Psychiatrisches Zentrum in Pamplona

Erweiterung in Beton, den die Geschichte prägt

Eine luftige und lichte Struktur war ursprünglich charakteristisch für diesen denkmalgeschützten Klinikkomplex aus dem 19. Jahrhundert: An die U-förmige Grundstruktur des Psychiatrischen Zentrums San Francisco Javier dockten seitlich kürzere Riegel an, zwischen den symmetrisch angeordneten Baukörpern blieb viel Platz für Grünraum. Der enge Landschaftsbezug war im Laufe der Zeit durch verschiedene An- und Neubauten ebenso verloren gegangen wie die ursprüngliche Kubatur der Anlage.

Für alle Planungen sind Vaillo + Irigaray Architects verantwortlich.
 Statt auf einen plakativen Kontrast zwischen alt und neu zu setzen, greift die Erweiterung gewisse Elemente des Bestands auf und macht dennoch die verschiedenen Zeitschichten sichtbar.
Bestehende Gebäudeflügel wurde aufgedoppelt, verlängert und mit einem neuen Dach versehen.

Nach einem Masterplan von Vaillo + Irigaray Architects sollen nach und nach die Qualitäten der ursprünglichen städtebaulichen Komposition wieder hergestellt werden (Abb. 21). Es sollen jedoch keine Flächen verloren gehen – im Gegenteil: Für einen sinnvollen Betrieb sind zusätzliche Räume zur Unterbringung von Patienten nötig. Die lokal ansässigen Planer konnten auch den Wettbewerb für die beiden ersten Bauabschnitte für sich entscheiden und setzten damit den Maßstab für weitere Baumaßnahmen.

Aufgreifen vorhandener Elemente ohne Nachahmung

Ihr Entwurf sieht vor, die einhüftigen Bestandsbauten von Anbauten zu befreien, instand zu setzen und mit an die Längsseiten anschließenden Riegeln zu zweihüftigen Flügeln mit Räumen auf beiden Seiten des Korridors zu erweitern. Zudem verlängerte das Planungsteam die Gebäuderiegel, wobei das gestalterische Prinzip der Vereinigung von zwei Baukörpern beibehalten wurde. Statt auf einen plakativen Kontrast zwischen alt und neu zu setzen, greift die Erweiterung bestimmte Elemente des Bestands auf und macht doch die verschiedenen Zeitschichten sichtbar.

Das geschieht vor allem im Bereich der Fassaden: Für die instandgesetzten Abschnitte und die neuen Obergeschosse wählte man einen Beton, der farblich mit dem Altbau harmoniert. Die Betonoberfläche erhielt ein Relief, das die ornamentalen Bögen über den Fensteröffnungen des Bestands nachzeichnet. Damit stellen die Ergänzungen einen Bezug her, ohne sich durch Nachahmung anzubiedern.

Betondächer mit unterschiedlichen Neigungen

Das Erdgeschoss der Neubauten ist mit einer umlaufenden Verglasung durch und durch zeitgenössisch. Weil es leicht zurückversetzt wurde, tritt es optisch in den Hintergrund. Weitere Kennzeichen der Verwandlung sind die Dächer, die komplett neu gestaltet wurden: Eine Kombination aus spitzwinkeligem und sanft geneigtem, teils asymmetrischen Satteldach überdeckt die erweiterten Riegel. Die Dachflächen bestehen ebenfalls aus Sichtbeton. Durch die Ergänzungen gewinnt die Klinik viele neue, gut belichtete Räume für Patienten. Zugleich wird das Ensemble im Sinne der ursprünglichen Komposition aufgelockert und fortgeschrieben.

Pastellgelber Sichtbeton und ein Relief als Anspielung

Der Sichtbeton der neu hinzugefügten Elemente wurde in seiner Farbgebung und Textur an den Bestand mit gelblichen Ziegeln und gelbem Mörtel, der das Bruchsteinmauerwerk zusammenhält, angepasst. Dafür ließ man den Beton entsprechend pigmentieren. Zu einem großen Teil wurde selbstverdichtender Beton verwendet, sodass auch die Brüstungen und das Steildach in hoher Qualität verwirklicht werden konnten. Die geringer geneigten Dachflächen sind als zweischalige Konstruktion ausgeführt. Gedeckt wurden sie mit farblich auf die Fassaden abgestimmten Betonplatten.

Das Relief in der Betonfassade greift den Öffnungsrhythmus des Bestands auf. Neue Fenster sind davon unabhängig in der Außenwand platziert. Die oben bogenförmigen Laibungen wurden mithilfe von zusammengeschweißten Stahlrahmen betoniert, die man mit Schaltafeln belegte. Vor den Fenstern sind Blenden aus gelochtem Cortenstahl montiert, die das Licht filtern und die Fassade zusätzlich rhythmisieren. -chi

Bautafel

Architektur: Vaillo + Irigaray Architects, Pamplona
Projektbeteiligte: Antonio Vaíllo i Daniel, Juan L. Irigaray Huarte, Daniel Galar, Josecho Vélaz (Projektteam Architekturbüro); Opera Ingeniería, Pamplona (Tragwerksplanung); GE ingenieros, Navarra (Gebäudetechnik); Grupo Cetya, Navarra (Beton); Betonia Products, Olloniego (Pigmentierung)
Bauherrschaft: Gesundheitsamt Navarra (Servicio Navarro de Salud / Osasunbidea)
Standort: Centro Psicogeriatrico San Francisco Javier, Av de Villava, 53, 31015 Pamplona, Navarra, Spanien
Fertigstellung: 2017
Bildnachweis: Rubén P. Bescós, Madrid

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