Serpentine Pavillon 2026

Vertane Chance von Isabel Abascal und Alessandro Arienzo

Am 6. Juni eröffnete der 25. Serpentine Pavillon in den Kensington Gardens in London. Das temporäre Sommerbauwerk wurde erstmals im Jahr 2000 von Zaha Hadid entworfen und hat sich seitdem zu einer international renommierten Auszeichnung entwickelt. Jährlich wird der Pavillon von einer Architektin oder einem Architekten gestaltet, die oder der bislang kein Gebäude in Großbritannien realisiert hat. Für den diesjährigen Pavillon, zeichnet das mexikanische Duo Isabel Abascal und Alessandro Arienzo mit ihrem Büro Lanza Atelier verantwortlich. Bis zum 25. Oktober dient das Bauwerk als Treffpunkt, Café sowie als Veranstaltungsort für Kunst-, Musik- und Architekturformate.

Ihr Entwurf ist inspiriert von der sogenannten Serpentinen- bzw. Crinkle-Crankle-Wall, einer geschwungene, sinuswellenförmige Mauer, die aus nur einer Reihe Ziegeln besteht.
Die aus dem Alten Ägypten stammende Bauweise gewinnt ihr Stabilität aus der Krümmung, weshalb für ihren Bau zwanzig bis fünfzig Prozent weniger Ziegelsteine benötigt werden als für eine gerade Mauer gleicher Länge, die zweireihig ausgebildet ist.
Doch geraden diesen Clou verspielt Lanza Atelier, indem es die Ziegel für seinen Pavillon nicht vermörtelt, sondern sie in Stapeln in Rahmen auffädelt.

Ihr Entwurf ist inspiriert von der sogenannten Serpentinen- bzw. Crinkle-Crankle-Wall, einer geschwungenen, sinuswellenförmigen Mauer, die aus nur einer Reihe Ziegeln besteht. Die aus dem Alten Ägypten stammende Bauweise erfreute sich ab dem späten 18. Jahrhundert in England großer Popularität, nicht zuletzt aufgrund der hohen Ziegelsteuer seinerzeit. Da die Mauer ihre Stabilität aus der Krümmung gewinnt, werden für ihren Bau zwanzig bis fünfzig Prozent weniger Ziegelsteine benötigt als für eine gerade Mauer gleicher Länge, die – um nicht umzufallen – mindestens aus zwei Reihen Ziegeln bestehen muss.

Vertane Chance

Doch geraden diesen Clou führt Lanza Atelier ad absurdum, indem es die Ziegel für seinen Pavillon nicht vermörtelt, sondern sie in Stapeln in Metallrahmen auffädelt, zwischen denen teilweise sogar ein Spalt besteht – groß genug, um hindurchzusehen. Das ist schade, weil es das Potenzial von Baustoff und Konstruktion vollkommen unkenntlich macht.

Die Crinkle-Crankle-Wall bildet die Nordseite des Pavillons, während eine weitere, unregelmäßig geschwungene Mauer gleicher Konstruktionsart, die Kronen der umstehenden Bäume nachzeichnet. Ein transluzentes Dach, das von schlanken Ziegelpfeilern – aus ebenfalls nur einer Schicht Ziegeln – „getragen“ wird, fasst die beiden Mauern zu einem räumlichen Gefüge zusammen. Auch bei den Pfeilern übernimmt die eigentliche Lastabtragung ein Metallgestänge im Inneren. Wenig überraschend soll die Wahl von Ziegel als Baumaterial einerseits auf die englische Gartenarchitektur, als auch auf die historische Ziegelfassade der Serpentine South Gallery Bezug nehmen.

In der Auseinandersetzung mit der historischen Serpentinenmauer bleibt der Entwurf hinter seinem Vorbild zurück. Deren konstruktive Logik wird zugunsten einer formalen Adaption aufgegeben, sodass die charakteristische Wellenform vor allem als dekoratives Motiv erscheint. Für einen Pavillon zum 25-jährigen Jubiläum wirkt diese Interpretation eines ursprünglich ebenso einfachen wie raffinierten Konstruktionsprinzips erstaunlich uninspiriert.

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