Schlitze, Aussparungen und Durchführungen für elektrische Leitungen
Wandquerschnitte und Funktionen beachten
Elektrische Leitungen werden in Gebäuden häufig verdeckt geführt – etwa unter Putz, in Installationsebenen, Hohlräumen oder Installationsrohren. Hinzu kommen Öffnungen für Leitungsbündel, Installationsrohre, Kabeltrassen oder Einbaudosen. Entsprechend sind Schlitze, Durchbrüche oder Aussparungen in Wänden und anderen Bauteilen erforderlich. Während Schlitze oberflächennah in einer Wand liegen, durchdringen Aussparungen und Durchbrüche das Bauteil teilweise oder vollständig. Je nach Größe und Anzahl können sie den wirksamen Wandquerschnitt und damit die Tragfähigkeit, den Schall- und Wärmeschutz sowie – bei entsprechend klassifizierten Bauteilen – den Feuerwiderstand beeinflussen.
Schlitze in Mauerwerkswänden
Für Schlitze und Aussparungen in Mauerwerk gelten die Vorgaben DIN EN 1996: Eurocode 6: Bemessung und Konstruktion von Mauerwerksbauten. Die dort enthaltenen Tabellen NA.19 und NA.20 definieren Grenzmaße. Werden diese eingehalten, ist für tragende Mauerwerkswände in der Regel kein gesonderter statischer Nachweis erforderlich. Handelt es sich um nichttragende Innenwände oder um Bauteile, die in Beton, Stahlbeton, Holz oder Trockenbau erstellt wurden, so gelten andere Regelwerke und Anforderungen.
Schlitze sind auf das notwendige Maß zu beschränken und frühzeitig mit Tragwerksplanung und Elektroplanung abzustimmen. Die zulässige Breite und Tiefe von Schlitzen hängt unter anderem von der Wanddicke, Mauerwerksart, Schlitzrichtung, Schlitzlänge und Herstellungsweise ab. Horizontale und schräge Schlitze schwächen eine Wand in der Regel stärker als vertikale Schlitze. Ihre Lage, Länge und Tiefe sind deshalb besonders begrenzt. Auch ein gegenüberliegendes Anordnen von Schlitzen auf beiden Wandseiten kann den verbleibenden Wandquerschnitt unzulässig vermindern.
Vertikale Schlitze können nachträglich gefräst oder bereits beim Mauern vorgesehen werden. Sollen mehrere vertikale Schlitze nebeneinander liegen, ist nicht nur die Breite des einzelnen Schlitzes maßgebend, sondern auch die Summe der Schlitzbreiten innerhalb eines Wandabschnitts. Werden die in den Tabellen genannten Grenzwerte überschritten oder sind Schlitze in statisch besonders beanspruchten Bereichen vorgesehen, ist ein rechnerischer Nachweis durch die Tragwerksplanenden erforderlich. Bei der Ausführung sollten möglichst geeignete Schlitzfräsen zum Einsatz kommen. Hingegen können schlagende oder stemmende Verfahren das Mauerwerk über die erforderliche Schlitzgeometrie hinaus schädigen.
Durchbrüche
Durchbrüche durch tragende, aussteifende oder brandschutztechnisch relevante Bauteile sind vor der Ausführung planerisch festzulegen. Lage, Größe und erforderliche Verstärkungs- oder Abschottungsmaßnahmen richten sich nach der Konstruktion, dem Brandschutzkonzept und den jeweiligen bauordnungsrechtlichen Anforderungen.
Gemäß Muster-Leitungsanlagen-Richtlinie (MLAR) dürfen Leitungsanlagen in tragende, aussteifende oder raumabschließende Bauteile nur eingreifen, wenn deren erforderliche Feuerwiderstandsfähigkeit erhalten bleibt. Abhängig von Bauteil, Leitungsart, Leitungsanzahl und Nutzungseinheit sind geprüfte Kabel-, Rohr- oder Kombiabschottungen erforderlich. Sie begrenzen die Übertragung von Feuer, Rauch und Wärme in angrenzende Brandabschnitte. Wo Leitungen die luftdichte Ebene der Gebäudehülle durchdringen, sind die Anschlüsse dauerhaft luftdicht auszuführen. Bei Außenbauteilen sind zudem Wärmebrücken und gegebenenfalls Anforderungen an Feuchte- und Schallschutz zu berücksichtigen.
Aussparungen
Unterputzdosen, Gerätedosen und Verbindungsdosen beanspruchen ebenfalls den Wandquerschnitt. Vor allem bei gegenüberliegenden oder dicht nebeneinander angeordneten Dosen und bei dünnen Wänden können der Schall-, Brand- und Schallschutz sowie die Statik einer Wand beeinträchtigt sein. Die Anordnungen, Abmessungen und Befestigungsabstände sind den Herstellerangaben und der Wandkonstruktion entsprechend zu planen. Zusätzliche Verbindungsdosen lassen sich mitunter vermeiden, wenn stattdessen geeignete Gerätedosen und eine fachgerechte Verdrahtung vorgesehen sind. Bei mehreren Schaltern, Steckdosen oder Datendosen können Mehrfachkombinationen die Montage vereinfachen.
Planung und Dokumentation
Im Vorfeld der Ausführung ist ein Elektroinstallationsplan auf Grundlage des vorhandenen Grundrisses zu erstellen. Dieser muss die Lage aller Anschlussstellen und Schaltstellen mit den normüblichen grafischen Symbolen enthalten. Zugleich dient er dazu, die Stückliste der zu beschaffenden Betriebsmittel zu erstellen. So lassen sich die elektrotechnischen Installationen bei der Tragwerks-, Brand-, Schall- und Ausbauplanung berücksichtigen und spätere Eingriffe in bereits fertiggestellte Bauteile reduzieren.
Für Wohnungen beschreibt DIN 18015-2: Elektrische Anlagen in Wohngebäuden – Teil 2: Art und Umfang der Mindestausstattung Art und Umfang einer empfohlenen Mindestausstattung elektrischer Anlagen. Neben dem Installationsplan sind Stromlaufpläne und Bestandsunterlagen für Verteilungen, Stromkreise und Schutzmaßnahmen erforderlich. Sie erleichtern Wartung, Erweiterungen und spätere Umbauten der elektrischen Anlage.
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