Sonnendach auf dem Liebling-Haus in Tel Aviv

Hybrid aus Zelt und Segel

Tel Avivs seit den 1920er-Jahren entstandene „Weiße Stadt“ ist durch die Architektur des International Style geprägt und gehört seit 2003 zum Unesco-Welterbe. Auch einige wenige Bauhaus-Schüler, die die Formensprache und Leitideen der Architekturschule umsetzten, waren unter den Entwerfenden. Als Ort für kulturellen Austausch und die Vermittlung der Architektur und Geschichte des Stadtteils bildet das Max-Liebling-Haus – bis 2019 aufwendig restauriert und unter dem Namen White-City-Center wiedereröffnet – das kulturelle Zentrum der Gegend. Mit einem Sonnendach aus Drahtseilen, Tauen und Kissenbezügen haben der Warschauer Architekt und Künstler Jakub Szczęsny und die ortsansässige Designerin und Künstlerin Hadas Tuval auf dem Flachdach des Baudenkmals den sogenannten Fifth Space geschaffen, einen schattigen Ort, an dem die Gemeinschaft gefördert werden soll.

Die leichte Konstruktion besteht aus Edelstahlseilen und -ketten, Juteseilen und recycelten Kunststoffsäcken.
Diese wurden zu Keilformen gefaltet und mit Juteseilen an der Metallstruktur sowie untereinander befestigt.
Bei den Säcken handelt es sich um ein Industrieprodukt: Mit Luft gefüllt dienen sie im Transportwesen zur sicheren Fixierung von Waren.

1936 wurde das ehemalige Wohnhaus in der Idelson Street 29 nach Plänen des Architekten Dov Karmi für das Ehepaar Max und Tony Liebling errichtet. Der schlichte dreigeschossige Bau zeichnet sich durch seinen kubischen Baukörper mit offenen Balkonbändern als archetypisches Beispiel der örtlichen Ausformung des Modernen Bauens aus. In seiner neuen Rolle als kulturelle Einrichtung und Informationspunkt soll das Gebäude als Ort für den Austausch zwischen Personen aus Wissenschaft, Architektur und Handwerk sowie als Nachbarschaftstreffpunkt dienen. Die temporäre Installation soll vernachlässigte Verbindungen zwischen den Anwohnenden, dem Liebighaus und der umgebenden Architektur reaktivieren.

Der Hybrid aus Zelt und Segel wird von farbig beschichteten Stahlrohren getragen, an denen Szczęsny Edelstahlseile und -ketten in zwei, einander überlappenden Dreiecksformen spannen ließ. Ein Gewebe erzeugend, dienen sie als Kettseile, zu denen Tuval den Schuss zusteuert. Dieser besteht aus recycelten, zu Keilformen gefalteten Kunststoffsäcken, die mit Juteseilen an der Metallstruktur sowie untereinander befestigt wurden. Bei den Säcken handelt es sich um ein Industrieprodukt: Mit Luft gefüllt dienen sie im Transportwesen zur sicheren Fixierung von Waren. Durch ihre textile Haptik und rotes, eingewebtes Garn in drei parallel verlaufenden Streifen wirken sie auf den ersten Blick wie Geschirrhandtücher. Rote Plastikventile, die einst der Luftzufuhr dienten, erinnern an ihren eigentlichen Nutzen. Vor der aktuellen Verwendung waren dieselben Polstersäcke schon einmal im Dienste des Sonnenschutzes zweckentfremdet worden: Das Berliner Architekturkollektiv Raumlabor verwendete sie für ihre Installation Dialogue as Form als schattenspendende Pavillonbedachung.

Die Leichtigkeit und Durchlässigkeit des Entwurfes von Szczęsny und Tuval soll sinnbildlich stehen für den schmalen Grad zwischen Zugehörigkeit und Verbindung sowie Abgeschiedenheit und Trennung: Mit ihrem Projekt wollen die Planenden daran erinnern, dass das Flachdach ein Produkt der Moderne ist, um als gemeinschaftlich genutzter Ort für Bewohnende und die Nachbarschaft zur Verfügung zu stehen. Diese ursprüngliche Definition stehe im Gegensatz zum derzeitigen Trend der individuellen räumlichen Aneignung und absichtlicher Isolation. Im Fifth Space finden monatliche Veranstaltungen statt, die sich auf Verbindung, Zugehörigkeit und Affinität zu einem Ort und seiner Kultur konzentrieren. Die Arbeit ist Teil der Ausstellung „Welcome to the Re_Public“ im Liebling-Haus (siehe Surftipps).

Entwurf: Jakub Szczesny und Hadas Tuval; Kuration: Shira Levy-Benyemini; Szenografie und Produktion: Anat Levy; Montageleitung: Eliran Paz, Liron Yeshouroon

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Außen liegende Textilien müssen schwerentflammbar und witterungsbeständig sein.

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Viele Überkopfverschattungen an Fassaden sind aus Metall.

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