Sichtbetonoberflächen

Vor und nach dem Schalen gestaltet

Ob glatt, rau oder strukturiert – die Oberflächengestaltung ist elementar für das Bauen mit Sichtbeton. Die nach der Fertigstellung sichtbar bleibenden Ansichtsflächen prägen maßgeblich die Wirkung der Bauteile oder des gesamten Bauwerks. Sie werden im Laufe des Schalungs- und Herstellungsprozesses des Betons gestaltet oder zusätzlich nachträglich bearbeitet.

Reliefartige Oberflächen, wie die des Museums für Architekturzeichnung in Berlin, können mit Silikonmatrizen hergestellt werden.
Trotz Ausbesserungen bleiben Fehlstellen genauso wie verschlossene Ankerlöcher in der Regel sichtbar.
Der sogenannte „übliche Betrachtungsabstand“ ist besonders wichtig bei der Beurteilung des Gesamteindrucks von Sichtbeton-Bauwerken.

Vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten

Beton weist nach dem Ausschalen an seiner Ansichtsfläche eine aus Zementstein und Mehlkorn bestehende Mörtelschicht auf, die Spuren der Schalung zeigt. Genauso beeinflusst der Herstellungsprozess Textur, Farbgebung und Porigkeit der Oberfläche. Das hierin liegende Repertoire an Gestaltungsmöglichkeiten ist groß:

  • Größe und Anordnung der Schalelemente (Flächengliederung)
  • Eigenschaften, Struktur und Gestaltung der Schalhaut (Brettschalung, glatte Schalung, Matrizenschalung, Filtervliese, OSB-Platten)
  • Gestaltung der Schalungseinlagen (Aufdopplungen, Leisten, Matrizen, Ornamente, Schnitzereien oder Ähnliches)
  • Anordnung von Schalungsankern, Ankerlöchern, Konenverschlüssen, Schalungsstößen, Fugen, Kantenausbildung
  • gezielte Farbtongebung (Zementart, Gesteinskörnungen, Steinmehl, Pigmente, Lasuren, Anstriche)
Weiterhin gibt es verschiedene Formen der Bearbeitung des ausgeschalten Betons:
  • mechanisch (Sägen, Spalten, Schleifen, Polieren)
  • handwerklich (Bossieren, Spitzen, Stocken, Scharrieren)
  • technisch (Sandstrahlen, Flammstrahlen, Höchstdruckwasserstrahlen, Fototechnik)
  • durch Waschen (Waschen mit speziellen Abbindeverzögerern, Feinwaschen und Säuern)

Beurteilungskriterien

Die Anforderungen an das Aussehen von Sichtbetonoberflächen müssen im Vorfeld im Leistungsverzeichnis möglichst genau beschrieben werden, damit das Bauteil oder Bauwerk nachträglich beurteilt werden kann. Diese Anforderungen werden in Deutschland im Merkblatt Sichtbeton des Deutschen Beton- und Bautechnik-Vereins (DBV) und des Vereins Deutscher Zementwerke (VDZ) formuliert. Hier sind vier Sichtbetonklassen geregelt. Sie unterscheiden sich nach geringen, normalen, besonderen und besonders hohen Anforderungen an das Aussehen, die sich wiederum an der Art des Bauteils oder Bauwerks orientieren. Als Kriterien dienen unter anderem folgende Merkmale:

  • Textur, Schalelementstoß
  • Porigkeit
  • Farbtongleichmäßigkeit
  • Ebenheit
  • Schalhaut
  • Arbeits- und Schalhautfugen
Eine einhundertprozentig gleichmäßige Farbtönung und Porenstruktur lässt sich nicht herstellen. Trotz größter Sorgfalt kann es bei der Ausführung von Sichtbeton zu Fehlstellen kommen. Diese lassen sich zwar ausbessern, jedoch bleiben selbst bei großem handwerklichen Geschick die Ausbesserungsstellen erkennbar. Daher sollte sorgfältig geprüft und abgewogen werden, ob kleinere Fehlstellen hinnehmbar sind und unbehandelt bleiben können. Grundlegendes Abnahmekriterium ist der Gesamteindruck einer Sichtbetonoberfläche, für den der sogenannte „übliche Betrachtungsabstand“ eine große Rolle spielt. Damit ist gemeint, in welcher Entfernung die künftigen Nutzerinnen und Nutzer einem Gebäude oder Bauteil erwartungsgemäß begegnen werden. Während etwa bei großen Brücken der Blick durch die Windschutzscheibe überwiegt, wird im Wohnungsbau stärker auf Präzision geachtet.

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