Quartier M in München

Wohnungsvielfalt und schallreduzierende Balkonverglasungen in Moosach

Das Wohnungsangebot in München ist knapp und die Mieten sind hoch – die Suche nach den eigenen vier Wänden in der bayerischen Landeshauptstadt kann entsprechend mühsam sein. Um dieser Situation entgegenzuwirken, haben die Stadtwerke München (SWM) eine Wohnbauoffensive initiiert: Bis 2030 sollen zusätzlich zu den derzeit 1.300 Bestandseinheiten bis zu 2.000 weitere Wohnungen geschaffen werden. Ein Teil dieser städtebaulichen Aufgabe zeigt sich seit 2022 im Münchner Stadtteil Moosach. In unmittelbarer Nähe des Olympiastadions gelegen, vereint ein länglicher Neubau 118 Werkswohnungen unter einem Dach. Entworfen wurde der Wohnkomplex an der Hanauer Straße vom Architekturbüro Superblock Ziviltechniker.

Seit 2022 vereint das achtgeschossige Gebäude 118 Werkswohnungen der Stadtwerke München unter einem Dach.
Der neue Quartierbaustein schließt direkt an das benachbarte Bestandsgebäude „Hybrid M“ an, das als L-förmige Mantelbebauung den MVG-Busbetriebshof Moosach auf zwei Seiten umschließt.
Der Haupteingang zum vorgelagerten Sockelbau befindet sich auf der Westseite des Gebäudes an der Hanauer Straße.

Städtebauliche Einbindung

Mit ihrem Wettbewerbsentwurf überzeugen konnten die Planenden aus Wien unter anderem durch die direkte Anbindung des Wohnkomplexes an das benachbarte Bestandsgebäude Hybrid M, das als L-förmige Mantelbebauung den MVG-Busbetriebshof Moosach auf zwei Seiten umschließt. Der neue Quartiersbaustein, genannt Quartier M, ergänzt das Ensemble als achtgeschossiger Gebäuderiegel mit vorgelagertem, dreigeschossigem Sockelbau und schließt die dritte Seite des Areals nach Süden ab. An der Hanauer Straße fügt sich der Neubau nahtlos an die bestehende Bebauung an und übernimmt deren Traufhöhe. Auch die Materialwahl orientiert sich am Bestand und schafft ein einheitliches Stadtbild.

Hochwertiges Wohnambiente

Von Ein-Zimmer-Appartements bis zu familienfreundlichen 5-Zimmer-Wohnungen bietet Quartier M eine vielfältige Auswahl an Wohnungsgrößen und -typen. Den Großteil der Wohneinheiten – hauptsächlich 2-, 3- und 4-Zimmer-Wohnungen – nimmt der achtgeschossige Riegelbau auf, in dessen ersten beiden Geschossen eine Garage Platz findet. Im zweiten Obergeschoss stehen kleine Atelier- und Hobbyräume zur Anmietung bereit; die Wohnungen sind im 3. bis 7. Obergeschoss untergebracht und werden über Laubengänge auf der Nordseite des Gebäudes erschlossen. In dem vorgelagerten, dreigeschossigen Wohnriegel befinden sich Maisonette-Wohnungen. Die Dachfläche des niedrigeren Gebäudeteils dient als Gemeinschaftsterrasse. Holzparkettböden, Holz-Alu-Fenster sowie Balkone oder Terrassen, über die jede Wohneinheit verfügt, schaffen ein helles, freundliches und hochwertiges Wohnambiente.

Dynamisches Fassadenbild

Die Balkone der Wohnungen erstrecken sich über die gesamten Fassadenbreiten der Ost-, Süd- und Westseite und mindern die Massivität des Baukörpers als umlaufendes Gestaltungselement. Auch der champagnerfarbene Blend- und Sonnenschutz sorgt für optische Leichtigkeit: Raumhohe Lochblechpaneele lassen sich beliebig verschieben und schaffen ein lebendiges Fassadenbild.

Akustische Optimierung der Gebäudehülle

Aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens mit entsprechend hohem Lärmpegel lag ein besonderes Augenmerk auf dem Schallschutz der Ost- und Westfassade. Gemäß den Vorgaben der Stadt München durfte „in der Mitte des Außenwohnbereichs ein Verkehrslärmpegel von 59 dB(A) tagsüber nicht überschritten werden“. Um diese Anforderung zu erfüllen, entschieden sich die Planenden für Balkonverglasungen in Form eines raumhohen Schiebe-Dreh-Systems mit Ganzglasscheiben von Solarlux. Die eingesetzten Bauelemente SL 25 und SL 25 XXL reduzieren den Schall um bis zu 22 dB Rw,P (Rw = Richtwert, P = Prüfwert / d.h. Messungen im Labor ergaben, dass die geprüften Bauelemente den Geräuschpegel um 22 dB reduzieren).

Die Balkonzonen der Ost- und Westseite sind von außen nach innen dreistufig aufgebaut: beweglicher Blend- und Sonnenschutz, Staketengeländer als Absturzsicherung und die schallreduzierende Verglasung. Jedes Glaselement ist 2,50 Meter hoch, kann einzeln um 90° aus der Schiebeebene gedreht und platzsparend als kompaktes Glaspaket an der Seite geparkt werden. In der Wohnbebauung erreicht das Schiebe-Dreh-System eine Länge von bis zu 10 Metern.

Ganzjährige Nutzung des Außenraumes

Neben der Erfüllung der Schallschutzanforderungen bietet die bewegliche Verglasung zusätzliche Vorteile: Als Pufferzone reduziert sie durch solare Einträge die Transmissionswärmeverluste im Winter, schützt die Balkonkonstruktion und -möblierung vor Witterungseinflüssen und ermöglicht die Nutzung der Balkone zu jeder Jahreszeit.

Bautafel

Architektur: Superblock Ziviltechniker, Wien
Projektbeteiligte: CL MAP, München (Ausschreibung/Bauleitung); YEWO Landscapes, Wien / toponauten, Freising (Landschaftsarchitektur); IFB Sorge, Nürnberg (Bauphysik); PHIplan - Anton Pavic, Grabenstätt (Brandschutz); Gammel Engineering, Abensberg (Haustechnik); Berk + Partner, München (Statik); Brunner + Co., München (Baumeister); Solarlux, Melle (Hersteller Balkonverglasung: Schiebe-Dreh-System SL 25 und SL 25 XXL)
Bauherr*in: Stadtwerke München
Standort: Hanauer Str. 20, 80992, München
Fertigstellung: 2022
Bildnachweis: Oliver Heissner / oliverheissner.de; Superblock Ziviltechniker (Pläne)

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