Resonanzen: Klanghaus Toggenburg
Mit Beiträgen von Marcel Meili, Erol Doguoglu, Mirjam Fischer, Sabine von Fischer Ramakrishnan, Christian Gressbach, Lea Hagmann, Susanna Koeberle, Eva Kuss, Axel Langer, Alfred Messerli, Matthias Ruf, Vivian Sonderegger, Astrid Staufer und Andrea Wiegelmann
Lars Müller Publishers, Zürich 2025
144 Seiten, 120 Abb., Hardcover
Auch in Englisch erhältlich
Preis: 50 CHF
ISBN 978-3-03778-787-8
Konzerthäuser gehören zu den herausfordernden Bauaufgaben unserer Zeit. Nicht nur gelten für sie höchste Anforderungen an Brandschutz und die interne Organisation, allen voran machen sie eine mustergültige Raumakustik zur Pflicht. Doch was passiert, wenn das Gebäude nicht nur eine Hülle bietet, sondern selbst zum Instrument wird? Mit diesem Anspruch wurde im Toggenburg vergangenes Jahr das Klanghaus fertiggestellt (die BauNetz Meldungen berichteten). Die Publikation Resonanzen: Klanghaus Toggenburg wirft einen umfänglichen Blick auf das besondere Haus und seine Entstehungsgeschichte im Ostschweizer Hochtal.
Gemeinsam mit dem benachbarten Appenzellerland gilt Toggenburg als Heimat der Streichmusik und Jodeltradition. Um an diesen Ursprung gebührend zu erinnern, rief der Komponist Peter Roth bereits 2003 die Stiftung Klangwelt Toggenburg ins Leben und veranstaltet seither Kurse und Konzerte. Der Kanton St. Gallen gab in den Jahren darauf die Planung des Klanghauses bekannt und initiierte 2010 eine Thesenkonkurrenz. Dieses bewusst offen gehaltene Vergabeverfahren eignete sich gut für eine derart „pionierhafte Aufgabenstellung“, da den Beteiligten zur Zeit der Ausschreibung wohl selbst nicht ganz klar gewesen ist, was ein solches Klanghaus überhaupt leisten muss.
Marcel Meili setzte sich mit seinem Entwurf gegen rund 90 andere Bewerber*innen durch, darunter SANAA, Steven Holl Architects und Caruso St John. Die Konzeption erfolgte gemeinsam mit dem Klangkünstler Andres Bosshard und dem Raumakustiker Martin Lachmann. Ihr Ergebnis präsentiert sich als weiche Holzskulptur mit durchaus markanter Silhouette. In der Grundfigur an eine Amöbe erinnernd, öffnen sich von einem Zentralraum drei Arme mit Ausblicken in die umliegende Berglandschaft. In den verschränkten Räumen kommt eine Klangwerkstatt für professionelle Musiker*innen und Laien unter. Darüber hinaus sind hier Proben, Kurse, Workshops und Symposien vorgesehen.
„Das Klanghaus ist kein Tonstudio, sondern ein Körper, der klingt und der auch andere Geräusche zulässt“, lässt sich der inzwischen verstorbene Marcel Meili auf den Seiten zitieren. In zwölf Kapiteln beleuchten wechselnde Fachautor*innen wichtige Aspekte der Entstehungsgeschichte. Neben Interviews und technischen Details liefert das Buch zahlreiche Fotografien vom historischen Toggenburg, von Referenzmotiven und von ambitionierten Prototypen für das Klanghaus. Wie die Bauaufgabe selbst versteht sich die Publikation als „forschendes Experiment“ und begreift das Bauen nicht nur als materielles, sondern ebenso als kulturelles und philosophisches Gefüge.