Quartierspark Infonavit Santa Fe in Mexiko-Stadt
Kreise im Hang
Am westlichen Rand von Mexiko-Stadt zieht sich die Wohnsiedlung Infonavit Santa Fe über eine zerklüftete Schluchtenlandschaft. Infonavit, der nationale Wohnungsbaufonds Mexikos, fördert Wohneigentum für Arbeiter*innen und Angestellte. Viele der von ihm geprägten Siedlungen sind inzwischen mehrere Jahrzehnte alt und vor allem ihre gemeinschaftlich genutzten Außenräume zeigen Erneuerungsbedarf. In Santa Fe kommen steile Hänge, dichter Baumbestand und die kleinteilige Bebauung erschwerend hinzu. Eine der verbliebenen Restflächen, am südlichen Rand der Siedlung, hat AMASA Estudio bis 2025 neu geordnet.
Das dreieckige Grundstück liegt zwischen zwei unterschiedlich hohen Straßen und fällt zum angrenzenden öffentlichen Sportzentrum um mehr als sechs Meter ab. Wo zuvor ein beschädigtes Basketballfeld auf schlecht verdichtetem Untergrund lag, entstand ein kleiner Quartierspark mit Mehrzweckraum, Spiel- und Sportangeboten. Beton zieht sich durch die gesamte Anlage: Er fasst den Hang, bildet Wege und Sitzstufen, trägt das Sportfeld und verbindet die verschiedenen Niveaus zu einer zusammenhängenden Landschaft.
Kreisgeometrie statt Restfläche
Ausgangspunkt des Entwurfs war eine schwierige Gemengelage. Regenwasser floss unkontrolliert über das Gelände, in tieferen Bereichen sammelten sich Wasser und Schlamm, zudem kam es zu Rutschungen. Dies galt es zu ändern. Zugleich sollte der Bestand aus Eukalyptus, Kiefern und Colorín-Bäumen erhalten bleiben. Das bestehende Basketballfeld, eine Betonplatte ohne ausreichende Entwässerung, war bereits gerissen. Für das geforderte Raumprogramm blieb auf dem kleinen Areal kaum Platz.
AMASA Estudio reagierte darauf mit einer Geometrie, die mehrere Probleme zugleich löste. Im Zentrum liegt ein zylindrischer, in den Hang geschobener Mehrzweckbau, um den sich kreisrunde Freiflächen staffeln. Ein terrassierter Weg führt von der unteren Straße am Zylinder vorbei zu den höher gelegenen Zonen mit ihren Sport- und Spielgeräten. Über eine kleine Treppe erreicht man das Basketballfeld auf dem Dach des Rundbaus. Von der oberen Straße lässt sich diese Ebene direkt betreten.
Die runden Formen vermeiden schmale Restzonen an den Grundstücksgrenzen und ließen sich zwischen den vorhandenen Bäumen platzieren. Nach Angaben des Büros war die Kreise weniger eine formale Geste als eine direkte Antwort auf Topografie, Vegetation, Tragwerk und Wasserführung. Selbst die Lage des Gebäudes wurde während der Planung noch verschoben, damit insbesondere die empfindlichen Wurzeln der Colorín-Bäume unberührt blieben.
Ein Dach als Spielfeld
Der 230 Quadratmeter große Innenraum des Mehrzweckbaus kann als zusammenhängender Saal genutzt oder in zwei Bereiche geteilt werden. Rundbogenförmige Öffnungen schneiden sich in die Außenwand und öffnen den Raum zum Park. Im Inneren bleibt die Konstruktion sichtbar: Über runden Betonstützen laufen radiale Träger auf einen zentralen Druckring zu. Dadurch erhält die Decke eine schirmartige Struktur.
Darüber liegt eine doppelte Betonplatte, die zwei Aufgaben übernimmt. Sie schließt den Saal nach oben ab und bildet zugleich die konstruktive Basis für das Basketballfeld. Das Dach wird damit zur intensiv genutzten Freifläche. Ein rotes Schutzgitter folgt dem Kreisumfang und fasst das Spielfeld, während die Unterseite der Decke als Betonkonstruktion als raumprägendes Tragwerk in Erscheinung tritt.
Beton als durchgängiges Material
Ursprünglich hatte AMASA Estudio den Pavillon in Sichtmauerwerk gedacht. Die großen Stützwände und die komplexe Tragstruktur führten jedoch früh zu einer anderen Materialentscheidung. Ortbeton ließ sich konstruktiv direkter einsetzen und zugleich als fertige Oberfläche belassen. Das Büro entwickelte eine warme, erdige Farbigkeit, die auf Boden, Vegetation und die bestehenden Bauten der Siedlung reagiert.
Dafür wurde dem Frischbeton vor dem Gießen ein synthetisches Eisenoxidpigment beigemischt. Der farbige Beton kam bei Stützen, Wänden, Unterzügen und Decken ebenso wie bei zahlreichen Elementen im Außenraum zum Einsatz und lässt die unterschiedlichen Bauteile als zusammenhängendes System erscheinen. Je nach Lichtstimmung reicht der Ton von gedämpftem Rosa bis zu kräftigem Rotbraun. Die Schalungsabdrücke blieben sichtbar und geben den großen Wandflächen zusätzlich eine feine horizontale Textur.
Auch im Freiraum übernimmt Beton mehrere Rollen. Stützmauern sichern die Geländesprünge, Treppen überwinden kurze Höhenunterschiede, breite Stufen werden zu Sitzplätzen. Die Architektur arbeitet mit den Abstufungen des Hangs. Das Zusammenspiel zeigt sich vor allem an den Übergängen von massiven Bauteilen und bepflanzten Terrassen sowie an den gerundeten Mauern, die sich zwischen den Baumstämmen einfügen.
Wasser, Wurzeln und Witterung
Weil das Grundstück am tiefsten Punkt der Wohnanlage liegt, musste Regenwasser von Beginn an im Entwurf berücksichtigt werden. Das Team integrierte in die Freiraumplanung mehrere Versickerungsbrunnen, die Oberflächenwasser aufnehmen und in den Untergrund leiten. Damit reagiert die Anlage auf ein Problem, das die Fläche zuvor regelmäßig belastet hatte. Die kreisförmigen Geometrien halfen auch hier, Entwässerung, Wegeführung und Baumbestand auf engem Raum aufeinander abzustimmen.
Die Sichtbetonflächen sind im Außenraum dauerhaft der Witterung ausgesetzt. Nach dem Aushärten erhielten sie deshalb eine transparente, siliziumbasierte Imprägnierung. Vorab testete das Büro verschiedene Produkte, da die Oberfläche weder glänzen noch durch einen sichtbaren Film verändert werden sollte. Die Behandlung reduziert das Eindringen von Feuchtigkeit und die Gefahr von Ausblühungen, während Farbe und Textur des Betons erhalten bleiben. Das Dach besitzt zusätzlich eine eigenständige Abdichtung.
So entsteht aus einem einzigen Material eine große Bandbreite: Beton trägt und stützt, führt durch das Gelände, bildet Aufenthaltsorte und schafft die robuste Basis für den Sportplatz. Zwischen Hang, Bäumen und den beiden Straßenniveaus zieht sich der pigmentierte Ortbeton wie ein roter Faden durch die Anlage und bindet die einzelnen Teile des Parks zusammen.
Bautafel
Architektur: AMASA Estudio (Andrea López, Agustín Pereyra)
Projektbeteiligte: Roxana León, Jose Luis Flores, Gerardo Reyes, Yanahi Flaviel (Projektteam / Mitarbeit); Juan Felipe Heredia, Carlos Caballero, Eric Caballero (Tragwerksplanung); Germán Muñoz (Ingenieurbau / TGA); Gabriel Briseño (Lichtplanung); Maritza Hernández (Landschaftsarchitektur); Desarrolladora de Ideas y Espacios / Alberto Cejudo (Bauunternehmung / Bauausführung)
Bauherr*in: INFONAVIT (Instituto del Fondo Nacional de la Vivienda para los Trabajadores)
Fertigstellung: 2025
Standort: Calle Cañada Verde, Unidad Habitacional INFONAVIT Santa Fe, Álvaro Obregón, 01279 Mexiko-Stadt, Mexiko
Bildnachweise: Zaickz Moz, Gerardo Reyes Bustamante (Fotos), AMASA Estudio (Pläne)
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