Reit- und Veranstaltungshalle „L’Écrin“ in Hennebont
Bogenförmiges Tragwerk aus Brettschichtholz
Das Haras National d’Hennebont ist ein historisches französisches Staatsgestüt in der Bretagne. Es wurde im 19. Jahrhundert gegründet und diente ursprünglich der Pferdezucht und Hengsthaltung. Heute wird die denkmalgeschützte Anlage als Pferdesport-, Ausbildungs-, Kultur- und Veranstaltungszentrum genutzt. Mit der Reit- und Veranstaltungshalle L’Écrin nach Plänen des Pariser Büros K Architectures erhielt das Gestüt einen besonderen Anziehungspunkt. Der 17 Meter hohe Neubau aus Holz setzt einen markanten Akzent innerhalb des bestehenden Ensembles und fügt sich trotz seiner Größe harmonisch ein. Die Architekten wählten eine Formensprache, die sich auf Markthallen des 19. Jahrhunderts bezieht.
Historische Markthalle als Vorbild
Zum denkmalgeschützten Ensemble gehören sieben historische Stallgebäude, von denen die ersten ab 1858 und weitere ab 1901 errichtet wurden. Insgesamt umfasst die Anlage heute 32 Gebäude. Die rund 1.464 Quadratmeter große Reit- und Veranstaltungshalle befindet sich in der Cour du Puits, einem von zwei historischen Innenhöfen. Sie ist von denkmalgeschützten Stallgebäuden umgeben. Ihre Grundform orientiert sich an traditionellen französischen Markthallen und frühen festen Zirkusbauten. Über dem nahezu quadratischen Grundriss erhebt sich ein markantes, in mehreren Ebenen gestaffeltes Dach. Die Gliederung reduziert optisch das große Bauvolumen und ermöglicht zugleich die natürliche Belichtung und Belüftung des Innenraums. Die geneigten, mit Schiefer gedeckten Dachflächen nehmen Materialität und Neigung der umliegenden historischen Stallgebäude auf.
Mehrere Zugänge, verschiebliche Fassade
Die Wegeführung für Besucher*innen orientiert sich an der gewachsenen Raumfolge des Gestüts. Vom südlich gelegenen Haupteingang führt der Weg über den Cour d’Honneur, den repräsentativen Ehrenhof bis zur dahinterliegenden Cour du Puits mit dem zentralen Neubau. Anstelle eines klar ausgebildeten Haupteingangs ermöglichen mehrere Zugänge sowie großflächig öffenbare Fassadenbereiche dessen flexible Erschließung. Große Wandfelder lassen sich seitlich verschieben und sind dann hinter schmalen, feststehenden Wandpfeilern verborgen. Damit entsteht der Eindruck eines offenen Pavillons innerhalb des historischen Ensembles.
Die neue Halle ist für unterschiedliche Veranstaltungsformate flexibel nutzbar. Die zentrale Arena lässt sich kreisförmig mit einem Durchmesser von 19 Metern einrichten, als quadratische Fläche oder als rechteckige Reitbahn mit maximalen Abmessungen von 40 × 20 Metern. Mobile Tribünenelemente ermöglichen eine variable Anpassung der Zuschauerbereiche, sodass nutzungsabhängig rund 700 Sitzplätze oder bis zu 1.430 Stehplätze (ohne Tribünen) zur Verfügung stehen.
Weit gespanntes Dachtragwerk
Der Holzbau ist auf Betonfundamenten errichtet. Ein weit gespanntes Dachtragwerk aus Fichten-Brettschichtholz (BSH) bildet das konstruktive Herzstück. Es besteht aus vier bogenförmigen Hauptträgern und acht Nebenträgern, die an einem zentralen Knotenpunkt zusammengeführt sind. Die Obergurte sind stufenweise verstärkt, um die Staffelung herzustellen. Die Hauptträger sind an den vier Ecken positioniert und bilden gleichsam eine Überkreuzung, die Nebenträger verteilen sich auf zwei Seiten, sodass jeweils vier einander gegenüberstehen. Sie überspannen rund 40 Meter und ermöglichen einen stützenfreien Innenraum, der weder die Sichtbeziehungen des Publikums einschränkt noch die Nutzung der zentralen Aktionsfläche. An den stützenfreien Seiten sorgen schmale Fachwerkträger für die Aussteifung. Bei geöffneten Fassaden ergibt sich im Eingangsbereich die Blickachse zu den historischen Stallungen.
Modulare Holzfassade
Die Außenwände sind als leichte Holzkonstruktion ausgebildet und dem weit gespannten Tragwerk untergeordnet. Geschlossene Fassadenbereiche sind mit horizontal profilierten Paneelen aus Douglasienholz bekleidet, die in einem regelmäßigen Raster angeordnet sind. Darüber bilden Holzlamellen eine durchgängige Lüftungszone, filtern das Tageslicht und wirken schallmindernd. Das modular konzipierte Tragwerk besteht aus drei unterschiedlichen Grundtypen, die sich jeweils vierfach wiederholen. Die Holzelemente wurden weitgehend vorgefertigt und anschließend vor Ort montiert. Damit ließ sich die Montagezeit auf der Baustelle verkürzen und eine hohe Ausführungspräzision erreichen.
Bautafel
Architektur: K Architectures, Paris
Projektbeteiligte: EVP Ingénierie, Paris (Statik); Area Études, Nantes (Technische Gebäudeausrüstung); Ecallard Économiste, Paris (Kostenplanung); Altia Acoustique, Paris (Akustikplanung); Société Ascot, Lorient (Bauablaufkoordination)
Bauherr/in: Lorient Agglomération
Fertigstellung: 2025
Standort: Rue Victor Hugo, 56700 Hennebont, Frankreich
Bildnachweis: Yon de Poncins
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