Schalenhaus Balz saniert
Neue Abdichtung für frei geformte Betonschalen der späten 1970er-Jahre
Das Schalenhaus Balz in Leinfelden-Echterdingen gilt als seltenes Beispiel experimenteller Wohnarchitektur aus den späten 1970er-Jahren. Im Oktober 2025 begann die Sanierung eines ersten Abschnitts des denkmalgeschützten Betonbaus. Betroffen waren rund 160 Quadratmeter frei geformte Dach- und Brüstungsflächen. Risse im Beton, gealterte Abdichtungen und undichte Anschlüsse hatten dort über Jahre Feuchtigkeit eindringen lassen.
Wohnen unter der Betonschale
Das 1980 fertiggestellte Wohnhaus geht auf den Architekten Michael Balz und seine Frau Eva zurück. Bei der statisch-konstruktiven Entwicklung arbeitete Balz mit dem Schweizer Bauingenieur Heinz Isler zusammen, der für seine dünnwandigen Betonschalen bekannt ist. Seit 2017 steht das Haus als Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung im Denkmalbuch Baden-Württembergs. Drei Jahre später erhielt die Erbengemeinschaft Balz für seinen Erhalt den Denkmalschutzpreis Baden-Württemberg.
Konstruktiv treffen zwei unterschiedliche Raumwelten aufeinander. Im teilweise in den Hang geschobenen Erdgeschoss liegen rechtwinklig organisierte Nebenräume. Darüber befindet sich auf einem kreisförmigen Betonplateau, dem sogenannten Terrassenteller, das eigentliche Wohngeschoss, überspannt von einer frei geformten, kleeblattartigen Stahlbetonschale.
Formfindung mit dem Hängemodell
Für die Geometrie arbeitete Isler mit physikalischen Analogiemodellen. Hängt man ein elastisches Tuch unter seinem Eigengewicht auf, bildet sich eine zugbeanspruchte Form. Dreht man diese Geometrie um, entsteht eine Schale, die unter Eigengewicht hauptsächlich Druckkräfte aufnimmt. Damit nutzt die Konstruktion eine wesentliche Materialeigenschaft des Betons und ermöglicht schlanke Querschnitte.
Beim Wohnhaus Balz wurde diese Form im Spritzbeton-Rabitz-Verfahren umgesetzt: Dazu errichteten die Ausführenden einen Korb aus Baustahleinzeleisen, den sie mit Rabitzgewebe unterspannten. Darauf bauten sie schrittweise den Spritzbeton und verdichteten ihn, sodass sich die frei gekrümmten Flächen ohne aufwendige zweiseitige Schalung herstellen ließen.
Freie Form wird zur Sanierungsaufgabe
Nach mehr als vier Jahrzehnten hatte die Bewitterung deutliche Spuren hinterlassen. Thermische Belastungen und Frost-Tau-Wechsel führten zu feinen Rissen im Beton, während ältere Abdichtungen sowie Fugen an Brüstungen und Rundfenstern porös wurden. Durch diese Schwachstellen gelangte Wasser bis in tiefer liegende Gebäudebereiche. In den Wohnräumen des Erdgeschosses wurden eingezogene Deckenkonstruktionen infolge der Feuchteschäden teilweise instabil.
Vor allem die Geometrie, die dem Haus seinen skulpturalen Charakter gibt, machte die Instandsetzung schwierig. Bitumen- oder Kunststoffbahnen hätten sich auf den sphärisch gekrümmten Dachflächen, den runden Brüstungen und den Anschlüssen der Bullaugen nur mit zahlreichen Einschnitten und Nähten verlegen lassen. Mehrere Fachfirmen lehnten den komplexen Auftrag ab. Schließlich erarbeitete ein Dachdeckerunternehmen mit technischer Begleitung durch den Hersteller Triflex eine Lösung auf Basis eines vliesarmierten Flüssigkunststoffsystems aus Polymethylmethacrylat (PMMA). Da sich das Material flüssig verarbeiten lässt, kann es Rundungen, Vertiefungen und wechselnden Krümmungen unmittelbar folgen und nach dem Aushärten eine vollflächig haftende Abdichtungsebene bilden.
Schicht für Schicht
Bevor die Ausführenden die neue Abdichtung aufbrachten, prüften sie mit Haftzugtests, ob der gealterte Beton genügend Tragfähigkeit für den neuen Aufbau mitbrachte. Danach entfernten sie lose Bestandteile und alte Beschichtungen, reinigten und schliffen die Flächen und schufen so einen gleichmäßigen, tragfähigen Untergrund. Eine Grundierung reduzierte anschließend die Saugfähigkeit des Betons und stellte die Haftbrücke für die Abdichtung her.
Anspruchsvoll waren die Fensteranschlüsse, Sockelzonen, Bullaugen und übrigen Übergänge, weil hier unterschiedliche Krümmungen und Bauteile aufeinandertreffen. Für diese Details kam Triflex ProDetail zum Einsatz. Dabei betten die Verarbeiter ein Spezialvlies zwischen zwei Lagen des flüssigen PMMA-Harzes ein, sodass sich die Abdichtung eng an die jeweilige Geometrie anlegt. Erst danach erhielten die größeren Dach- und Brüstungsflächen mit Triflex ProTect einen ebenfalls vliesarmierten, vollflächigen Aufbau. Auf diese Weise ließ sich die vorhandene Geometrie abdichten, ohne die charakteristische Kontur der Betonschalen durch zusätzliche Aufbauten oder zahlreiche Nähte zu verändern. In einem weiteren Sanierungsschritt sollen die Betonkuppeln einen auf die Abdichtung abgestimmten Schutzanstrich erhalten.
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