Rainforest Walk in Brisbane

Stadtpark mit endemischen Pflanzen und soziokultureller Bedeutung

Im Stadtzentrum der australischen Metropole Brisbane führt ein hölzerner Steg durch einen subtropischen Regenwald als Stadtpark, der mit historischer, botanischer und klimatischer Bedeutung zur Wertschätzung endemischer Natur beiträgt.

Der Wald ist über einen etwa 200 Meter langen Holzsteg mit Plattformen zum Verweilen begeh- und erlebbar.
Im Regenwald wachsen Pflanzen wie beispielsweise Asplenium nidus, Bird's Nest Farn, Nestfarn, der an anderen Pflanzen wie Baumstämmen siedelt.
Der Aufenthalt im Park ist ausgesprochen angenehm, denn die schattige Feuchtigkeit mildert spürbar die Hitze der Stadt.

World Expo 88

1988 richtete die Hauptstadt des australischen Bundesstaats Queensland, Brisbane, die World Expo aus. Ihre feierliche Eröffnung erfolgte durch Queen Elizabeth II als Staatsoberhaupt des Commonwealth of Australia. Entlang des Südufers des Brisbane River entstanden internationale Pavillons und Installationen auf und neben dem Wasser. Das Gelände eignete sich hervorragend für die Weltausstellung. Es lag zentral zum Central Business District (CBD), dem Stadtzentrum, und hatte als Keimzelle der Stadtgründung im 19. Jahrhundert historische Bedeutung. Zudem war das Gelände nach einem Industrieboom vor und während des Zweiten Weltkriegs, als Brisbane zeitweise den alliierten Streitkräften im südwestpazifischen Raum als Hauptquartier diente, jahrzehntelang eine vernachlässigte Brache, die eine städtebauliche Neuorganisation erforderte.

Entstehung von Brisbane

Genau an der Stelle der World Expo, dem Territorium zweier indigener Stämme, den Turrbal und den Yuggera, wuchs ursprünglich ein dichter subtropischer Regenwald. Ab etwa 1820 wurde der Regenwald von Sträflingen gerodet, die an der Moreton Bay eine Strafkolonie errichteten. Sie war eine von mehreren Kolonien entlang der australischen Küste für aus England deportierte Strafgefangene. Bald ließen sich an den Ufern der Bucht auch Siedler nieder, die den fruchtbaren Boden für die Landwirtschaft nutzten. Die Nähe zum Fluss bot eine lebenswichtige Voraussetzung für die Siedler: Süßwasser. Ein zusätzlicher Vorteil lag darin, dass der Fluss in eine Bucht mündet, die eine Verbindung zum Ozean herstellt, vor dem sie gleichzeitig schützt. 1842 wurde die Strafkolonie aufgelöst. Aus der Siedlung am südlichen Flussufer entstand das heutige Brisbane. Die World Expo 88, die mit 15,7 Millionen Besuchern ein großer Erfolg war, verlieh Brisbane schließlich einen Aufschwung in der Entwicklung zur bedeutenden Metropole im südpazifischen Raum.

Nachnutzung Expo-Gelände und Masterplan

Nach der Expo und dem Rückbau der Pavillons stellte sich die Frage nach einer sinnvollen Nachnutzung des Areals. Die Bevölkerung forderte entschieden, es als urbanen öffentlichen Freiraum zu erhalten. Basierend auf diesem Votum wurde ein Masterplan für die Nachnutzung erarbeitet und umgesetzt. Es entstanden Parks, Spazier-, Jogging- und Radwege, öffentliche Schwimmbecken als Lagune mit Sanitär- und Umkleidehäuschen, Kinderspielplätze, Cafés und Restaurants. Auch kulturelle Institutionen wie Teile der Griffith Universität und ein Konferenz- und Ausstellungszentrum wurden errichtet.

Botanischer Stadtpark, Verantwortung und Deklaration

Der Masterplan trägt der soziokulturellen Bedeutung des Flussufers für die Ureinwohner Rechnung, indem ein Teilbereich der Uferlandschaft gezielt als botanischer Park aufgeforstet wurde, um den Zustand vor der Rodung zu rekonstruieren. Der so geschaffene Stadtpark wurde Rainforest Walk getauft – wörtlich „Regenwaldspaziergang“ – und beherbergt ausschließlich endemisch subtropische Pflanzen. Ein Schild am Eingang des Parks erinnert an die historische Verantwortung und unterstreicht deren Bedeutung: „We acknowledge the Traditional Custodians of this land, and recognize their continuing connection to land, water and community. We pay respect to Elder's past, present and emerging.(„Wir würdigen die traditionellen Hüter dieses Landes und erkennen ihre anhaltende Verbindung zu Land, Wasser und Gemeinschaft an. Wir zollen der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Ältesten Respekt.“)

Der Rainforest Walk befindet sich in der Nähe der Neville Bonner Bridge am Südufer des Brisbane River zwischen der Clem-Jones-Promenade und dem Great-Arbour-Pegola-Fußweg. Seit der Stadtpark 1992 für die Öffentlichkeit freigegeben wurde, hat er sich zu einem spektakulär dichten, feuchten und schattigen Urwald entwickelt. Über einen etwa 200 Meter langen Holzsteg mit einzelnen Plattformen zum Verweilen ist der Wald begeh- und erlebbar. Der Steg führt über Wurzeln, Teppiche aus Farnen, Gräsern und unzähligen Dolden aus Früchten und Blüten, Tümpeln und kleine Wasserläufe. Eine Regenwasser-Wiederaufbereitung gewährleistet die konstante Feuchtigkeit. Der Steg endet in einem Bambushain neben einer nepalesischen Friedens-Pagode, die als Artefakt der World Expo 88 erhalten wurde.

Endemische Vegetation

Für den Regenwald-Park wurden endemische Baumarten ausgewählt und gepflanzt. Da manche Namen denen anderer Bäume zum Verwechseln ähneln, wie beispielsweise Zeder, Eiche oder Tulpenbaum, sind hier zur präziseren Kennzeichnung die botanisch-wissenschaftlichen Bezeichnungen aufgelistet:

  • Toona ciliata, Australische Rote Zeder, wurde von den frühen Siedlern auch wegen des weichen, leichten aber gleichzeitig strapazierfähigen Holzes „rotes Gold“ genannt. Der Baum kann bis zu 60 m hoch werden und einen Stammumfang von bis zu 3,00 m erreichen. Nach jahrzehntelanger Rodung respektive Holzernte ist das Vorkommen inzwischen stark dezimiert.

  • Castanospermum australe heißt auch Black Bean, Bohnenbaum oder Australische Kastanie. Der bis zu 40 m hohe Baum trägt gelbe und rote Blüten, die sich zu bohnenartigen Samen entwickeln. Diese Samen dienen als Nahrung für Vögel, Fledermäuse und Schmetterlinge und wurden zudem von den Aborigines verzehrt.

  • Elaeocarpus grandis wird Blue Quandong genannt, weil er leuchtend blaue Früchte hervorbringt, die als Nahrung bei Cassowaries, Kasuaren, beliebt sind. Kasuare sind flugunfähige Laufvögel mit einem tiefblauen federlosen Hals. Sie sind heute vom Aussterben bedroht und streng geschützt.

  • Aleurites moluccanus, Candle Nut oder Lichtnussbaum. Die etwa 4 – 6 cm langen Früchte enthalten ein Öl, das für Kerzen verwendet werden kann und daher namensgebend ist.

  • Ficus microcarpa var. hillii, Hill's Weeping Fig, ist mit seinen dichten und glänzend dunkelgrünen Blättern an herabhängenden Ästen ein idealer Schattenspender.

  • Araucaria cunninghamii, Hoop Pine oder Neuguinea-Araukarie, kann bis zu 450 Jahre alt und 60 m hoch werden. Die Aborigines nutzten das Harz als Klebstoff. In Deutschland wird dieser Baum in Töpfen als Zimmerpflanze angeboten.

  • Brachychiton acerifolius, Flame Tree oder Australischer Flammenbaum, wirkt prächtig mit hellrot leuchtenden glockenförmigen Blüten.

  • Agathis robusta, Kauri Pine oder Kaurifichte, gehört zur uralten Gruppe der Araucariaceae, die auf dem sagenumwobenen Gondwana lange vor unserer Zeitrechnung wuchsen. Gondwana war vor schätzungsweise 200 Millionen Jahren ein aus dem heutigen Südamerika, Afrika, Indien, der Antarktis und Australien zusammengesetzter Großkontinent.

  • Diploglottis australis, native Tamarinde, kann bis zu 35 m hoch werden. Die Früchte dieses Baumes sind Nahrung für zahlreiche Vögel wie dem Satin Bowerbird, dem blauviolett gefiedertem Seidenlaubenvogel.

  • Melia azedarach, White Cedar oder auch Paternosterbaum, gehört zur Familie der Mahagoni-Gewächse und kann unter optimalen Bedingungen bis zu 45 m hoch werden. Die lila Blüten des Baumes wirken sehr dekorativ, entwickeln sich allerdings zu giftigen Früchten in der Größe von Murmeln.

  • Grevillea robusta, Silky Oak, Australische Silbereiche, ist nicht mit Eichen verwandt. Der Baum trägt Farnen ähnliche Blätter mit gold-orangen flaschenbürstenartigen Blüten und kann bis zu 35 m hoch werden.

  • Harpullia pendula, Tuliptree, ist im Vergleich zu den anderen Bäumen mit einer Höhe von 15 m relativ klein, jedoch in Queensland ein beliebter und robuster Straßenbaum. Er verträgt sowohl die salzhaltige Luft des Ozeans als auch städtischen Schmutz.

  • Ficus benjamina, Weeping Fig oder auch Birkenfeige, ist in Deutschland als Zimmerpflanze bekannt und beliebt. In seiner Heimat Queensland, Papua Neu-Guinea und Südostasien kann dieser Baum bis zu 30 m hoch werden und wird als immergrüner Schattenspender geschätzt.

Der botanische Regenwald enthält zahlreiche weitere Pflanzen wie beispielsweise:

  • Lomandra longifolia, Spring-headed Mat Rush, auch bekannt als Korbgras
  • Hibberta scandens, Climbing Guinea Flower, eine Kletterpflanze aus der Familie der Reben, auch Goldwein genannt, mit hell leuchtenden gelben Blüten
  • Asplenium nidus, Bird's Nest Farn, Nestfarn, siedelt an anderen Pflanzen wie Baumstämmen
  • Molineria capitulata, Weevil Lily, Palmengras

Lebensraum und urbane Bedeutung
Während einige dieser Pflanzen in Deutschland als beliebte Topfpflanzen auf Fensterbänken und in Wintergärten gedeihen, ist es phänomenal, sie in ihrem natürlichen Habitat zu sehen und über ihre Größe, Pracht und Farbigkeit zu staunen.

Die Pflanzen sind zudem Lebensraum für die heimische Fauna. Vögel, Insekten, Spinnen und Reptilien finden hier ihr natürliches Refugium. Ein vielstimmiges Gezwitscher verweist auf Vögel, die sich im Blattwerk verbergen, weiße Ibisse picken zwischen dem Laub und Echsen wie die Australische Wasseragame sonnen sich in Lichtinseln am Ufer eines Tümpels.

Der Rainforest Walk führt als botanischer Lehr- respektive biodiverser ökologischer Informationspfad durch den subtropischen Regenwald. Er lädt zu einem Spaziergang durch die Zeit vor der Stadtgründung ein und macht die heimische Flora und Fauna Nordost-Australiens mit allen Sinnen erlebbar – durch Hinsehen, Hinhören und Riechen. Die zahllosen Grüntöne, das Tropfen und Rieseln des Wassers, das Rascheln der Blätter und Knarren der Äste bieten den Besucher*innen eine Auszeit in der Natur mitten in der Metropole. Die schattige Feuchtigkeit lindert spürbar die städtische Hitze und macht den Aufenthalt besonders angenehm. Der Park erfüllt damit nicht nur eine komplexe gesellschaftliche, sondern auch eine wichtige klimatische Funktion als grüne Stadtoase.

Der äußerst gepflegte Park ist ohne Eintritt öffentlich zugänglich. Er wird als Teil eines übergeordneten nachhaltig-grünen Masterplans von der South Bank Corporation, einer bundesstaatlichen Behörde mit kommunaler Beteiligung, verwaltet und instandgehalten. Zur Sicherheit wird er ebenso wie die angrenzenden Grünanlagen videoüberwacht. Das Konzept eines solchen innerstädtischen Ökologie- und Informationsparks ist vorbildlich – auch für andere Städte.

Autorin: Prof. Dr.-Ing. Susanne Junker, Berlin

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Neben den Schloss-, Volksparks, wissenschaftlich-botanischen und privaten Gärten sind in den letzten Jahren neue Formen entstanden, wie z. B. urban farming, urban gardening, guerilla gardening, Agritecture (im Bild: Vertikaler Garten von Patrick Blanc, Rue d'Aboukir, Paris).

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