Retentionslandschaft Exercisfältet in Uppsala

Retention, Reinigung und Naherholung

In Schwedens viertgrößter Stadt Uppsala leben derzeit rund 220.000 Menschen. Doch die Stadt wächst, sodass bis 2050 mit rund 340.000 Einwohner*innen zu rechnen ist. Dieses Wachstum geht mit einer zunehmenden Bodenversiegelung und einem steigenden Wasserbedarf einher, was neue Strategien des urbanen Wassermanagements und Gewässerschutzes erfordert. Die Gemeinde entschloss sich deshalb gegen die Bebauung einer brachliegenden Fläche und gab stattdessen eine Retentionslandschaft und Hochwasserschutzzone in Planung.

Anstatt das Gebiet weiter zu verdichten, entschloss sich die Gemeinde, eine Pufferzone als mögliches Überschwemmungsgebiet zu schaffen.
Die Gestaltung vermittelt zwischen dem belebten Stadtviertel und einem Naturschutzgebiet.
Im Norden grenzt der Teich an die Stadt, hier schützt eine Ortbetonmauer vor Hochwasser.

Das Büro White Arkitekter entwarf im Auftrag der Stadt und der kommunalen Wasserbetriebe eine entsprechende Infrastruktur, die darüber hinaus als Erholungsraum für Menschen und als biodiverser Lebensraum für Pflanzen und Tiere dienen soll.

Entmilitarisierte Zone

Der Stadtteil Polacksbacken liegt im Süden Uppsalas. Bis zum Jahr 1982 waren hier ein Infanterieregiment und später Truppen des schwedischen Militärs stationiert. Inzwischen sind Forschungseinrichtungen in die ehemaligen Kasernengebäude eingezogen, in anderen Bauten eine Schule. Das einstige Militärgelände entwickelt sich zu einem Wissenschaftspark. Der frühere Truppenübungsplatz, genannt Exercisfältet, bildet eine Pufferzone zwischen dem südlich angrenzenden Naturschutzgebiet Kronparken und dem belebten Stadtviertel im Norden. In diesem Übergangsraum wurde ein Regenrückhalteteich mit künstlichem Feuchtgebiet angelegt, der zwischen den verschiedenen Landschaftsräumen vermittelt.

Hochwasserschutz aus Beton

Im Norden grenzt die neue Retentionslandschaft an den Wissenschaftspark. Eine Betonmauer schützt die Bebauung vor Hochwasser und bildet eine klare Kante zwischen Natur und besiedeltem Stadtgebiet. Im Zuge der weiteren Gebietsentwicklung dürfte die Bebauung noch näher an das Wasser heranrücken. Von dieser Verdichtung erhoffen sich die Architekt*innen eine weitere Schärfung des räumlichen Gegensatzes zwischen der klaren Stadtkante und dem südlichen Auslaufen der Wasserlandschaft in Richtung Naturschutzgebiet.

Biodiverser Lebensraum

Der Teich ist in seiner Ausdehnung kompakt angelegt, um möglichst viel Raum für Aktivitäten und Erholung in dem dicht besiedelten Gebiet zu schaffen. Wege führen an das Wasser heran und laden zu Spaziergängen ein; Sitzbänke mit Blick auf das Feuchtgebiet bieten Möglichkeiten zum Verweilen. Die Stege sind aus unbehandeltem Holz und Stahl gefertigt, um zu verhindern, dass Chemikalien in das Wasser eindringen können. Bei starken Regenfällen kann sich das Wasser auf den umliegenden Flächen ausbreiten. Aufgrund der variierenden Tiefe und Anlage des Teiches werden die verschiedenen Bereiche von unterschiedlichen Niederschlagsmengen überflutet. Das erhöht das Potenzial der Kleinlandschaft, sich zu einem geeigneten Lebensraum für verschiedene Tier- und Pflanzenarten zu entwickeln. Die Vegetation soll diesen Artenreichtum unterstützen.

Wasserschutz

Die angesiedelten Pflanzenarten sind nicht nur winterhart und an die Standortbedingungen angepasst, sondern verfügen auch über wasserreinigende Eigenschaften. So trägt die Vegetation zum infrastrukturellen Wasserschutz bei, indem sie das Schmutzwasser reinigt, bevor es in andere Gewässer fließt. So soll die Gestaltung des Exercisfältet das sogenannte Weser-Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) aus dem Jahr 2015 umsetzen. Danach verstoßen geplante Eingriffe in Flüsse – wie im Urteilsfall die Vertiefung der Weser – gegen die EU-Wasserrahmenrichtlinie, wenn sie zu einer Verschlechterung des Gewässerzustands führen. Das Urteil setzt damit generell strengere Maßstäbe für bauliche Eingriffe, die sich potenziell negativ auf den Zustand regionaler Gewässer auswirken könnten. Bezogen auf Stadtentwicklungsmaßnahmen bedeutet dies, dass in städtischen Gebieten anfallendes Schmutzwasser vor der Einleitung in die Umwelt gereinigt werden muss. White Arkitekters Projekt in Uppsala zeigt, dass solche Infrastrukturen zugleich ein attraktives Naherholungsgebiet und biodiverser Lebensraum sein können. -hs

Bautafel

Architektur: White Arkitekter, Göteborg
Projektbeteiligte: Gemeinde Uppsala (Planung), SH Bygg, Uppsala (Bauausführung); WSP/Structor, (Regenwasseringenieurwesen); WSP (Tragwerksplanung, Projektmanagement, Beratung Umwelt und Nachhaltigkeit)
Bauherrschaft: Uppsala Wasser
Standort: Exercisfältet, Uppsala, Schweden
Fertigstellung: 2022
Bildnachweis: Måns Berg (Fotos); White Arkitekter (Pläne)

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