Sanierung und Erweiterung der Volksschule Bruckmühl
Transformation im Rückwärtsgang
Ein hoher zentraler Raum, um den sich die Klassenzimmer gruppieren – das Prinzip der Hallenschule ist schnell erklärt. Im Oberösterreich der 1960er- und 70er-Jahre hatte Karl Odorizzi die Typologie mitgeprägt. Einer seiner Entwürfe, die Volksschule Bruckmühl, wurde 2021 nach Plänen von Tp3 Architekten saniert. Nun kommt die Halle mit den Sichtbetonbrüstungen wieder zur Geltung.
Ein Schulhaus aus vielen Häusern
Bruckmühl liegt etwas abseits, ungefähr auf halber Strecke zwischen Salzburg und Linz. Unweit der Hauptstraße, umgeben von Gärten und freistehenden Einfamilienhäusern, steht die Schulanlage. Über einem terrassierten Vorplatz mit Betonstufen und Rasenflächen erstreckt sich die Ansicht mit dem verglasten Flachbau und drei verspringenden Kuben links daneben.
Mitte der 1960er-Jahre modellierte Karl Odorizzi einen gestuften, an die Hanglage angepassten Baukörper, bei dem die Funktionsbereiche – Klassenzimmer, Werk- und Turnräume und Garderobe – äußerlich gut ablesbar sind. Flure und Foyer münden in eine zentrale Halle, in der zwei breite Treppen die Split-Level verbinden.
Überformung in den Achtzigerjahren
Ein kleiner Schock: Wer die Archivaufnahme mit dem Zustand vor Sanierungsbeginn vergleicht, kann vermutlich kaum glauben, dass es sich um ein und dasselbe Gebäude handelt. Ursprünglich verfügten die schneeweißen Kuben über Sichtbetonbänder an der Attika. Ebenso waren der Flachbau und die Fronten der Terrassen in Sichtbeton ausgeführt, der mit seiner groben Bretterschalung nahezu brutalistisch anmutete. Im Kontrast zur Massivität standen die schlanken Profile der mehrfach unterteilten Fensterflächen.
In den 1980er-Jahren hatte man den Kuben mit schwarzen Asbestzementplatten gedeckte Satteldächer aufgesetzt. Die Fenster wurden um Aufbau-Raffstore ergänzt, der weiße Putz verschwand hinter einem pastellgelben Anstrich. Der Eingang erhielt eine auffällige, mehrteilige Glastür mit sonnengelben Profilen und einem kleinen Vordach, das aus der schwarz gedeckten Attika des Flachbaus hervortrat.
Transformation im Rückwärtsgang
Im Zuge der Sanierung wurde das Gebäude buchstäblich geschält. Die Satteldächer wurden abgetragen und über den Klassentrakten die Flachdächer wiederhergestellt. Das Werkstattgebäude hingegen erhielt ein flacheres Satteldach, ebenso wie die neue, rückwärtig angebaute Turnhalle. Weitere Veränderungen gab es vor allem im Innenraum: Rechts des Eingangs durchlaufen die Schulkinder zunächst die Garderobe. Von dort gelangen sie in die zentrale Halle, die durch Freilegen der Oberlichtbänder wieder zum lichtdurchfluteten Interaktionsraum wurde, den sich Karl Odorizzi vorgestellt hatte. In Flachdach und Geschossdecke eingeschnittene, kreisrunde Öffnungen bringen zusätzliches Tageslicht in die Flurzonen.
Die neue Turnhalle ist niveaugleich mit dem hinteren Teil des Bestands, beide liegen um ein halbes Geschoss höher als der Klassentrakt. Über einen fugenähnlichen Korridor ist der Erweiterungsbau vom höher liegenden Teil abgerückt. Dieser lässt sich als Fluchtweg und externe Erschließung der Turnhalle nutzen. Im früheren Sportraum kommen nun die Nebenräume der jetzigen Turnhalle unter, zudem wurde hier ein Multifunktionsraum abgeteilt, in dem unter anderem Konferenzen der Lehrkräfte oder Gruppenarbeiten der Schüler*innen stattfinden können. Ein neuer Aufzug in der Erschließungsachse erleichtert zukünftig das Bewegen von Rollstühlen und Möbeln zwischen den Split-Leveln.
Beton: freilegelegt und neu überdämmt
Besondere Aufmerksamkeit erhielt die Instandsetzung des Sichtbetons an Brüstungen und Decken. Bereits während der Bestandsanalyse zeigte sich die bemerkenswerte Ausführungsqualität der brettergeschalten Oberflächen, die sich trotz Anstrichen und anderer Eingriffe über Jahrzehnte bewahrt hatten. Sandgestrahlt und gereinigt kommt die feine Textur mit Maserungen und Astlöchern wieder zur Geltung. Zugleich, so schreiben die Architekten, zeigten die Oberflächen die „Spuren der Zeit“ und trügen damit zur historischen Lesbarkeit des Bauwerks bei.
Nicht freilegen konnte man die Attikabänder der Klassentrakte und die Sichtbetonfassaden des Flachbaus. Während einer früheren Sanierung hatte man sie mit EPS-Dämmplatten und einem Dünnputzsystem überdeckt. Die beschädigte, mangelhaft befestigte Dämmung wurde zwar entfernt, aufgrund der heutigen energetischen Standards war jedoch Ersatz nötig. Als Kompromiss wählte man eine homogene Fassadenverkleidung mit Steinwolle und Dickputzsystem. Nun erscheint der Gebäudekörper wieder in Weiß. Neue Fenster und Aufputz-Raffstore sollen den Wärmeschutz weiter verbessern.
Bautafel
Architektur: Karl Odorizzi (Bestand); Tp3 Architekten, Linz (Sanierung)
Projektbeteiligte: DI Weilhartner ZT (Tragwerksplanung); Stephan Wambacher (Mitarbeit Tragwerksplanung); EWW Anlagentechnik Gebäudelösungen (GÜ); Vermessungsbüro Brunner (Geometer); Ing. Wolfgang Kögelberger (Bauphysik); S&P Engineering (HKLS-Planung); Kieninger (Bauleitung); Tragwerk+ (Zimmerei); Innocente (Dachdeckerei); Expert Schneeberger (Elektrik); Höfurthner (Malerarbeiten); Raumausstattung Wiesinger (Böden); Kappler (Fliesen); Perchtold Trockenbau (Metallbau, Trockenbau); Ing. Förstl (HKLS-Ausführung)
Bauherr*in: Marktgemeinde Ottnang am Hausruck
Fertigstellung: 2021
Standort: Bruckmühl 49, 4901 Ottnang am Hausruck, Österreich
Bildnachweis: Mark Sengstbratl (Fotos); Tp3 Architekten (Pläne und Baustellenfotos)
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