Rural Memory Museum in Fengwu

Künstlich gealtert

Was tun, wenn sich Dörfer durch Wegzug verändern? Wie geht es denen, die blieben? Im ostchinesischen Örtchen Fengwu entschloss man sich dazu, ein Museum zu errichten. Das Rural Memory Museum ist sogar mehr als das: Unter den Ausstellungsräumen befindet sich ein geschützter, für die Dorfgemeinschaft zugänglicher Außenbereich. Den 2024 fertiggestellten Neubau plante das chinesische Architekturbüro IARA. 

Das Gebäude befindet sich unweit des Flussufers und ersetzt einen Dorfplatz mit ungenutzten Sportgeräten.
Zusammen mit dem historischen Nachbarhaus bildet das Museum einen Hof.
Die mehrfach geknickte Außenwand zeichnet eine historische Gebäudekante nach.

Belebendes Museum

Fengwu liegt in einer besonders idyllischen Landschaft, rund 30 km südlich der Gelben Berge, einer zerklüfteten, durchgrünten Gebirgslandschaft, die Teil des UNESCO-Welterbes ist. In der näheren Umgebung befinden sich außerdem die Dörfer Xidi und Hongcun, die wegen ihrer gut erhaltenen Bebauung und städtebaulichen Anlage ebenfalls Welterbe-Stätten sind. Im Vergleich zu ihnen verfügt Fengwu nur über wenige historische Gebäude – und über immer weniger Einwohner*innen. Der Altersschnitt steigt, dem Dorf fehlen zugleich öffentliche Einrichtungen und kulturelle Angebote. 

Das 2023 gestartete Projekt Fengwu JI, in dessen Rahmen auch das Museum entstand, soll dem Dorf neue Lebenskraft spenden. Der Neubau befindet sich im Ortskern, am Nordufer des kleinen Flusses, der das Dorf zweiteilt. Hier, wo sich hinter einer Brücke der Weg gabelt, hatte einst ein Gebäude namens Yingfengli gestanden, bevor es einem kleinen Platz mit Fitnessgeräten wich. Da aber ein Unterstand fehlte, der die Sporttreibenden vor dem heißen und regnerischen Klima hätte schützen können, wurde der Platz hauptsächlich zum Trocknen von Fleisch und Kleidung genutzt. Im Rahmen der Revitalisierung wurde der Platz neu bebaut.

Offenes Erdgeschoss

Inspiriert von den traditionellen Wohnanlagen der Region bilden der benachbarte Bestand und der j-förmige Neubau einen Innenhof. Mit einer mehrfach geknickten Betonwand stellte das Architekturbüro IARA die alte Wegkante wieder her. In einer Biegung leitet sie vom linken, historischen Nachbargebäude zum Eingangstor der Dorfgasse. Oben sind nur wenige Schlitze und eine Loggia zu sehen, unten hingegen ist die Wand großzügig geöffnet, sodass man bis in den Hof schauen kann. 

Zwei Stufen setzen den luftigen, straßenseitigen Teil des Erdgeschosses vom Pflaster ab. Als Dorfplatz und Foyer zugleich kann der schattige, regengeschützte Raum Besucher*innen empfangen und Veranstaltungen aufnehmen – aber auch zum alltäglichen Verweilen genutzt werden. Dafür eignen sich etwa die Holzbänke, die die Innenseiten der Außenwand und der Hofumfassung säumen. Zusätzlich ist eine Ecke abgetrennt und als kleiner Garten gestaltet. Das Erdgeschoss des Hinterhauses nimmt ein Büroraum ein, mit angegliederten Sanitär- und Lagerräumen. Die beiden Gebäudeteile trennt eine Treppe, die die Ausstellungsräume im Obergeschoss erschließt. 

Geschlossenes Obergeschoss

Im Hinterhaus, direkt neben dem Aufgang, befinden sich ein Videoraum und der Ausstellungsbereich zur Zukunft Fengwus. Große Fenster holen die Landschaft in den Raum. Im straßenseitigen Teil befindet sich der Bereich zur Geschichte Fengwus. In diese überwiegend dunklen Räume gelangt Tageslicht nur durch wenige Schlitze in der Außenwand. Eine Innenschale mit schrägen Holzplatten lenkt das Licht direkt auf die Möbel, Kleidungsstücke, Bücher und weiteren Exponate, die die Dorfbewohner*innen beisteuerten. Am Ende der Ausstellung gelangt man zu einer Loggia, die noch einmal den Blick auf die Dächer am Flussufer erlaubt. Von der Loggia führt schließlich eine Brücke am Nachbarhaus und am Hof vorbei zurück zur Treppe.

Beton: künstlich gealtert

Mit ihren mehrfachen Knicken folgt die Stahlbeton-Außenwand nicht nur den historischen Grundmauern, sondern stabilisiert sich quasi selbst. Die Bodenplatte des Obergeschosses und der hofseitige Sockelbereich sind ebenfalls in Stahlbeton ausgeführt. Darüber setzt eine Holzkonstruktion auf mit zum Hof hin geneigten Pultdächern.

Sowohl die Hoffassaden als auch die Ausstellungsräume sind mit schwärzlichem Holz verkleidet. Die Färbung und gealterte Erscheinung sind Resultat der Karbonisierung. Bei dem seit Jahrhunderten bekannten Verfahren wird die Holzoberfläche kontrolliert verkohlt und dadurch dauerhafter gemacht.

Künstlich gealtert zeigt sich das Museum auch nach außen: Für den Beton des Tragwerks verwendete man neben Zement weißen Kalk und lokalen Flusssand. Die Oberflächen wurden von Hand ausgewaschen, um den Wänden eine feine Struktur zu verleihen – als wären sie bereits mit der Zeit leicht erodiert. Um die Fassade weiter den verwitterten Dorfgebäuden anzunähern, wurde sie abschließend weiß getüncht.

Bautafel

Architektur: IARA, Beijing
Projektbeteiligte: Wenjing Fang (Landschaftsgestaltung), IARA Rural Revitalization (Ausstellungsgestaltung), Huangshan Dehong Construction Engineering (Bauunternehmen)
Auftraggeber*in: Biyang Township People's Government, Yixian Agricultural and Water Resources Bureau 
Fertigstellung: 2024
Standort: Fengwu, Yixian, Huangshan, China
Bildnachweis: Huien Song, Ziyi Liu, Yi Huang, Jingqiu Zhang, Team of Yizhe Zhang (Fotos); IARA (Pläne)

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Farbenfrohe Anstriche sind ein Mittel, um betongraue, elementierte Fassaden und Tragstrukturen abwechslungsreicher zu gestalten, so wie hier in Podgorica.

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Oberflächen

Farbiger Beton

Sichtbetonoberflächen lassen sich im Herstellungsprozess oder auch nach dem Ausschalen gestalten.

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Sichtbetonoberflächen

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