Rethink Building 2025

Umbauen zum Standard machen

Mit dem Leitgedanken Umbauen zum Standard machen fand am 9. Mai 2025 die vierte Fachkonferenz Rethink Building in Berlin statt – organisiert vom Verein Natureplus in Kooperation mit dem Natural Building Lab der TU Berlin. Die Veranstaltung bot neben Vorträgen, Workshops und einer Führung durch das Umbauprojekt und Veranstaltungszentrum Z/ku viel Raum für Austausch. 

Organisiert  wurde die Veranstaltung vom Verein Natureplus in Kooperation mit dem Natural Building Lab der TU Berlin.
Ben Pohl von der Denkstatt Sàrl eröffnete die Vortragsreihe.
Anschließend schlug Dr. Franziska Meier vom Collegium Academicum die Brücke zur Praxis.

Gütesiegel und Netzwerkstelle

Natureplus setzt sich als Verein für nachhaltiges Bauen und Wohnen ein. Das von ihm vergebene Qualitätssiegel kennzeichnet Bauprodukte, die über den gesamten Lebenszyklus hinweg auf Umwelt- und Gesundheitsverträglichkeit geprüft wurden. Die Kriterien umfassen unter anderem den Einsatz nachwachsender Rohstoffe, eine positive Energiebilanz, den Verzicht auf gesundheitsgefährdende Stoffe sowie geringe Emissionen. Damit gilt das Label als eines der strengsten Umweltzeichen für Bauprodukte in Europa. Zusätzlich organisiert Natureplus Konferenzen, Seminare und Schulungen rund um Themen wie nachhaltiges Bauen, gesunde Baustoffe und Klimaschutz – häufig in Zusammenarbeit mit Vertreter*innen der Branche.

Im Zentrum für Kunst und Urbanistik (Z/ku) spiegelte ein vielseitiges Programm die Werte und Sichtweisen von Natureplus wider. Den Auftakt machten vier Vorträge: Ben Pohl von der Denkstatt Sàrl, Dr. Franziska Meier vom Collegium Academicum, Manuel Ehlers von der Triodos Bank und Fabian Lecker von Effekt Architects diskutierten politische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen, präsentierten Umbauprojekte und stellten alternative Finanzierungsmodelle vor.

Theorie trifft Praxis

Ben Pohl eröffnete die Konferenz mit einem Perspektivwechsel auf den Gebäudebestand: Statt das Bestehende als Objekt zu betrachten, beschrieb er es als Geflecht aus Interaktionen. Mit Bezügen zu Theoretiker*innen wie Donna Haraway und Bruno Latour sowie zur aktuellen Wohnungsfrage lieferte er vielfältige Denkanstöße. Anschließend schlug Dr. Franziska Meier die Brücke zur Praxis. Sie berichtete vom Sanierungsprozess des Collegium Academicum in Heidelberg – ein Beispiel dafür, was möglich wird, wenn Menschen mit Vision und konkretem Bedarf gemeinsam handeln. In ihrem Vortrag zeigte Meier sowohl die Potenziale kollektiven Bauens als auch die damit verbundenen Herausforderungen auf. 

Finanzierung und Bauwende

Manuel Ehlers von der Triodos Bank richtete den Blick auf die Finanzierbarkeit nachhaltiger Umbauprojekte. Anhand geförderter Vorhaben zeigte er, wie aus ungeliebten Immobilien lebendige Orte wurden. Hoffnungsvoll stimmte auch der Beitrag von Fabian Lecker, der die Reduction Roadmap vorstellte: eine zivilgesellschaftliche Initiative, die das dänische Baurecht im Sinne des ressourcenschonenden Bauens umschreibt. Seit 2022 setzen sich Beteiligte des Bausektors dafür ein, ihre eigene Bautätigkeit gesetzlich um bis zu 90 Prozent zu reduzieren – nur so könne der Bausektor das Pariser Klimaabkommen einhalten.

Interaktives

Am Nachmittag lud ein World-Café-Format zum Mitreden ein. In kleinen Gruppen diskutierten die Teilnehmenden Themen wie wirtschaftliche und ökologische Umbauprozesse, Materialwahl, energetische Sanierung und Brandschutz. Geleitet wurden die Sessions von der Brandschutzexpertin Miriam Dahmen, Klaus Franken (Catella Project Management), dem Energieberater Henning Marxen (GIH), Uli Steinmeyer (ÖkoPlus AG) sowie Daniel Wichmann und Lena Mosel vom Natural Building Lab.

Konferenz im Reallabor

Zum Abschluss führte Philip Horst, Mitbegründer des Z/ku und bildender Künstler, durch den Veranstaltungsort – einen ehemaligen Güterbahnhof. In der letzten Umbauphase wurde das alte Satteldach der Konferenzhalle durch eine Stahl-Glas-Konstruktion ersetzt, die Raum für ein zusätzliches Geschoss und eine Dachterrasse schuf. Neben Veranstaltungsflächen bietet das Z/ku auch Wohn- und Arbeitsräume für die hausinterne Residencies sowie Platz für nachbarschaftliche Projekte. Ziel ist es, einen Ort zu schaffen, der globale Diskurse mit lokaler Praxis verbindet, so die Betreiber*innen. 

Begleitend zum Programm informierten eine Ausstellung des Natural Building Labs sowie eine Materialmesse mit Herstellerständen über biobasierte Bauprodukte und studentische Umbauprojekte. So eröffnete der Tag zahlreiche Möglichkeiten sich zu informieren, auszutauschen und durch das Z/ku treiben zu lassen. Ein gelungenes Format am richtigen Ort.

Fachwissen zum Thema

Schematische Darstellung eines Produktkreislaufs für die Ökobilanz.

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Nachweise/​Zertifikate

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