Pioneer Units

Autonomes Pflanzsystem

Pioneer Units ist ein modulares Pflanzsystem mit Ursprung in Japan. Es wurde von dem Landschaftsarchitekten Michio Tase entwickelt und ursprünglich als Gobaimidori betitelt – was so viel bedeutet wie „Fünf-Seiten-Grün“. Der Name verweist auf die vollständige Begrünung der kubischen Pflanzeinheiten. Atelier le Balto und Ludivine Gragy etablierten das Konzept im europäischen Raum und gaben ihm einen neuen Namen.

Zum Einsatz kamen die Pioneer Units u.a. im Büroensemble Telegraph in Berlin – realisiert von &Mica und den Landschaftsarchitekt*innen Atelier le Balto und Ludivine Gragy.
 Die niedrigen Gabione auf den Loggien sollen die Fassade mit der Zeit komplett begrünen und somit als Feinstofffilter sowie kühlend und lärmreduzierend wirken.
Die Auswahl erfolgt nach saisonalen Blüten-Zyklen, Wachstum und Anpassungsfähigkeit der Pflanzen.

Konzipiert für die Stadt, ermöglichen die Pioneer Units eine üppige Begrünung auch an Orten ohne direkten Zugang zum Erdreich – etwa auf Terrassen, Balkonen oder in Straßenräumen. Die Grundstruktur der Units bilden Gabionen: Körbe aus gewelltem Stahldraht, die mit einem Geotextil ausgekleidet und rundum dicht bepflanzt werden. Eine spezielle Pflanztechnik, bei der das Grün direkt in die Gabionen eingewebt wird, kombiniert mit einem leichten, wasserspeichernden Substrat, sorgt für eine langlebige, atmungsaktive Struktur.

 

Ursprünglich war Gobaimidori als Methode gedacht, um die Satoyama-Landschaft – eine artenreiche, waldähnliche Vegetation zwischen Bergen und Meer in Japan – im urbanen Raum zu ermöglichen. Analog dazu entwickeln sich die bepflanzten Units beinahe wie ein kleines Waldstück: pflegeleicht und selbstregulierend. Jung und dicht gepflanzte Bäume, Sträucher und Stauden wachsen über zwei bis vier Jahre hinweg zu einer standortangepassten Vegetation heran – bis die Stahlstruktur vollständig von Grün überwachsen ist.

 

Mehrere Pioneer Units lassen sich zu modularen Landschaften kombinieren, deren Pflanzenpalette sich saisonal verändert. Sie bieten Schutz vor Wind und direkter Sonneneinstrahlung, senken durch Verdunstung die Umgebungstemperatur und verbessern das Mikroklima. Die allseitige Begrünung trägt zusätzlich zur thermischen Stabilität des Substrats bei – ein Vorteil gegenüber herkömmlichen Pflanzbehältern aus Stahl oder Terrakotta.

 

In den Pioneer Units entwickelt sich eine vielfältige Bepflanzung mit ökologischem Anspruch: Die Auswahl erfolgt nach saisonalen Blüten-Zyklen, Wachstum und Anpassungsfähigkeit. Einheimische Pionierpflanzen werden aufgrund ihrer Robustheit und Widerstandsfähigkeit bevorzugt. Zusätzlich kann sich das ökologische System zu einem Lebensraum für Insekten und Vögel entwickeln.

Zum Einsatz kamen die Pioneer Units u.a. im Büroensemble Telegraph in Berlin – realisiert von &Mica und den Landschaftsarchitekt*innen Atelier le Balto und Ludivine Gragy.

Entwicklung: Atelier le Balto und Ludivine Gragy Landschaftsarchitektin

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Regenwasserbewirtschaftung und -rückhaltebecken auf dem Gelände der Atelier Gardens in Berlin, Planung: MVRDV und Hirschmüller Schindele Architekten

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Neben den Schloss-, Volksparks, wissenschaftlich-botanischen und privaten Gärten sind in den letzten Jahren neue Formen entstanden, wie z. B. urban farming, urban gardening, guerilla gardening, Agritecture (im Bild: Vertikaler Garten von Patrick Blanc, Rue d'Aboukir, Paris).

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