Pontonbrücke bei Dilsen-Stokkem

Schwimmende S-Kurve

Am Rande des belgischen Nationalparks Hoge Kempen erstrecken sich die sogenannten Terhills, ein ehemaliges Tagebaugelände, das heute als Naherholungsziel dient. Bis in die 1990er-Jahre förderte man hier noch Steinkohle und Kies, heute füllt Wasser die einstigen Gruben und Bäume bedecken den Aushub. So entstand eine rund 356 Hektar große Landschaft aus Hügeln und Seen, die von dem Relief der Abraumhalden geprägt ist. Ein Urlaubsressort und ein Wassersportpark locken Besucher*innen, während Wanderrouten und Radwege das Gelände durchziehen. Seit 2024 verbindet nun eine neue schwimmende Brücke zwei Ufer der kleinen Seenlandschaft, die dank ihrer markanten Gestalt als neues touristisches Highlight der Region Limburg beworben wird. Der Entwurf der Pontonbrücke stammt von dem belgischen Landschaftsarchitekturbüro BuroLandschap.

Bis in die 1990er-Jahre förderte man hier noch Steinkohle und Kies, heute füllt Wasser die einstigen Gruben und Bäume bedecken den Aushub.
Der Brückenentwurf stammt von dem belgischen Landschaftsarchitekturbüro BuroLandschap.
Die rund 400 Meter lange schwimmende Brücke ist laut den Landschaftsarchitekt*innen die längste ihrer Art in Belgien.

Die rund 400 Meter lange schwimmende Brücke ist laut den Landschaftsarchitekt*innen die längste ihrer Art in Belgien. Sie dient als Verbindungsglied für das belgische Radnetz zwischen den Gemeinden Dilsen-Stokkem und Maasmechelen, doch Geschwindigkeit steht hier nicht im Fokus. Statt einer geradlinigen Verbindung von einem Ufer zum anderen beschreibt die Brücke eine S-Kurve. Diese zwingt Radfahrende, ihr Tempo zu verlangsamen, was ein entspannteres Miteinander mit Spaziergehenden fördert und zugleich den Blick in die Umgebung lenkt. Am westlichen Ufer erhebt sich der bewaldete Tweelingterril – der Zwillingsterril. Der Name deutet bereits an, dass auf der gegenüberliegenden Uferseite ein zweiter Terril liegt - das belgische Wort für Abraumhalde.

Die geschwungene Form der Brücke ist von Fibonaccis Formel für den Goldenen Schnitt inspiriert, so BuroLandschap. Ebenso präzise berechnet ist die schwimmende Konstruktion der Brücke. Diese soll sich dem Wasser anschmiegen, dabei aber nicht zu stark in Schwingung geraten. Daher besteht die Brücke aus dreißig schwimmenden Einzelelementen, die über seitliche Drehgelenke auf Bodenhöhe über Wasserniveau miteinander verbunden sind. Aufgrund dieser Modularität und dynamischen Eigenschaft kann sich die Brücke dem jeweiligen Wasserstand anpassen: Die Schwimmkörper können bis zu 1,3 Meter aufsteigen oder absinken. 

Trotzdem erscheint die Brücke filigran, was auch an der durchlässigen Stahlbrüstung liegt. Dünne vertikale Stahlemente krümmen sich in Richtung Handlauf leicht nach innen. An den Übergängen der einzelnen Schwimmelemente überlappen sich die Brüstungselemente mit einem geringen Zwischenabstand. So bleibt die Konstruktion flexibel und gewährt zugleich Sicherheit. -hs

Bautafel

Architektur: BuroLandschap, Hasselt
Projektbeteiligte: Tractebel (study agency); HYE (Bauunternehmen)
Bauherrschaft: Terhills NV, mit Finanzierung von der Gemeinde Limburg, Visit Limburg und LSM
Standort: Nationaal Parklaan 1, Dilsen-Stokkem, Belgien
Fertigstellung: 2024 
Bildnachweis: Pieter Rabijns (Fotos); BuroLandschap (Planmaterial)

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