Showroom in Tschechien

Kegeltreppe als Raumskulptur

Bei diesem Projekt schwingt sich nicht der Schall, sondern die Treppe selbst in steilen Kurven durch den Raum und geht – nur gedanklich natürlich – hinter dem Panoramafenster in die Wiesenhügel der Weißen Karpaten über. Die besondere Treppenskulptur aus Kiefernholz mit dem Namen Hügel stammt vom tschechischen Designer Maxim Velčovský und setzt Landschaft und Handwerk in eine sichtbar enge räumliche und gestalterische Beziehung. Ganz im Sinne des Fenster- und Türenherstellers Janošík Okna-Dveře (dt. Janošík Fenster und Türen), der die Treppe in seinen neuen Showroom für großformatige Fenster einbauen ließ. Die nahtlose Verknüpfung von Landschaft und Architektur ist also Teil der Geschäftsidee und war maßgeblich für die gesamte Sanierung, die der Architekt Jakub Janošík, gestalterischer Leiter des Familienunternehmens, verantwortete. 

Das Gebäude liegt in den Hügel der Weißen Karpaten. Sie waren Inspiration für die Treppenhügel im Innern des Gebäudes.
Der alten Halle wurde ein Neubau aus Beton vorgesetzt, der halb in einem aufgeschütteten Hügel verschwindet.
Die aufgeworfene Topographie ermöglicht den Zugang zur Landschaft auch aus den Obergeschossen der umgebauten Halle.

Umbau eines Genossenschaftshauses

Das Gebäude ist ein altes Genossenschaftshaus aus den 1950er-Jahren: ein schlichtes, hohes Langhaus mit Satteldach und einer Breite von 15 Metern sowie einer Länge von 70 Metern. Bei der Sanierung wurde es auf die grundlegenden Bauteile – Außenwände und Metalldach – zurückgebaut, sodass im Innern über fast die gesamte Gebäudelänge ein zweigeschossiger, freier Raum entstand. Hier ließ das Architekturteam eine zweite Geschossdecke einziehen und zonierte das Obergeschoss mit eingestellten Wänden, die sich entlang eines mittigen Flurs zu Räumen aufreihen und zugleich die Länge, Höhe und Ausbildung der ursprünglichen Architektur sichtbar machen. Das Metalldach zum Beispiel wurde von außen gedämmt, damit das alte Stahltragwerk sichtbar und unangetastet bleibt. Zugleich ermöglicht dieser Aufbau die bündige Integration von PV-Modulen in die neue Dachhaut. 

Fassade aus Glas, Beton und Lärchenholz

Die obere Geschossebene erhielt zudem an beiden Langseiten jeweils eine neue Glasfassade, die Licht und Landschaft ins Gebäude bringt. Zudem dient sie dazu, die Firmenkompetenzen mit technischen Besonderheiten wie elektromagnetisch gelagerten Schiebefenstern, Pivot-Türen und versenkbaren Sitzfenstern zu demonstrieren. Vor den Altbau schmiegt sich ein kleiner, eingeschossiger Neubau aus Sichtbeton mit zwei Besprechungsräumen und begrüntem Dach. Daneben steigt die Topografie zum Obergeschoss an, sodass von hier ein direkter Zugang über die verglaste Langseite möglich ist. Die dunkle Lärchenholzfassade am Altbau und die geschichteten, sandsteinfarbenen Betonflächen des Neubaus lassen das Gebäude in der Landschaft optisch fast verschwinden. Anders ist es im Innern, wo helle Wandflächen lichte, weite Räume erzeugen und die Holzfenster die Landschaft rahmen. 

Treppenhügel

Der zwölf Meter hohe Treppenraum bildet den Endpunkt des Langhauses. Im Obergeschoss leitet der mittige Flur auf eine Galerie, von der die geschosshohen Kegeltreppen erst hinab, dann wieder hinauf zum Panoramafenster führen. Die Treppe verbindet also nicht die beiden Geschosse, sondern dient als Sitzlandschaft und Bühne, zum Beispiel für Besprechungen. Geometrisch und statisch ist die Konstruktion besonders – nicht nur, weil mit vierzig Kubikmetern verbautem Holz eine große Menge Eigengewicht entsteht, das entsprechend abgestützt werden muss. 

Es ist vor allem die Form, die die Ausführung enorm schwierig machte: Denn die beiden getreppten Holzhügel laufen ineinander und bilden an ihren Berührungspunkten komplexe, organische Geometrien, bei denen die Bauteile sehr präzise berechnet und zugeschnitten werden müssen – und auch noch funktionieren müssen, wenn das Holz sich durch das Raumklima oder durch statische Belastung und Benutzung durchbiegt, schwindet oder ausdehnt. Insofern ist nicht nur die gestalterische Idee, sondern auch die präzise Ausführung ein Kunstwerk für sich. 

Bautafel

Architektur: Jakub Janošík
Projektbeteiligte: Maxim Velčovský (Treppenhügel); Lukáš Musil (Landschaftsbilder); Dechem studio (Holt-Leuchten, Glasobjekte)
Bauherr: Janošík Okna-Dveře
Fertigstellung: 2025
Standort: Valašské Příkazy 81, 756 12 Valašské Příkazy, Tschechien
Bildnachweis: Filip Beránek, Prag

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