Ricola Kräuterzentrum in Laufen

Größter europäischer Lehmbau

Als ein Stück geometrisierte Landschaft bezeichnen die Architekten Herzog & de Meuron das Ricola Kräuterzentrum in Laufen, den mit über 100 Meter Länge, 11 Meter Höhe und fast 30 Meter Breite derzeit größten Lehmbau Europas. Der Neubau liegt als schlichter Block in einer von konventionellen Industriegebäuden geprägten Landschaft. Mit seiner Form bezieht sich der von Südwesten nach Nordosten gestreckte Quader zum einen auf bestehende Wegesysteme und Hecken, die schon früher die Landschaft prägten. Zum anderen entspricht sie dem schrittweisen industriellen Prozessablauf der Verarbeitung von Kräutern, der in diesem Gebäude stattfindet. Für den Produzenten des Schweizer Kräuterzuckers planten die international agierenden Architekten aus Basel bereits mehrfach Lager-, Produktions- und Marketinggebäude.

Ansicht Nordost: Zu jeder Seite öffnet sich die Halle über ein riesiges, kreisrundes Fenster
Fassade aus vorgefertigten Stampflehmelementen von Süden: Aufgrund der Plastizität des Lehms lassen sich Fugen leicht retuschieren
Türen aus Holz, Dach aus Wellblech und Wasserspeier aus Kupfer

Der Grundriss der überwiegend eingeschossigen Halle bildet den Produktionsverlauf ab: von der Anlieferung der frischen Kräuter, der Reinigung und Trocknung zum Quarantänelager, über Schnitt, Mischung und Dosierung hin zum Hochregallager. Lediglich ein kleiner, abgetrennter Teil der Halle ist zweigeschossig ausgeführt, hier befinden sich Büros und Nebenräume sowie im oberen Teil ein Besucherforum mit Blick auf die Produktionsprozesse. Neben den aus Holz gefertigten Türen und Toren öffnet sich das Kräuterzentrum zu jeder Seite über ein riesiges kreisrundes Fenster mit einem Durchmesser von annähernd sechs Metern.

Nachhaltig Bauen
Das Kräuterzentrum ist überwiegend aus Lehm errichtet, der vor Ort (d.h. in einem Umkreis bis zu zehn Kilometern) abgebaut wurde. Für die Ausführung der Stampflehmfassade wurde der Österreicher Martin Rauch mit seiner Firma Lehm Ton Erde Baukunst hinzugezogen. Eine Betonkonstruktion trägt das Dach und sichert die Stampflehmwände aus vorgefertigten Elementen. Für diese wurde eine Mischung aus Lehm, Mergel und Kies in einer Halle im Nachbarort Zwingen in der Schalung gestampft, sodass Elemente im Format 4,35 x 1,35 x 0,45 Meter entstanden. Deren Transport zur Baustelle erfolgte per Lkw.

Die Fugen lassen sich aufgrund der Plastizität des Lehms leicht retuschieren, sodass ein homogener Baukörper entsteht. Zur Abminderung des natürlichen Prozesses von Erosion durch Regen und Wind (der im Übrigen zugelassen wird) wurden horizontale Schichten aus Trasskalkzement mit eingestampft. Die Außenwände im Bereich der Anlieferung und Lagerung bestehen ausschließlich aus Lehm. So wirkt sich dessen feuchteregulierende Eigenschaft positiv und energetisch nachhaltig auf das gesamte Raumklima aus. Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach und die Nutzung der Abwärme des nahegelegenen Produktionsbetriebs verbessern die ökologische Bilanz des Kräuterzentrums zusätzlich. us

Bautafel

Architekten: Herzog & de Meuron, Basel
Projektbeteiligte: Kundert Planer, Schlieren (Generalplanung); Schnetzer Puskas, Basel (Statik); Priora Generalunternehmung, Basel (Bauunternehmung); Pfister + Gloor, Baden-Dättwil / Selmoni Ingenieur, Basel (Elektroplanung); Transsolar Energietechnik, Stuttgart (Bauphysik, Engineering Design); Lehm Ton Erde Baukunst, Schlins (Stampflehmfassade)
Bauherr: Ricola, Laufen
Fertigstellung: 2014
Standort: Laufen, Schweiz
Bildnachweis: Iwan Baan, Amsterdam; Markus Bühler-Rasom, Zürich

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