Planetarium in Prag

LED ersetzen Projektionstechnik

Wer Sterne beobachten möchte, geht in eine Sternwarte – oder ins Planetarium. Denn dort werden Sternenbilder und verschiedene Himmelsszenarien von Innen an eine Kuppel projiziert und sind damit auch dann sichtbar, wenn sich Wolken vor den Nachthimmel schieben. Das Prager Planetarium zeigt jedoch, die Zeit der Sternbild-Projektoren läuft aus, Himmelsfeuer aus LED sind die Zukunft.

Die fünfzehn Meter hohe und im Durchmesser 23 Meter breite Kuppel gehört weltweit zu den größten planetarischen Projektionsflächen.
Das Prager Büro collcoll plante die Sanierung und die neue Innenarchitektur mit mehr Sitzplätzen und nachhaltigem Energiekonzept.
Zahlreiche internationale Unternehmen waren alleine für das ungewöhnliche große LED-Display und die damit verbundene Medien- und Energietechnik beauftragt.

Planetarium schreibt Technikgeschichte

Das Prager Planetarium bietet mit seiner im Durchmesser 23 Meter breiten und fünfzehn Meter hohen Kuppel eine der weltweit größten Projektionsflächen. Das Bauwerk entstand nach Plänen des Architekten Jaroslav Frágner und öffnete 1960 seine Türen. Seitdem wurde es mehrfach umgebaut und medientechnisch auf den jeweils neuesten Stand angepasst. Zuletzt brachte der Zeiss-Jena-Projektor Cosmorama aus dem Jahr 1991, eines von nur vier Modellen weltweit, die Kuppel zum Leuchten. Er gehörte zur ersten Generation computergesteuerter Projektoren und konnte mit zwei großen und mehreren kleinen Kugeln und zahlreichen Projektionslinsen über 9.000 verschiedene Sternbilder abbilden. Ein Wunderwerk seiner Zeit, das allerdings viel Raum in der Saalmitte einnahm.

Sanierung

2023 stand eine umfassende Sanierung des Gebäudes an und mit ihr hielt auch eine neue Medientechnik Einzug. Die Architektur dazu lieferte das Prager Büro collcoll, das sich zunächst auf die ursprüngliche Architektur besann und sämtliche nachträgliche Einbauten entfernte. Weil auch der alte Projektor aus der Saalmitte entfernt wurde, war der Kuppelsaal über seine volle Größe nutzbar. Das Team konzipierte die Saalfläche in stufenförmiger, geometrischer Anordnung und mit neuem Mobiliar um und erweiterte das Auditorium so um 46 Sitze. Jetzt fasst der Saal 277 Gäste. Zudem erhielt das Foyer eine neue Garderobe, eine weitere LED-Präsentationsfläche und einen Shop. Das Untergeschoss ist nun Ausstellungsfläche. 

LED-Screen statt Projektionstechnik

Herzstück ist aber die neue LED-Medientechnik: Über die gesamte Kuppelinnenseite erstreckt sich jetzt ein halbkugelförmiges Display– mit einem Durchmesser von 22 Metern und mit 45 Millionen Pixel, die die räumliche Darstellung jedes Bildes ermöglichen. Der LED-Bildschirm spart Platz im Raum, braucht aber enorm viel Energie, vor allem für die Kühlung. Denn die Abwärme des Screens entspricht der von drei Einfamilienhäusern und lässt sich zumindest im Winter für die Beheizung des Gebäudes nutzen. Dafür wurde die Gebäudetechnik erneuert und mit einem neu gebauten Erdwärmespeicher im benachbarten Park verbunden.

2025 wurde das sanierte Planetarium wiedereröffnet und bietet den Gästen seither unterschiedliche Vorträge, Shows, 360°-Galaxie-Reisen und Filme, alles unter einer Kuppel.

Bautafel

Architektur: collcoll / Adam Kössler, Krištof Hanzlík, Libor Mládek, Michal Fousek
Projektbeteiligte: her architecture, Prag (Landschaftsgestaltung), CManagement, Prag (Projektleitung), Jiří Cís (Technische Leitung), TO SYSTEM, Příbram (Energiemanagement), Atrea, Leobersdorf + Croatherm, Prag (Lüftung), Bohemik, Dobříš (Umweltsteuerung, Lüftung). Michal Ježek (Kühlung), Regultherm, Všenory (Heizung), TZB-BLOCK, Prag (Sanitär), Gerotop, Stráž nad Nisou - Liberec + Artemia, Polná (Geothermie), Aveton, Prag, Petr Roll + A.W.A.L., Prag (Akustik und Schallschutz), Ilona Muziková (Brandschutz), Pring, Hostavice (Elektroleitungen), sysloop engineering, Prag (Beleuchtungskonzept, Elektrizität, LED-Beleuchtung), Galenit, Prag (Elektrizität), Cosm + Evans & Sutherland, Inglewood/ USA (LED-Projektionstechnik), Loko Trans Media, Střelice  (LED-Bildschirm Foyer), STIFRA Plzeň, Plzeň (Messung und Steuerung), Štěpán Thondel (Statiker), Jan Kopecký (Geodätische Vermessung), Karel Krejčíř (Stahlkonstruktion), Spitz, Chadds Ford/ USA (Kuppelstruktur), Kinoexport, Korytná (Sitzmöbel), Rextron (Bauarbeiten), Technische Abteilung des Planetariums (Abriss und Standortvorbereitung), Peri Up, Jesenice u Prahy (Gerüstbau), Pavel Keprta, Sistel, Prag(Sicherheitstechnik), Altron, Prag (Serverinstallation)
Bauherr: Sternwarte und Planetarium der Stadt Prag
Fertigstellung: 2025
Standort: Královská obora 233, 170 00 Prag, Tschechien
Bildnachweis: BoysPlayNice, Prag

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