Sanierung und Neubau der Schule in Hittisau

Zwei Holzbauten ergänzen den sanierten Bestand

Rund 30 Kilometer östlich von Bregenz liegt die Gemeinde Hittisau im österreichischen Bundesland Vorarlberg. Der Bildungscampus Hittisau mit Volksschule, Mittelschule und Polytechnischer Schule befindet sich im Ortszentrum. Architekt Matthias Bär aus Dornbirn gelang es, den zuvor großmaßstäblichen Schulkomplex in eine übersichtliche, ortsverträgliche Struktur aus mehreren kleineren Gebäuden umzugestalten.

Im Hintergrund ist das sanierte Bestandsgebäude zu sehen, 1991 nach Plänen des Architekten Rudolf Hartl erbaut.
Aula im Gemeinschaftshaus: Große Fensterflächen schaffen eine lichtdurchflutete Atmosphäre.
Auch in den Sporthallen sorgen große Fenster für schöne Ausblicke und viel Tageslicht.

Einmal alt, zweimal neu

Dafür wurde der Bestand weitgehend zurückgebaut. Erhalten und saniert wurde lediglich ein von Rudolf Hartl geplantes, 1991 errichtetes Gebäude. Die übrigen, deutlich älteren Häuser entsprachen weder pädagogischen noch räumlichen, technischen oder wirtschaftlichen Anforderungen und wurden daher vollständig abgebrochen. Den freigestellten Bestand ergänzen zwei maßstäbliche Neubauten in Holzbauweise – gemeinsam bilden sie eine neue, kleinteilige Campusstruktur.

Ein Campus für Drei

Der Campus folgt einer klaren Struktur: Jede Schule erhält eine eigene Identität und funktionale Einheit, während zentrale Bereiche gemeinsam genutzt werden. Alle drei Schulen verfügen über eigene Zugänge, die sich an unterschiedlichen Seiten des Gebäudeensembles befinden.

Die Volksschule (Primarstufe) ist im sanierten Bestandsgebäude im Süden der Anlage untergebracht. Der Haupteingang liegt nördlich am Schulhof. Auf zwei Etagen verteilen sich die Klassen-, Gruppen- und Förderräume, Lehrerzimmer, Verwaltungsbereiche sowie kindgerechte Außenflächen. Der Grundriss ist übersichtlich, gekennzeichnet durch kurze Wege und eine direkte Verbindung zum Pausenhof und Spielbereichen. 

Ein Haus für Zwei

Ein neuer viergeschossiger Schulbau im Westen beherbergt sowohl die Mittelschule als auch die Polytechnische Schule. Diese arbeiten inhaltlich eng zusammen, haben gleiche Lehrer, eine gemeinsame Verwaltung, vergleichbare Raumgrößen und Schüler im gleichen Altersbereich. Daher lassen sich die Räume gemeinsam nutzen und eine flexible, schulübergreifende Belegung von Klassen ist möglich.

Der Eingang der Mittelschule orientiert sich zum zentralen Platz. Im Erdgeschoss sind die Garderoben, Lehrerbereiche, die Nachmittagsbetreuung und die Bibliothek untergebracht. Letztere öffnet sich zum Campus und kann von der angrenzenden Nachmittagsbetreuung mitgenutzt werden. Die Klassenräume befinden sich in den Obergeschossen.

Die Polytechnische Schule nimmt das oberste Geschoss ein und verfügt über einen separaten Eingang mit Garderobe an der Gebäuderückseite. Das angrenzende Treppenhaus dient der Erschließung. Zudem gibt es von beiden Schulen gemeinsam genutzte Erschließungswege. 

Gemeinschafts- und Sporthaus

Ergänzt wird der Campus durch ein nördlich gelegenes Gemeinschafts- und Sporthaus mit Aula, Mehrzweckbereichen, Turnhallen und Tiefgarage. Diese Räume dienen allen Schulformen und bilden das Zentrum für größere Veranstaltungen, sportliche Aktivitäten und gemeinschaftliche Nutzung. Der Zugang orientiert sich zum inneren Platz, der Haupterschließungszone.

Zwischen den Gebäuden liegen kleine Höfe sowie begrünte Bereiche als Aufenthaltsmöglichkeiten im Freien für unterschiedliche Altersstufen. Transparente Innenräume, kurze Wege und eine gute Orientierung stehen im Mittelpunkt des pädagogischen Konzepts, das auf Eigenständigkeit der einzelnen Schulen und zugleich eine gemeinschaftliche Nutzung von Aula, Mehrzweckräumen und Außenflächen setzt. 

Holzbauten mit hohem Vorfertigungsgrad

Die beiden Neubauten sind als Holzhybridbauten mit modularer Tragstruktur konzipiert. Das Untergeschoss und die Fundamente sind aus Beton gefertigt. Das Tragwerk besteht aus Brettschichtholz (Stützen, Unterzüge, Dach- und Deckenelemente) sowie Brettsperrholzelementen (BSP) für statisch wirksame Wand- und Deckenscheiben. Die vorgefertigten, großformatigen Holzelemente übernehmen einen wesentlichen Teil der Aussteifung, während einzelne Treppenhauskerne aus massivem Beton zusätzlich Stabilität bieten.

Im Bereich des Gemeinschaftshauses mit Turnhallen und Aula wurde im Anschluss an den Stahlbetonkern eine eng gerasterte BSH-Balkendecke mit Holzunterzügen und einem Holzskeletttragwerk in der Außenwand realisiert. Die Dachkonstruktion ist ein Holztragwerk mit Pfetten und Sparren. Durch die hohe Vorfertigung der Elemente ließ sich der Bauprozess verkürzen. Die Holzfassade ist als vertikale Lattung ausgeführt. Holz-Alu-Fenster fügen sich harmonisch in die Fassadenstruktur ein und tragen zu einem ruhigen und klaren Erscheinungsbild bei. 

Freundliche Lernumgebung

Im Innenraum dominieren unbehandelte Holzoberflächen (BSP-Elemente, Brettschichtholzträger). Für tragende Unterzüge im Inneren des Tragwerks, die in den Klassenräumen und Fluren oft sichtbar belassen sind, kam Buchenfurnierschichtholz zum Einsatz. Dessen Tragfähigkeit übertrifft die von Brettschichtholzelementen aus Nadelholz deutlich. Linoleumböden in den Unterrichtsräumen unterstützen eine angenehme Akustik, sind robust und pflegeleicht. Holzwerkstoffplatten als Wand- und Deckenverkleidungen wirken schallabsorbierend. Möbel und Einbauten sind größtenteils aus Massivholz oder Schichtholz gefertigt.

Aspekte der Nachhaltigkeit

Der Neubau setzt auf einen hohen Holzanteil aus regionaler Forstwirtschaft, um kurze Transportwege und eine ressourcenschonende Bauweise zu gewährleisten. Die diffusionsoffene Konstruktion sorgt für ein ausgeglichenes Raumklima. Eine energieeffiziente Gebäudehülle und optimierte Tageslichtführung reduzieren den Energiebedarf. Die Konstruktion ist reversibel; sie basiert auf schraubbaren Verbindungen und einer klar nachvollziehbaren Tragstruktur, sodass Rückbau und Wiederverwendung der Bauteile im Sinne des zirkulären Bauens möglich sind.

Bautafel

Architektur: Architekt Matthias Bär, Dornbirn
Projektbeteiligte: merz kley partner, Dornbirn (Tragwerksplanung); i+R Holzbau, Lauterach; Zimmerer Nenning, Hittisau; Zimmerei Gerhard Bilgeri, Riefensberg (Holzbau); Heinrich Manahl, Bludenz (Fensterbau); Pollmeier Massivholz, Amt Creuzburg (Hersteller BauBuche)
Bauherr/in: Schulerhalterverband Hittisau
Fertigstellung: 2023
Standort: Platz 406, 6952 Hittisau, Vorarlberg / Österreich
Bildnachweis: Adolf Bereuter, Bregenz

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Brettschichtholz (BSH) besteht aus beliebig vielen, festigkeitssortierten Brettlamellen mit maximal 45 mm Dicke, die faserparallel zu Trägern verklebt sind.

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Brettschichtholz (BSH) besteht aus mehreren miteinander verleimten Brettern oder Brettlamellen.

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Beispiel Skelettbauweise: House of Natural Resources auf dem Campus Hönggerberg der ETH in Zürich (2015)

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Dachträger aus Brettschichtholz kommen im Hallenbau häufig zum Einsatz.

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Der sanierte Altbau mit Haupteingang und vorgelagertem Pausenhof (Ansicht Südost)

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