Sanierung: Mensa am Park in Weimar

Energetische und brandschutztechnische Ertüchtigung

Durch den oft leichtfertigen Abriss von Bauten der Ostmoderne ging ein Teil der DDR-Architekturgeschichte verloren. Doch als man 2009 die Großmensa der Bauhaus-Uni Weimar zurückbauen wollte, protestierten Studierende und Architekt*innen vor Ort. Das 1982 errichtete Gebäude war nicht nur das soziale Zentrum der Hochschule, sondern auch architekturgeschichtlich bedeutend: Es ist zwar mit industriellem Anspruch, aber individuell und mit viel Sorgfalt für Städtebau, Material und Detail geplant worden. Als Teil eines Gebäudeensembles bildet es die Entwicklung des modernen Bauens in der DDR ab. Mit nicht einmal dreißig Jahren Nutzungsdauer war der Bau zum Zeitpunkt der Abriss-Debatte noch sehr jung. Die Diskussionen um seinen baukulturellen Wert führten 2011 schließlich zum Denkmalschutz.

thoma architekten sanierten das bedeutende Bauwerk der späten DDR-Moderne in enger Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege.
Die Herausforderung war dabei, die bauzeittypische Architektur zu erhalten und gleichzeitig Energieeffizienz, Wärmeschutz, Gebäudetechnik, Brandschutz und die funktionalen Abläufe zu optimieren.
So waren zum Beispiel die filigranen Kugelleuchten typisch für die Bauzeit und sollten daher auch unter der neuen Kühl- und Heizdecke leuchten.

Sanierungsbedarf der Mensa 

2018, fast zehn Jahre nach der Debatte, war die Sanierung der Mensa überfällig: Die Dämmung war unzureichend, die Wärmebrücken zahlreich und die Zweischeibenverglasung veraltet. Das verursachte hohe Heizkosten durch Wärmeverluste im Winter und führte zu überhitzten Innenräumen im Sommer. Die gesamte Gebäude- und Sanitärtechnik entsprach nicht mehr dem Stand der Technik und hinsichtlich des Brandschutzes fehlten Fluchtwege und vor Brand schützende Oberflächen. Seit dem Bau der Mensa haben sich zudem die Anforderungen verändert: Der Ablauf der Essensausgabe, die Nutzung des Foyers und die innere Organisation funktionieren heute anders. Die komplexe, denkmalgerechte Sanierung und die Umbauplanung übernahm das in diesem Bereich erfahrene Büro thoma architekten.

Maßnahmen zur Sanierung

Im ersten Schritt wurde das Gebäude entkernt und überflüssige, nichttragende Einbauten entfernt. Das bestehende Stahltragwerk mit Rippendecken aus Beton wurde um einzelne Träger aufgedoppelt und Oberlichter zur Entrauchung und Belichtung ergänzt. Außerdem erhielt die Stahlkonstruktion die notwendige Brandschutzbekleidung. Ein neues Treppenhaus auf der Nordseite der Mensa samt Aufzug sichert jetzt den Fluchtweg im Brandfall und den barrierefreien Zugang.

Der Hof des Ensembles ist heute wieder frei zugänglich, ein nachträglich errichteter Anbau auf der Westseite wurde dafür entfernt. Für zeitgemäße Mensa-Abläufe veränderten die Planenden den Küchengrundriss im Obergeschoss und ergänzten einen Lastenaufzug. Die gesamte Gebäudetechnik wurde erneuert und u.a. die bestehenden, stählernen Heizradiatoren gegen eine abgehängte Heiz- und Kühldecke getauscht. Heizwärme bezieht das Gebäude aus einem Blockheizkraftwerk der Universität. Im Sommer kühlt eine Wärmepumpe mit Abwärmenutzung Decke und Zuluft. Das Dach bekam einen neuen, gedämmten Aufbau.

Die größte Herausforderung bei der Sanierung bestand darin, den architektonischen Charakter des Bestands zu bewahren. Aus diesem Grund wurden bauzeitlich typische Elemente wie der Terrazzoboden, die Podeste im Foyer, die Kugelleuchten im Saal und teilweise die Innenverglasungen aufgearbeitet. Als besonders knifflig erwies sich die Glas-Betonfassade, die zwar gestalterisch prägend, aber energetisch und im Material erhebliche Mängel aufwies.

Eindruck von außen

Wer sich dem dreigeschossigen Gebäude von Süden nähert, sieht den mit Kugelleuchten erhellten Speisesaal zwischen den Baumkronen. Mit seiner großflächigen Glasfassade schiebt er sich ein ganzes Stück über das Erdgeschoss hinaus. Im Grundriss ist der Bau mit einer Ausdehnung von 45 und 55 Metern fast quadratisch und reagiert mit Sprüngen in der Kubatur auf die Umgebung. So sind das Erdgeschoss und das obere Technikgeschoss zurückgesetzt und betonen damit die Horizontale. Die Westfassade schiebt sich in Sechs-Meter-Einheiten Stück für Stück weiter aus der Gebäudeflucht und hält Abstand zu einem historischen Gärtnerhaus. Die halben Erker, die sich durch diese Staffelung ergeben, öffnen sich mit Übereckfenstern nach Süden zum Park. Der Blick aus dem Speisesaal fliegt also über die große Glasfront weit hinaus ins Grüne.

Energetische Sanierung der Betonaußenwände

Besonders die Südfassade zum Park steht ikonisch für eine ganze Bauzeit. Ihr Erhalt machte die Sanierung kompliziert. So waren zum Beispiel die vorgehängten Platten aus Waschbeton und Betonwerkstein verwittert, teilweise korrodiert und abgeplatzt. Da sie fest mit dem Gebäude verankert sind, hätte ihre Demontage Schäden und sichtbare Veränderungen verursacht. Die Platten wurden also am Gebäude hängend, Stück für Stück gesäubert und sandgestrahlt. Auch Risse wurden an der Fassade ausgebessert und verklebt sowie insgesamt zwei Kilometer Fugen von schadstoffbelasteter Dichtmasse befreit. Nach dieser aufwendigen Prozedur wirken die originalen Platten heute wieder wie neu. Ein nur vier Zentimeter dünner Dämmputz sichert auf der Wandinnenseite den Wärmeschutz, ohne das Äußere zu verändern. 

Sanierung der Glasfassade

Die Glasfassade reicht vom Fußboden bis zur Deckenunterseite. Entsprechend war im Brüstungsbereich der Einsatz von absturzsicherndem Sicherheitsglas erforderlich. Die Verglasung ist aber vor allem energetisch entscheidend: Wärmeverluste ließen sich über eine zeitgemäße Zweifachisolierverglasung reduzieren. Die alten, goldfarbenen Aluminiumprofile konnten ausgedämmt und damit Wärmebrücken minimiert werden.

Beides verhindert aber nicht die Überhitzung der Räume im Sommer. Ein außenliegender Sonnenschutz kam wegen des Denkmalschutzes nicht infrage. Stattdessen entschieden die Planenden für ein Sonnenschutzglas, dessen Beschichtung zwar Tageslicht, aber weniger solare Wärme in den Raum leitet. Der Hersteller Saint-Gobain Glass gibt eine Senkung der Raumtemperatur von bis zu 5° C im Vergleich zu einer herkömmlichen Verglasung an. Das Glas ist farbneutral und entspricht so den Anforderungen des Denkmalschutzes.

2022 war die Sanierung abgeschlossen. Das Gebäude erstreckt sich wieder wie einst entlang der Weimarer Parklandschaft und wirkt dabei so elegant, leicht und zeitgenössisch, dass der Aufwand der Sanierung fast vergessen scheint.

Bautafel

Architektur: Projektierungsbüro des Ministeriums für Hoch- und Fachschulwesen an der Hochschule für Architektur und Bauwesen Weimar (Bestand 1982); thoma architekten, Zeulenroda-Triebes (Sanierung und Umbau 2022)
Projektbeteiligte: ARGE TGA Mensa Weimar, Jena (Technische Gebäudeausrüstung); Milan-Ingenieurbüro, Berlin (Küchentechnik); Saint-Gobain Glass (Sonnenschutzglas COOL-LITE SKN 176 auf Basis von PLANICLEAR)
Bauherr*in: Studierendenwerk Thüringen, Jena
Fertigstellung: 2022
Standort: Marienstraße 15b, 99423 Weimar
Bildnachweis: Rainer Taepper (Fotos); thoma architekten (Baustellenfotos und Pläne)

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