SNCF Betriebszentrum in Pantin

Schiefer und Gold

Nahezu den gesamten Schienenverkehr Frankreichs und Monacos betreibt die staatliche Eisenbahngesellschaft SNCF (Société nationale des chemins de fer français). International erfolgreich ist deren Schnellzug TGV. Nordöstlich von Paris ist Ende 2021 ein neues Betriebszentrum der SNCF nach Plänen von Scape Architecture errichtet worden. Es ist Teil eines gewaltigen Infrastrukturprojektes, das dazu dient, den Regionalverkehr gen Westen auszubauen und bildet den Auftakt eines ökologischen Quartiers in Pantin, einer Stadt im direkten Umfeld der französischen Metropole. Das Quartier mit Wohnungen, öffentlichen Einrichtungen und Büros soll bis 2030 fertiggestellt sein. Aus dem neuen Betriebszentrum wird sowohl ein Teil des nationalen als auch des regionalen Verkehrs überwacht und gesteuert, insofern kommt ihm eine wichtige Bedeutung zu.

Als Sichtschutz, Einbruchschutz und Lärmbarriere dienen Umfassungswände mit einer Vormauerschale aus Schiefersteinen.
Das Betriebszentrum ist Teil eines gewaltigen Infrastrukturprojektes, das dazu dient, den Regionalverkehr gen Westen auszubauen.
Der Gebäudekomplex befindet sich in Pantin, einer Stadt im direkten Umfeld von Paris.

Schieferschichten als Umfassung

Das Architektenteam, allen voran Ludovica Di Falco und Francesco Marinelli, schufen eine Art Campus, eingefasst von hohen Mauern, deren Außenseiten aus Schiefer bestehen. Sie rahmen ein rechteckiges Feld. In die Umfassungswände sind Öffnungen wie übergroße Fenster eingeschnitten, strukturiert durch vertikale Stahlstreben und horizontal weitergeführte Schieferleisten. Die Einfriedung des Geländes ist Sicht- und Einbruchschutz; sie verringert aber auch Lärmemissionen des Verkehrs z.B. seitens der anliegenden Bahngleise.


Büros in Goldgelb flankieren Gründach

Hinter dieser Art Festung in lebhaft geschichteten Grautönen treten zwei höhere Gebäuderiegel hervor, die mit einem goldschimmernden metallischen Netz überzogen sind. Die technischen und logistischen Funktionen des Ensembles verteilen sich auf drei quaderförmige Baukörper: Die goldgelben Dreigeschosser beinhalten überwiegend Büros und rücken von der ausgedehnten mittleren Betriebshalle etwas ab. Deren Dach ist als Retentionsfläche begrünt und mit zahlreichen kreisförmigen Oberlichtern ausgestattet. Ein Teil ist als Dachterrasse begehbar. Die Höfe zwischen den Gebäuden sind bepflanzt. Die Überdachung der Parkplätze ist ebenfalls begrünt und dient als Erholungsraum für die Beschäftigten in den Pausen.

Trotz der Abschottung erhalten sämtliche Arbeitsplätze Tageslicht und lassen Ausblicke zu. Das Betriebszentrum ist rund um die Uhr besetzt. Ein abgestimmtes Lichtkonzept unter Einsatz von Tages- und Kunstlicht sorgt für eine gute Ausleuchtung und eine angenehme Arbeitsatmosphäre.

Vormauerschale aus Schiefer

Der dunkle Schiefer bildet einen starken Gegensatz zur leichten und hellen metallischen Gebäudehülle, und kontrastiert auch mit den begrünten Dächern und Höfen. Er stellt sich als massive Felswand dar – ein Eindruck, der durch unregelmäßig verspringende, lange und schmale Werksteine in changierenden Grautönen mit gelb- bis rostbraunen Einsprengseln entsteht. Es handelt sich um eine Vormauerschale aus 8 cm hohen Schieferblöcken, die im oberen Wandabschnitt mehrheitlich 10 cm tief sind. Teilweise sind sie jedoch 23 cm tief und treten innerhalb der Fassade hervor. Metallanker halten die hinterlüftete Vorsatzschale in der Betonwand, die im Gebäudebereich außenseitig gedämmt ist. Im unteren Teil der Mauer sind ausschließlich 23 cm tiefe Steine verbaut, die auf dem Betocksockel fußen. Eine 5 cm starke Schieferplatte bildet den oberen Abschluss.

Im Bereich der fensterartigen Einschnitte sind die Schiefersteine mit Metallträgern an den Stahlstützen befestigt. Vor den Fenstern der Bürogebäude werden die Schieferblöcke in lichten Abständen an den Enden durch jeweils zwei Stahlstangen gehalten und bilden einen feststehenden außenliegenden Sonnenschutz. -us

Bautafel

Architektur: Scape Architecture – Ludovica Di Falco with Francesco Marinelli, Paris / Rom / Mailand
Projektbeteiligte: Mathilde Mouchel (Projektmanagement Architekturbüro); Francesca Ungaro, Thomas Lemarchal (Mitarbeitende Architekturbüro); Aedis Ingenerie, Paris (Tragwerk); Deerns, Paris (Umweltingenieure); Altia Acoustics, Paris (Akustik); Après La Pluie, Paris (Landschaftsplanung)
Bauherr/in:
SNCF Réseau – Direction de Projet EOLE – NExTEO
Baujahr: 2021
Standort:
Pantin, Frankreich
Bildnachweis: Luc Boegly, Alex Dahl

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