Schulhaus Hohfurri in Winterthur
Faserzementschindeln in gedecktem Blau und Grün
Hohfurri, was „hohe Furche“ bedeutet und auf ein hochgelegenes Feld hindeutet, ist der Name eines gewachsenen Oberstufen-Schulcampus im Dorfkern von Wülflingen, einem 1922 eingemeindeten Vorort von Winterthur. Die Architekt*innen von RWPA haben die Klassentrakte A, B und D saniert und an aktuelle Bedürfnisse und Vorgaben angepasst.
Im Zuge des Wirtschaftsaufschwungs und der Suburbanisierung der Nachkriegszeit war die Schulanlage um 1955 entstanden. Sie bestand zunächst aus einem langen Klassentrakt, dem heutigen Trakt D, sowie einer Turnhalle, einem sechseckigen Singsaal und einem Gebäude für die Lehrkräfte. 1967 kamen zwei Klassentrakte hinzu, die nun A und B heißen. Kurz nach der Jahrtausendwende folgte noch ein dem Trakt D zugeordneter Erweiterungsbau. Zeitgleich begannen erste Sanierungen, in die aber die Unterrichtsgebäude noch nicht einbezogen waren.
Die drei- bis viergeschossigen, separaten Häuser sind teils parallel, teils angewinkelt zueinander platziert. Dazwischen befinden sich gepflasterte, teils terrassierte Pausenhöfe mit vereinzelten Bäumen und überdachten Wegen. An den Rändern ist die Anlage parkartig gestaltet.
Mehr Platz zum Lernen
Im Trakt D waren die Klassenzimmer teilweise nur 56 Quadratmeter groß, während die kantonalen Richtlinien 72 Quadratmeter vorsehen. Daher wurden einige von ihnen aufgegeben und Trennwände verschoben und so neben größeren Unterrichts- auch kleinere Gruppenräume geschaffen. Auf den Fluren entstanden Lernlandschaften mit Sitznischen, Einbauschränken und neuen Brandschutztüren.
Auch bei den Trakten A und B waren Eingriffe in die Grundrissstruktur nötig. An den Enden der breiten Flure wurden WC-Anlagen abgebrochen, um hier Gruppenräume zu schaffen. Diese und an einigen Stellen auch die Klassenräume sind mit Glasbausteinwänden von den Fluren abgetrennt worden.
Im Zuge der Sanierung wurden ebenso die Hüllen gedämmt, schadstoffhaltige Materialien entfernt und fast alle Oberflächen im Inneren komplett erneuert. Überdies erhielt die Schule neue haustechnische Anlagen und einen Anschluss an die neu geschaffene Quartierheizzentrale.
Fassade: Betonraster nachgebildet
Die Bauphasen der Anlage sind an den unterschiedlich gestalteten Fassaden erkennbar. Ihrem individuellen Charakter wurde etwa bei der Dämmung der Hüllen Rechnung getragen, andererseits erfolgten durchaus freie Interpretationen der zeittypischen Erscheinungsbilder.
Die zum Schulhof gelegene Südostfassade von Trakt D besaß ein außenliegendes Betonraster, ausgefacht mit flachen, verputzten Brüstungen und großen, elementbreiten Fenstern mit außenliegenden Metalljalousien. Bei der Sanierung bildete man das Betonraster vor der Dämmschicht in Leichtbauweise nach. Dazwischen wurden Brüstungsverkleidungen aus golden eloxiertem Aluminiumblech montiert und Ausstellmarkisen in Altviolett als außenliegender Sonnenschutz angebracht. An den Stirnseiten und an der Nordwestfassade blieb es hier, wie schon bauzeitlich, bei Lochfenstern und Verputz.
Angleichung der Hoffassaden
Die Hoffassaden der im Winkel zueinander stehenden Trakte A und B haben die Architekt*innen als Komposition sich kreuzender Bänder interpretiert, mit weiß hervortretenden Rahmungen. Die Gliederung lässt erkennen, dass sich auf dieser Seite die Flure der beiden einbündig erschlossenen Bauten befinden: Bodentief verglaste Bereiche, die sich über die Geschosse hinweg zu vertikalen Bändern verbinden, wechseln sich mit länglichen, deckennahen Fenster ab, welche die Horizontale betonen.
Der dreigeschossige Trakt A wies bereits vor der Sanierung diese Gliederung auf. Hingegen war der zweigeschossige Trakt B zunächst über durchlaufende Fensterbänder klar horizontal gegliedert, abgesehen vom linksseitigen Eingang und einem rechtsseitigen Wandfeld mit Uhr. Die Architekt*innen ließen drei bodentiefe Öffnungen einbrechen, um eine Fassade zu schaffen, die das Wechselspiel horizontaler und vertikaler Gliederungselementen von Trakt A aufgreift.
Die Brüstungsfelder der vormals verputzten Bauten wurden mit Glaswolle gedämmt und mit Faserzementschindeln im Rautenmuster verkleidet. Dabei wechseln sich zwei gedeckte Grüntöne ab und unterstreichen so die schuppige Struktur. Taubenblaue Blindpaneele verdecken Wandanschlüsse und Deckenplatten.
Horizontale Gliederung nach außen
Die vom Schulhof weg orientieren Fassaden, hinter denen die Klassenzimmer liegen, sind bei beiden Trakten horizontal über Fensterbänder gegliedert. Auch hier sind die Brüstungsbereiche mit Glaswolle gedämmt und – in leichter Abwandlung zu den Hofseiten – abwechselnd mit blauen und grünen Faserzementschindeln verkleidet. In die Brüstungsfelder sind graue Ausstellmarkisen integriert. Zusammen mit den pixelartig geschuppten Schindeln verleihen die geschlossenen Markisen den Fassaden eine stark grafische Anmutung. Filigrane, hellgold eloxierte Aluminiumzierblenden akzentuieren sowohl die Brüstungsfelder der Klassenzimmerfassaden als auch die rhythmisierten Hofseiten.
Bei den Parkfassaden nimmt die Dämmstärke der Brüstungsfelder von Geschoss zu Geschoss um zehn Zentimeter zu, sodass dezente Vorkragungen entstehen. Sie brechen aus der Nähe betrachtet das flächig-grafische Gesamtbild etwas auf und sind auch an den Giebelseiten ablesbar. Auch diese sind mit Glaswolle gedämmt und mit Faserzementschindeln verkleidet, hier allerdings einheitlich flächig in Grau und mit einer einheitlichen Dämmstärke von 24 Zentimetern.
Bautafel
Architektur: RWPA, Winterthur (sanierung 2020)
Projektbeteiligte: Stadt Winterthur, Departement Bau, Amt für Städtebau, Hochbau (Projektleitung); ROBAUEN, Winterthur (Bauleitung); Oberli Ingenieurbüro, Winterthur (Bauingenieur); 3-Plan Haustechnik, Winterthur (HLSE-Ingenieur und Bauphysik); Wechselraum, Winterthur (Fachbauleitung HLS)
Bauherr*in: Stadt Winterthur, Departement Schule und Sport, Abteilung Schulbauten
Fertigstellung: 2020
Standort: Eckwiesenstrasse 2, 8408 Winterthur, Schweiz
Bildnachweis: Lucas Peters, Zürich (Fotos); RWPA, Winterthur (Pläne)
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