Pier Pavilion in Sydney

Eine Hommage an Land, Meer und Himmel

Der Pier Pavilion des in Sydney ansässigen Architekturbüros Besley & Spresser soll als neues öffentliches Wahrzeichen am Sydney Harbour fungieren. Der aus einem nationalen Wettbewerb im Jahr 2020 hervorgegangene und 2025 fertiggestellte Bau vereint auf einer Fläche von rund 400 Quadratmetern Funktionen für Veranstaltungen, Begegnung und Rückzug. Das Bauprojekt ist Teil einer umfassenderen Erneuerung der Uferzone Sydneys. Er befindet sich im Hafenregenerationsgebiet Barangaroo und interpretiert in seiner Gestaltung die Beziehung zwischen Land, Meer und Himmel durch Materialität, Geometrie und Licht. Prägendes Merkmal des Gebäudes ist die helle „Oyster-Terrazzo“-Fassade, die eigens für dieses Projekt aus recycelten Sydney-Rock-Austernschalen entwickelt wurde.

Die Dachfläche ist als begrünter Lebensraum konzipiert und leistet so einen Beitrag zur urbanen Biodiversität.
Eine kreisrunde Öffnung von sieben Metern Durchmesser im Dach dient als zentrales Lichtelement.
Der Pavilion vereint auf einer Fläche von rund 400 Quadratmetern Funktionen für Veranstaltungen, Begegnung und Rückzug.

Barangaroo

Das Stadtgebiet Barangaroo ist nach einer Aborigine-Frau benannt, die während der frühen britischen Kolonialisierung Australiens eine bedeutende Rolle im antikolonialen Widerstand spielte. Vor der Kolonialisierung nutzten die Gadigal, die ursprünglichen Aboriginal-Bewohner des Stadtgebiets von Sydney, dieses Gelände zum Jagen, Fischen, Kanufahren und Schwimmen. Über mehr als 100 Jahre war das Areal für die Öffentlichkeit unzugänglich und diente als industrieller Standort. Im Jahr 2003 beschloss die Regierung von New South Wales, das Gebiet von Hafen- und Umschlaganlagen in einen neuen Stadtteil mit Büroflächen und Erholungsräumen umzuwandeln. Der Entwicklungsprozess erstreckte sich von Wettbewerben bis zu Rahmenplänen zwischen 2005 und 2012. Heute gilt Barangaroo als eines der bedeutendsten Stadterneuerungsprojekte Australiens. Klimaziele und ökologische Strategien sind in allen Phasen der Planung und Umsetzung verankert, von energieeffizienten Gebäuden über öffentliche Grünflächen bis hin zu Maßnahmen zur Abfallreduktion. Barangaroo möchte damit neue Maßstäbe für eine umweltbewusste Stadtentwicklung setzen.

Material als Erzählträger

Den Ausgangspunkt des Entwurfs bildet ein Baustoff, der den Ort selbst in sich trägt. Für den Pavillon wurde ein eigens entwickelter Terrazzo eingesetzt, dessen Zuschläge aus recycelten Schalen der Sydney Rock Oyster bestehen und mit wiedergewonnenen Gesteinsresten kombiniert wurden. Rund eine halbe Million dieser Relikte aus dem Hafenraum erhielten so eine zweite Existenz als prägende Oberfläche des Bauwerks. Der Entwicklung dieses Materials ging eine intensive Phase des Erprobens voraus. In zahlreichen Versuchsreihen wurde nach einer Mischung gesucht, die Dauerhaftigkeit mit einer charakteristischen, haptischen Qualität verbindet.

Konstruktiv wird das Gebäude von einer umlaufenden Folge aus schlanken Stützen gefasst, die das begrünte Dach tragen und zugleich unterschiedliche Übergänge zwischen Innen und Außen schaffen. Eine kreisrunde Öffnung von sieben Metern Durchmesser im Dach fungiert als zentrales Lichtelement: Bei Sonneneinfall wandert der Lichtkegel über den Boden und strukturiert den Raum im Tagesverlauf. Im Inneren des offenen Pavillons befindet sich ein zweiter, freistehender Baukörper, der eine Bar sowie Lager- und Technikräume beherbergt und die Nutzung des Pavillons für Veranstaltungen ermöglicht.

Landschaft auf dem Dach

Besonders prägend für die Erscheinung dieses Gebäudes ist außerdem die vollständig begrünte Dachlandschaft von den Landschaftsarchitekten CJ Arms. Auf einer gefalteten Holzkonstruktion aus Brettschichtholz liegt eine Substrat- und Vegetationsschicht, die den extremen Bedingungen des Hafens standhält: Wind, Sonne und salzhaltige Luft. Gepflanzt wurden fast 2.500 trockenheitstolerante Endemiten ­– Gräser, Kräuter und Sträucher, ergänzt durch Sandstein und Totholzelemente – wie sie für die umliegenden Klippen typisch sind.

Die Dachfläche ist bewusst als Lebensraum konzipiert und leistet so einen Beitrag zur urbanen Biodiversität. Einheimische Bienen, bestäubende Schmetterlinge und Vögel werden von der blühenden Vegetation sowie von den flachen Regenwasserpfützen angezogen, die sich nach Regenfällen bilden. Eine zweite, geschütztere Begrünung auf dem Dach des innenliegenden Raumes nutzt schattentolerante Pflanzen und schafft ein eigenes Mikroklima.

Ein öffentlicher Lernort 

Über digitale Vermittlungsangebote, Beschilderungen und Live-Kameraübertragungen wird die Dachlandschaft Teil eines erweiterten öffentlichen Diskurses. Besucher*innen können saisonale Veränderungen, Blühzyklen und Tierbesuche verfolgen. Architektur dient hier nicht nur der Nutzung, sondern auch als Ort des Beobachtens und Lernens. Der Pier Pavilion zeigt, wie ein vergleichsweise kleines Bauwerk große Themen verhandeln kann: Erinnerung und Materialkreislauf, Landschaft und Stadt, Geschichte und Zukunft.  

Bautafel

Architektur: Besley & Spresser, Sydney  
Projektbeteiligte: CJ Arms (Landschaftsarchitektur); SDA Structures (Tragwerksplanung); Terrazzo Australian Marble (Terrazzo), Fassade (Ironbridge Engineering) 
Bauherr*in: Infrastructure NSW, Sydney
Fertigstellung: 2025
Standort: Sydney, Australien  
Bildrechte: Rory Gardiner 

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