Serielle Sanierung in der Praxis

Team des ift Rosenheim besucht Münchner Baustelle

Eine Alternative zu herkömmlichen Methoden, etwa dem Anbringen eines Wärmedämmverbundsystems (WDVS), stellt die serielle Sanierung mit vorgefertigten Holzbaufassaden dar. Für diesen Weg entschied man sich bei einem mehrstöckigen Gebäude aus den 1960er Jahren in München Nord. Ende 2023 begutachteten Experten des ift Rosenheim das Projekt.

Eine durchdachte Lastabtragung ist wichtig für die serielle Sanierung. Im Münchner Fall kamen statisch dimensionierte Konsolen zum Einsatz.
Auf der Baustelle in München Nord diskutierten Bauexperten Chancen und Potenziale der seriellen Sanierung und Aufstockung mit vorgefertigten Holzfassaden.
Der Holzbauunternehmer Josef Huber erklärt anhand von Konstruktionsdetails die Lösung der Brandschutzanforderung.

Serielle Sanierung

Bei einer seriellen Sanierung kommen vorgefertigte Bauelemente zum Einsatz. Zunächst werden hierfür die Bestandsgebäude digital vermessen. Anhand dieser Daten werden dann die Fassadenelemente inklusive Fenstern und Anschlüssen vorfabriziert und zur Baustelle gebracht. Bei den Bestandsgebäuden kann es sich sowohl um Beton- als auch um Mauerwerksbauten handeln. Die Kombination der vorgefertigten Holzwandelemente mit Betontragestrukturen bietet die gleichen Möglichkeiten wie die Holz-Beton-Hybridbauweise. Für serielle Sanierungen sind Fördergelder durch Bonuszahlungen der KfW erhältlich. Die so sanierten Gebäude können im Effizienzhaus-Standard auch mit Nachhaltigkeitszertifizierung (NH) ausgeführt werden. Dies gilt außerdem für die serielle Sanierung von Mauerwerksbauten.

Im Fokus: Beispiel München Nord

Bei dem Projekt in München Nord war tatsächlich bereits ein WDVS mit Styrodur-Dämmung vorhanden. Erstellt wurden die beiden fünfstöckigen Wohnhäuser in den 1960er-Jahren in Massivbauweise. Ihre Haustechnik war nicht mehr zeitgemäß und auch die bei einer vorherigen wärmetechnischen Sanierung angebrachte Dämmung war technisch und optisch in die Jahre gekommen. Schließlich beschloss die Bauherrin, Baugenossenschaft Hartmannshofen, eine Generalsanierung und verband dieser mit einer Aufstockung in Holzbauweise.

Als Generalunternehmer wurde B & O beauftragt, die bereits in einer sehr frühen Phase Architekt*innen, Bauherrschaft und ausführende Unternehmen einbezogen. Zunächst war ein neues WDVS geplant. Doch dann überzeugte die serielle Sanierung mit Holzfassaden die Bauherrschaft durch eine höhere Qualität, umweltverträglichere Materialien und eine kürzere Bauzeit mit geringerer Störung der Mieter*innen. Als weiteres Plus kam der Wohnraumgewinn durch drei zusätzliche Geschosse in Holzbauweise hinzu. Die Mehrkosten gegenüber einem herkömmlichen WDVS konnten dank Fördergelder für serielle Sanierungen gering gehalten werden.

Besonders herausfordernd waren neben dem engen Zeitfenster auch die erhöhten Brandschutzanforderungen: Das Gebäude war durch die Aufstockung in die höhere Gebäudeklasse 5 aufgestiegen. So erforderte insbesondere die Bewertung der Fuge zwischen der neuen Fassade und dem Bestandsbau sowie die Erbringung der Verwendbarkeitsnachweise Erfahrung und Know-How. 

Die vorgehängten Holzbauwände fertigten Huber & Sohn aus Bachmehring. Auf Anregung von Josef Huber, der Geschäftsführers von Huber & Sohn und Mitglied im ift-Vorstand ist, wurden Experten des Rosenheimer Instituts aus den Bereichen Schall- und Brandschutz, Montage, Konstruktion und Fassadenprüfung zu einem Baustellenbesuch eingeladen. Bei ihrem Besuch im November 2023 zeigte sich deutlich, dass Standardelemente für serielles Sanieren nicht einfach vor eine Hauswand gestellt werden können. Auch in diesem Fall muss die Fassade individuell und präzise geplant werden. Dies gilt vor allem für die Ebenheits-Toleranzen, welche in der Praxis oft 50 Millimeter und mehr betragen. Sie müssen ermittelt und konstruktiv berücksichtigt werden.

In der Folge konnten bei dem Gebäude in München die Fassadenelemente nicht vorab im Werk gedämmt werden, sondern mussten vor Ort mit Mineralfasern ausgeblasen werden, um einen bauphysikalisch und brandschutztechnisch problematischen Hohlraum zu vermeiden. Zusätzliche anspruchsvolle Montagedetails ergaben sich durch die statische Lastabtragung der neuen Holzfassaden und der Außenwände der Aufstockung sowie durch die Einbindung der Stahlkonstruktion für die geplanten Vorsatzbalkone.

Bereits auf der Baustelle diskutierten die Fachleute von B & O, Huber & Sohn und dem ift Rosenheim konstruktive Verbesserungen sowie eine einfachere Genehmigung durch geeignete Prüfnachweise. Geplant ist, nach Abschluss des Bauvorhabens weiter zusammenzuarbeiten.

Fachwissen zum Thema

Bei einer Sanierung mit WDVS erhöht sich der U-Wert einer monolithischen Außenwand von ca. 1,3 W/(m²K) auf ca. 0,31 - 0,21 W/(m²K).

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Außenwände nachträglich dämmen

Anforderungen an den Wärmeschutz sind in der DIN 4108 Wärmeschutz und im Gebäudeenergiegesetz (GEG) formuliert.

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