Fassaden des Quaders verlaufen nicht vertikal, sondern sind mehrfach asymmetrisch gefaltet, sodass sie ein verzerrt gebrochenes Spiegelbild von Himmel und Umgebung erzeugen.
Dass hier trotz viel Glas wenig Kühlenergie benötigt wird, soll eine in die gläserne Doppelfassade integrierte Sonnenschutzanlage des Herstellers Warema bewirken.
Im Scheibenzwischenraum befinden sich Raffstores, die automatisch auf die im Raum befindlichen Personen reagieren.

17.500 Quadratmeter Bürofläche verteilen sich auf zehn Geschosse. Um auf künftige Mieterwechsel flexibel reagieren zu können, sind die Grundrisse offen gestaltet und individuell anpassbar. Vor allem aber wurde bei dem Smart Building mit großen Aufwand ein innovatives Nutzungskonzept umgesetzt, das auf künstliche Intelligenz setzt und aus dem Nutzerverhalten der Belegschaft lernen soll. Für diesen Zweck sind in dem Gebäude ca. 3.500 Sensoren verbaut, welche die gesamte Gebäudetechnik miteinander vernetzen und überwachen. Die dabei erhobenen Daten werden stetig ausgewertet und vom sogenannten Brain interpretiert. Mit der Zeit soll so der nachhaltige Gebäudebetrieb optimiert werden. 

Auch die Mitarbeiter sind Teil des Netzwerks. Über eine eigens entwickelte App können sie sich über das eigene Smartphone und Bluetooth mit dem Gebäude verbinden, um Raumklima, Zugangsberechtigungen und Services zu steuern. Das Gebäude erkennt fortan jeden Mitarbeiter anhand seines Smartphones und nimmt die persönlichen Voreinstellungen für den jeweiligen Arbeitsplatz automatisch vor. 

Die hinterlüftete Doppelfassade ist Teil des smarten Klimasystems. Die äußere Glashülle ist außen verspiegelt und soll so einen zu starken solaren Eintrag bei gleichzeitig optimierter Tageslichtausbeute verhindern. Zusätzlich sind in den Fassadenzwischenräumen die intelligent gesteuerten Raffstoren E 80 AF mit der Steuerung BAline von Warema eingebaut. Solange niemand im Raum ist, reagiert der Sonnenschutz vollautomatisch auf die Informationen der Messtechnik. Bei Präsenz erfolgt eine Behangfahrt bzw. Lamellennachführung erst nach Freigabe durch den Nutzer. Die Mitarbeiter im Raum erhalten dazu Nachrichten über die hausinterne App. Erst wenn der Nutzer einverstanden ist, erfolgt die Reaktion des Sonnenschutzes.

Architektur 3XN Architekten, Kopenhagen; Hersteller Sonnenschutz: Warema, Marktheidenfeld

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