SAP-Zentrale in Berlin

Profilzylinder mit mehrreihigen Stiftzuhaltungen

Wie sieht der Klang eines Fingerschnippens aus? Und welche Form hat Vogelzwitschern? Die neue Geschäftsstelle des Softwarekonzerns SAP in Berlin-Mitte präsentiert sich nicht nur als moderner Glasbau, sie ist auch mit einer interaktiven Medienfassade ausgestattet, die Geräusche dreidimensional sichtbar macht.

Tagsüber funktional: der Eingangsbereich von SAP
Am Abend: Geräusche und Stimmen erzeugen eine virtuelle Welt.

Architekt Mark Braun hatte sich als Projektleiter beim Umbau des Reichstages in Berlin für Norman Foster (London) einen Namen gemacht, die SAP-Zentrale spricht mit ihrer geschwungenen Fassade eine High-Tech-Sprache, die diese Schule erkennen lässt. Die Corporate Identity der Softwarefirma wird durch Architektur und Videoinstallation unterstützt, der historischen Umgebung des Hackeschen Marktes - dem Scheunenviertel mit barocken und Gründerzeitgebäuden - wird mit dem Neubau ein weiterer moderner Baustein hinzugefügt.

Die Medienkunst-Installation stammt von den New Yorker Künstlern Golan Levin und Zachary Lieberman: Rund um das Gebäude sind Mikrofone in die Fassade eingelassen. Mit Hilfe einer eigens entwickelten Software werden in dem Kunstwerk mit dem Titel "The hidden world of noise and voice" Geräusche in dreidimensionale Formen umgesetzt, die auf kleinen Bildschirmen an der Fassade sowie bei Einbruch der Dunkelheit auch als großformatige Projektionen abgebildet werden. Die Form der Objekte entspricht dabei dem Klang - ein kurzes Schnippen wird beispielsweise als kleine Explosion dargestellt, ein langgezogener, dumpfer Laut als eine Art dicker Wurm. Die Architektur des Foyers und die Plafonds der einzelnen Stockwerke werden durch die Projektionen visuell aufgelöst, wodurch sich der Blick durch die Außenhülle der "Hidden World" eröffnet. So wird es möglich den Weg der generierten Objekte durch das Haus, von ihrer Entstehung bis zu ihrem Verschwinden im Himmel über Berlin zu verfolgen.

Nun sieht man Abend für Abend Menschen vor dem SAP Gebäude stehen , die mit den Fingern schnipsen, schmatzende Geräusche von sich geben oder einfach in die Mikrofone schreien.

Sicherheitstechnik
Immerhin 500 Türen gibt es in diesem Gebäude, und jede hat eine besondere Funktion - eine besondere Herausforderung an den Schließplan.
Wer schon einmal von Hand umfangreiche Schließpläne erstellt hat, wird dankbar auf die Planungsgssoftware der Hersteller zurückgreifen. Mit ihr wird die Erstellung von Schließplänen ungemein erleichtert und eine online Auftragsabwicklung ermöglicht. So setzte man bei SAP den so genannten "BKS-Planer" der gleichnamigen Firma ein, um das verwendete System "Janus" in eine übergeordnete Schließ-Struktur einzubinden.

"Janus" ist laut Aussage des Herstellers ein Profilzylinder für höchste Sicherheitsansprüche. Dafür sorgt die neuartige Kombination eines Profilsystems mit einer Vielzahl an Stiftzuhaltungen, die radial angeordnet über den Zylinderquerschnitt verteilt sind. Die Stiftzuhaltungen sind in mehreren Reihen aufgebaut, so dass insbesondere bei Schließanlagen ein erheblicher Sicherheitsgewinn erzielt wird. Auch der Bedienungskomfort wird berücksichtigt: Der "Janus"-Schlüssel hat eine abgerundete Spitze und einen besonders glatten, abgerundeten Schlüsselschaft. Auch handelt es sich hier um ein Wendeschlüsselsystem. Dabei sind beide Seiten spiegelsymmetrisch, so dass der Schlüssel in zwei Stellungen – um 180 Grad gedreht – eingesteckt werden kann.

Bautafel

Architekten: Mark Braun Architekten, Berlin
Projektbeteiligte: BKS, Velbert (Schließtechnik); Ars Electronica, Linz (Medienkunst);
Bauherr: Rosenthaler Höfe Projektentwicklungsges. mbH Hamburg
Fertigstellung: 2003
Standort: Rosenthaler Straße, Berlin-Mitte
Bildnachweis: Werner Harke / SAP