Podcast: Kuratieren statt bauen
JUNG Talk: Architektur als Gestaltung gesellschaftlicher Verhandlungsräume
„Architektur ist, was Architekten machen“, sagt der Architekt Jan Kampshoff in der Podcast-Episode Kuratieren statt bauen des JUNG-Talks, wo er mit den Gastgebenden Dr. Uwe Bresan und Eva Herrmann über ein erweitertes Architekturverständnis redet. Kampfshoff ist Hochschullehrer und Gründer des Ateliers modulorbeat, in dem er mit einem interdisziplinären Team temporäre Interventionen, Zwischennutzungen und Umnutzungen in urbanen Räumen und die damit verbundenen Interaktionen mit den Menschen vor Ort plant.
Rund 35 Minuten dauert die Folge, die sich mit der Frage beschäftigt, wie Architektur Räume für Austausch, Konfliktbewältigung und gesellschaftliche Transformation schaffen kann und warum Architektur zunehmend keiner baulichen, sondern einer kuratorischen Praxis bedarf: Entscheidend sei, so Kampshof, Menschen, Orte und Themen miteinander in Beziehung zu setzen – Projekte als Verhandlungsräume zu sehen, in denen unterschiedliche gesellschaftliche Interessen sichtbar und diskutierbar werden.
Kampshoff argumentiert, dass gerade kulturelle Orte nicht primär als fertige Gebäude verstanden werden sollten, sondern als offene Plattformen für Begegnung, Beteiligung und gemeinsames Handeln. Temporäre Nutzungen, kulturelle Initiativen und experimentelle Formate könnten dabei Impulse für langfristige Stadtentwicklung setzen und neue gesellschaftliche Erzählungen ermöglichen. Denn dadurch werden Teilhabe und Akzeptanz vor allem bei Transformationsprozessen gefördert und gesellschaftliche Konflikte aufgezeigt, die sich mitunter gar nicht lösen ließen. Dann gelte es, diese Widersprüche auszuhalten, so Kampshoff. Das ist mühsam, aber vor allem bei Räumen für die Zivilgesellschaft unverzichtbar.
In dieser Episode wird klar: Baukultur ist ein sozialer, kultureller und demokratischer Prozess. Diesen zu begleiten, ist eine zunehmend wichtigere Kernaufgabe für Architekt*innen und erfordert neben planerischer und technischer Kompetenz vor allem Kommunikationsfähigkeit und Ergebnisoffenheit. Für Kampshoff beginnt das bereits in der Hochschule; er plädiert für kollaborative, interdisziplinäre Lehrformate, die Nachhaltigkeit, gesellschaftliche Verantwortung und Beteiligung stärker in den Mittelpunkt rücken.
Also resultiert, das können Hörer*innen selbst schlussfolgern, aus der Architektur unweigerlich der Aktivismus? Hören Sie selbst rein und erfahren Sie, wie Architektur die Zivilgesellschaft stärken kann und ob Sie dafür jetzt Aktivist*in werden sollten. Eine in diese Zeit passende und sehr empfehlenswerte Episode. ~rg
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