Refuga Wintergarden Tower in Hasselt

Revitalisierung eines historischen Kasernengeländes

Im belgischen Hasselt hauchte das Entwurfsteam um Atelier Kempe Thill architects and planners dem Gelände der alten Herkenrode-Kaserne neues Leben ein. Die Planenden schlugen eine Umnutzung und Nachverdichtung des historischen Blocks im Stadtzentrum vor, die den Bestand durch neue räumliche und gestalterische sowie soziale und ökologische Qualitäten ergänzt. Entstanden ist auf dem ehemaligen Exerzierplatz ein neungeschossiger Wohnsolitär, der sich mit einer gläsernen Ummantelung zu allen vier Seiten hin öffnet.

Verantwortlich für seine Realisierung zeichnet das Rotterdamer Planungsbüro, Atelier Kempe Thill architects and planners.
Der quaderförmige Neubau zeichnet sich durch eine stark horizontale, modernistische Struktur mit insgesamt neun Geschossen aus.
Umlaufende, an den Gebäudeecken leicht auskragende Wintergärten umschließen das gedämmte Gebäudevolumen und ermöglichen Bewohner*innen auch in den kalten Jahreszeiten weite Ausblicke über die Innenstadt.

Wettbewerb und Städtebau

Gemeinsam mit Abscis architecten, UAU Collectiv und LAND landschapsarchitecten gewann das Planungsbüro aus Rotterdam im Jahr 2015 den geladenen Wettbewerb für die Entwicklung des Kasernenblocks. Herzstück des Entwurfs ist – neben dem gläsernen Neubau  eine öffentlich zugängliche Parkanlage im Blockinneren, die über drei in die Bestandsbebauung integrierte Eingänge mit dem umliegenden Stadtraum verbunden ist. Das ehemalige Refugium der „Schwestern der Abtei von Herkenrode“ – erbaut im Jahr 1544 und namensgebend für das Bauprojekt – sowie einige Kasernenbauten aus dem späten 19. Jahrhundert wurden im Rahmen der Quartiersentwicklung zu Wohnbauten umgebaut.

Hochhaus im Block

Der quaderförmige Neubau im Zentrum des früheren Kasernen-Areals ergänzt das notwendige Wohnangebot und zeichnet sich durch eine stark horizontale, modernistische Struktur mit insgesamt neun Geschossen aus. Trotz des gestalterischen Kontrasts zur umliegenden flämischen Backsteinarchitektur sowie seiner Höhe, die deutlich über die Traufkanten der Blockrandbebauung hinausragt, fügt sich das Appartementhaus in das Gesamtensemble ein, ohne es zu dominieren. Die Konstruktion, bestehend aus einem zentralen, tragenden Erschließungskern mit zwei Aufzügen und innenliegendem Treppenhaus, acht zusätzlichen Stützen und der Gebäudehülle, ermöglichte eine flexible Grundrissgestaltung in Zusammenarbeit mit zukünftigen Bewohner*innen auf allen Etagen. Das Erdgeschoss und das erste Obergeschoss fassen die Planenden zu Maisonette-Wohnungen zusammen; die Geschosse darüber sind eingeschossigen Apartments vorbehalten. Im Attikageschoss, das leicht zurückspringt, sind zwei Penthäuser untergebracht. Insgesamt bietet der Neubau Platz für 50 Appartements mit Wohnflächen zwischen 47 und 190 Quadratmetern. Unter dem Gebäude befindet sich eine zweigeschossige Tiefgarage.

Gestapelte Wintergärten

Umlaufende, an den Gebäudeecken leicht auskragende Wintergärten umschließen das gedämmte Gebäudevolumen und vergrößern die Wohnungen nach außen. Die Balkonflächen sind an der Ost- und Westseite 2,70 Meter tief, auf der Nord- und Südseite jeweils 1,70 Meter. Je nach Wohnungsgrundriss variieren sie in ihrer Länge. Flächenbündige Schiebeglaselemente erfüllen die gewünschten Schall-, Wind- und Wetterschutzeigenschaften und stellen gleichzeitig fließende Innen-Außen-Bezüge mit der Parklandschaft im Innenhof her. Die transparenten Fassadenteile sind vor die Absturzsicherung montiert und lassen sich dank vereinfachter Selbstöffnung und Soft-Close-Verschluss mühelos öffnen und schließen. Zusätzlich gewährleistet eine obere Aushebesicherung maximale Sicherheit, auch unter starken Windbelastungen.

Wintergärten haben nicht nur den Vorteil, dass sie die Outdoor-Saison um einige Monate verlängern, sondern sie bringen auch ökologische sowie sozio-ökonomische Pluspunkte mit sich: Im Sommer, bei hoch stehender Sonne vermeiden sie den zusätzlichen Wärmeeintrag in die Wohnung, während sie im Winter, bei tief stehender Sonne, dazu beitragen, den Heizwärmebedarf zu reduzieren.

Bautafel

Architektur: Atelier Kempe Thill architects and planners, Rotterdam, Niederlande
Projektbeteiligte: Abscis Architecten, Ghent (Städtebau + Architektur); UAU Collectiv, Hasselt (Städtebau + Architektur); LAND landschapsarchitecten, Antwerpen (Landschaftsarchitektur); Mint NV, Michelen (Verkehrsplanung); VK architects & engineers, Merelbeke (Tragwerksplanung + Gebäudetechnik); Solarlux, Nijverdal, Niederlande (Hersteller Wintergarten Fassade 2. - 7. Geschoss: Schiebesystem SL 23, Verglasung ESG = 12 mm; Einzelelemente: 240 Stück (B x H) = 1.160 x 2.670 mm; 432 Stück (B x H) = 1.110 x 2.670 mm)
Bauherr*in: Herkenrode Construct NV, Hasselt, Belgien
Fertigstellung: 2022
Standort: Mechtildis de Lechyplein 1, 3500 Hasselt, Belgien
Bildnachweis: Ulrich Schwarz, Berlin

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Glaswände/​Balkone

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