Serielle Sanierung der Feuerwache Berlin-Wannsee
Neue Gebäudehülle aus Holztafelelementen
Der langgestreckte, abgestufte Baukörper mit bandartigen Fassaden in zwei Farben ist typisch für seine Zeit, die 1970er-Jahre. Die Feuerwache in Berlin-Wannsee wurde 1975 nach Plänen von Rainer G. Rümmler errichtet – rund fünzig Jahre später ist der Sanierungsbedarf hoch und eine Ertüchtigung der Fassade dringend notwendig. Denn neben energetischen Mängeln funktionierten die Schiebetore für die Rettungsfahrzeuge nicht mehr zuverlässig. So erfolgt im ersten Quartal 2026 eine Serielle Sanierung.
Informationsveranstaltung mit Baustellenbesuch
Unter dem Titel Energiesprong on tour #Berlin-Wannsee lud das dena-Kompetenzzentrum Serielles Sanieren zu einer Informationsveranstaltung mit Baustellenbesichtigung am 27. Januar 2026. Über das Projekt und die Hintergründe informierten Martina Heldmann (Berliner Immobilienmanagement BIM) als Verantwortliche im Baumanagement sowie Niklas Heinen von ZRS Architekten als verantwortlicher Planer.
Aufmaß für ein digitales Bestandsmodell
Das charakteristische Erscheinungsbild der zwei- bis dreigeschossigen Feuerwache mit Flachdach bleibt nach der Seriellen Sanierung gewahrt. Voraussetzung für diese ist ein genaues Aufmaß des Bestands mittels 3D-Scan: Dieser erfasst Punktwolken, um ein digitales Bestandsmodell zu generieren. Die gewonnenen Daten dienen der exakten Planung und Vorfertigung ganzer Fassadenelemente einschließlich der Fenster. Bei der Montage an der Bestandswand ist die Fehlertoleranz mit ein bis maximal zwei Zentimetern im Bereich von Fenstern äußerst gering.
Ein großer Vorteil der Seriellen Sanierung ist, dass sie im laufenden Betrieb erfolgen kann. In diesem Fall war ein Teilauszug der Feuerwehrleute nötig, was durch eine Aufteilung in zwei Bauabschnitte und einen Seitenwechsel innerhalb des Gebäudes gelang – in enger Absprache mit dem Baubeauftragten der Feuerwehr.
Demontierbare Holztafelelemente
Das Planungsteam lege großen Wert auf ökologische Baumaterialien, erläuterte Niklas Heinen von ZRS Architekten. Die neue Fassade bilden Holztafelelemente mit Holzfaserdämmung, die außenseitig durch eine schwarze Polyesterbahn abgedichtet und vollständig demontierbar sind. Nur die Folie ist verklammert, alle übrigen Bauteile sind verschraubt. Das Gebäude ist hinsichtlich des Brandschutzes in die Gebäudeklasse (GK) 4 eingeordnet. Die Außenwände sind als F30 klassifiziert, maßgeblich ist die Musterholzbaurichtlinie.
Zunächst wurde die asbesthaltige Altfassade um zehn Zentimeter zurückgebaut. Anders als in der Seriellen Sanierung üblich mussten die Fenster ausgebaut werden, bevor sich die neuen Fassadenelemente über Winkel montieren ließen. Unregelmäßigkeiten gleicht die Holzfaserdämmung aus. An einigen Stellen erhielt die Bestandsfassade eine Einblasdämmung aus Zellulose. Insgesamt werden hundert neue Fassadenelemente verbaut. Eine nachträglich angebrachte horizontale dunkle Holzschalung sorgt für ein Erscheinungsbild, das der ursprünglichen Fassade ähnelt.
Energiebedarf gesenkt, solare Gewinne erhöht
Auch Teile der Betonkonstruktion im Sockelbereich mussten instandgesetzt werden. Aufwendig war die Abtragung des alten Betondachs, um ein Retentionsdach mit Begrünung zur Rückhaltung von Regenwasser zu schaffen. Dank der Maßnahmen sinkt der Nutzenergiebedarf der Feuerwache um 57%. Der Ertrag der Solarenergie durch Photovoltaik auf dem Flachdach ließ sich von 70 auf 115 kWpeak steigern. Nach Abschluss der Seriellen Sanierung im Frühjahr 2026 erfolgen ab 2032 weitere Maßnahmen an der Feuerwache, die unter anderem die Gebäudetechnik betreffen. -us
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